
Ich bin nur müde
Manche Wochen ziehen in einem rasanten Tempo vorbei. Kennst du das? Dann sind meine Tage voll, atemlos ein wenig, aber ohne richtig große Anstrengung – darauf versuche ich ja zu achten. Ich will nicht mehr rasen. Ich weiß längst, dass dann die Tage zu schnell vergehen und vielleicht meine To Do Liste abgehakt, aber mein Leben seltsam leer scheint. Also langsamer. Doch wenn das Leben einfach wild ist? Dann laufe ich mit, lasse mich tragen von den Wellen und Ereignissen, von meinem Ehrgeiz und meiner Eitelkeit manchmal auch und irgendwann werd ich trauriger und leiser. Ich bin nur müde, denke ich. Doch stimmt das?
Polen und Geburtstage
Es begann mit meinem Geburtstag. 56 zu werden war nicht besonders emotional. Das Alter kommt jährlich wie erwartet und ich umarme gerne das Privileg hier zu sein und noch einen weiteren Ring in meinem Lebensbaum willkommen zu heißen. Es wurde angestoßen und Geschenke ausgepackt. Ich dachte wieder einmal, wie dankbar ich bin. Da ist so viel Liebe um mich, wenn ich bereit bin, sie zu sehen. Nach der Party ist bekanntlich vor der Party und so ging es danach für mein wunderbares Doterra Wellnessberater Sein(ist die Erwähnung schon Werbung? ) nach Polen zur jährlichen Convention.



Menschen treffen
Es war ein bisschen wie vor zwei Jahren bei der Taylors Eras Tour. Lauter gut gelaunte Frauen, die gemeinsam etwas feiern, was sie lieben. In diesem Fall weniger Musik (wobei eine atemberaubende Violinistin dabei war), sondern Öle und Wissenschaft, Leadership und Empowerment. Ich hörte zu und schrieb einen Ticker fürs Team, lernte und war zwischendurch ganz schön gerührt (mehr dazu im Zurück zur Natur Podcast Folge 74). Es wurde getanzt und sich gedrückt. Viele Menschen, viele liebe Worte, zwischendurch ich – manchmal sehr begeistert, manchmal etwas unsicher. Ich halte dann gerne verkrampft die Hand meines Mannes und folgere daraus, dass ich eventuell eine introvertierte Extrovertierte bin. Gibt es sowas? Menschen treffen tut jedenfalls meist gut. Mein Highlight waren Alena und Mar, zwei junge wunderbare Frauen, die wir in einem angeregten Gespräch über vegane Plunderteilchen und ihre Vorzüge, kennengelernt haben. Schön war das, im besten Sinne.
Noch mehr Menschen
Gefahren sind wir übrigens mit dem Zug, was ich mir total romantisch vorgestellt hatte. So eine Mischung aus modernem Roadmovie mit viel Komfort, Orientexpress nach Polen, in der Hauptrolle ich als entspannt Reisende in erstaunlich schönen Jogginghose. Rückblickend muss ich sagen: Geht so. Die deutsche Bahn war leider wenig überraschend etwas spät dran und im EC nach Polen funktionierte nur einmal die Klimaanlage im Abteil. Wie immer, wenn ich nach Hause komme, war ich erleichtert wieder da zu sein und ein wenig reicher als vorher. Reicher an Erinnerungen und die sind was feines. Man muss rausgehen, um neue zu finden. Gleichzeitig lieb ich den Moment, wenn mich die Heimeligkeit des Gewohnten wieder ummantelt. Die Schultern sinken dann noch ein Stück mehr. Zuhause ist am schönsten, denke ich und fühle mich meiner Oma sehr, sehr nahe. Ich glaube, die hat etwas ähnliches gesagt.
Geburtstage
Dann wurde der Jüngste noch 18. Was für ein Meilenstein! Er ist groß und toll und ich bin stolz und glücklich seine Mama zu sein. Wir feiern sowas gerne und wirklich, ich wünschte sehr, ich könnte eine entspannte Gastgeberin sein. Bin ich aber nicht. Wobei ich gerne Gastgeberin bin, also zumindest in wohldosierten Abständen. Es macht mir Freude, Rezepte zusammenzutragen und das Essen dazu passend herbeizuschleppen. Doch ich bin angespannt. Wird alles schmecken? Wird es reichen? Natürlich würde nie jemand verhungern aber vor lauter Gedanken schlafe ich sehr schlecht. Die Party habe ich dennoch genossen. Wir saßen und lachten, die Stimmung kippte nicht und so war der ganze Tag ein feiner Reigen netter Augenblicke. Es war ein wenig anstrengend. Ich will gerne, dass es allen gut geht. Möchte umsorgen, aber nicht besorgt wirken, will jeden gerne einmal sprechen und gleichzeitig Zeit haben. Kurz: Nach Feiern bin ich glücklich und müde, sehr müde.

Aufräumend in den Alltag zurück
Ich stürzte mich also ins Aufräumen, denn so kommt der Alltag zurück: Indem alles wieder aussieht, als wäre nie etwas gewesen, nur mit neuen Erinnerungen im Gepäck. Doch dieses Mal war ich müde. Alles schien mir ein wenig zu viel, alles ein wenig zu laut. Ich begann zu grübeln, statt mich auszuruhen, was niemals eine gute Idee ist. Nach kurzer Zeit war ich traurig, ein wenig hoffnungslos, hatte meine Träume und Pläne hinterfragt und so einen feinen Pessimismus in meine Gedanken gewoben. Verrückt. Bis mir der Gedanke kam: Vielleicht bin ich nur müde? Es scheint so profan, zu einfach fast. Können zwei zu kurze Nächte und ein wenig Sozialkater die Melancholie erklären? Ich würde sagen: Ja. Müdigkeit ist toll, denn ihre Wirkung ist vielfältig.
Was es braucht
Müdigkeit braucht eine Pause, sie ruft danach. So wie zu viel Lärm Stille braucht oder ein Tag im Büro nach Natur ruft und Miteinander nach Einsamkeit verlangt. Wir alle treiben zwischen den Polen und nach jedem Zuviel vom Einen braucht es das Andere. Wie ein Kontrast. Ich hab also geschlafen und am Morgen noch ein paar Minuten den Himmel vorm Fenster betrachtet. Ich war spazieren und hab auf dem Balkon gelegen. Zeit dehnt sich wieder aus, wenn wir weniger in den Tag packen. Staunen kommt zu uns zurück, wenn wir uns Zeit geben. Mit der Pause verschwand die Müdigkeit und nahm all die Zweifel gleich mit. Manchmal sind wir nur müde und das ist menschlich und in Ordnung. Müdigkeit zeigt uns, wo wir verausgabt sind und lädt uns ein, das Tempo rauszunehmen. Ich glaube, sie ist heilig.
Und du?
Wie geht es dir gerade? Bist du auch manchmal müde? Mir hat jemand gesagt, es läge am Feuerpferd-Jahr und keine Ahnung, kann schon sein. Vielleicht müssen wir alle in den ambitionierten Jahren der Neubeginne ein wenig tiefer atmen und ein bisschen mehr schlendern. Einfach, weil wir es können und es gut tut, sich daran zu erinnern?
Ich freu mich von dir zu hören.
Hab einen feinen Tag,
Silja
PS: Wenn dich Doterra ruft (jetzt ist es Werbung): Schreib mir. Wir finden dein Startkit und es beginnt eine sehr magische Reise. Ich freu mich auf dich!
PPS: Das schöne Titelbild hat Miriam Dierks gemacht. Du findest sie hier.
