
Wechseljahres -Gespräche
Es wird mal wieder Zeit für einen kleinen Brief, oder? Neulich war ich im Gespräch über die Wechseljahre. Natürlich. Worüber sollte ich auch sonst gerade reden? Wechseljahres-Gespräche sind spannend und ich stürze mich gerne hinein. Mein Gegenüber war eine wunderbar energetische Frau, die voller Inbrunst ihre Leiden und ihren Frust darüber beschrieb. Es ging um Drüsen, die kein Arzt kannte und Leiden, die so lange unentdeckt und missinterpretiert blieben. Ich konnte verstehen, dass das verunsichernd war. Als ich mein Buch* erwähnte und ihr beschrieb, dass es um einen Blick auf die Wechseljahre als Chance und unseren Körper als Kompass ginge, war sie – hm, wie sag ich es? – nicht einverstanden trifft es wohl am besten.
Jede hat ihr eigenes Erleben
Wir alle gehen durch das Leben und sehen es durch unsere eigene Brille. Wie ein Filter legen sich alte Erfahrungen genauso wie neue Schlussfolgerungen auf die Wirklichkeit, die durch unsere Sinne in unser Gehirn dringt. Nicht alles kann aufgenommen werden, unser Kopf muss also filtern. Wie er das tut, was ihm bedeutsam erscheint – all das entscheiden wir meist nicht bewusst. Es hat gedauert, bis ich wirklich verstanden hatte, dass wir alle ein eigenes Erleben haben und, dass das bedeutet, dass jede unserer Deutungen subjektiv und gleichzeitig für uns halt auch wahr ist. Bei den Wechseljahren ebenso wie beim Lieblingsessen. Während ich heute, vielleicht post-wechseljahres-verzerrt, auf eine Zeit der Befreiung und des Zurückfindens zu mir blicke, kann eine andere die Zeit noch immer furchtbar finden. Beides ist wahr, weil beides gefühlt wird. Empfindungen sind nicht zu diskutieren, oder?
Nur wir selbst
Womit ich immer bei der Frage lande: Kann ich überhaupt helfen? Oder können wir uns nur selbst helfen? Ich glaube beides stimmt. Wir können uns von außen anregen lassen, wenn wir es zulassen. Müssen wir aber nicht. Wir dürfen wählen. Willst du recht haben oder glücklich sein? habe ich einmal gelesen und der Prozess des Zulassens anderer Blickwinkel kann bereichernd sein für die entscheidenden Kreuzungen der Veränderung in unserem Leben. Sind wir bereit, anders auf etwas zu schauen? Kann unser Ego die Möglichkeit zulassen? Oder passt etwas einfach gar nicht zu uns? Beides ist ok. Wir müssen Chancen sehen wollen, um sie tatsächlich wahrnehmen zu können. Wir dürfen unsere Gedanken und die Schlussfolgerungen, ja besonders die Logik in unserem Kopf hinterfragen lernen – wenn wir wollen und ob und wie und wann wir das machen, bleibt alleine uns überlassen.
Jede darf ihren Weg finden

In meinem Buch wollte ich vor allem dazu ermutigen, den eigenen Weg durch die Wechseljahre zu finden mit Übungen, Fragen, Informationen. Es ist ok, dass es nicht für alle das richtige Buch ist. Ich hoffe, wir alle finden unseren eigenen Weg und genau die Frauen, die uns auf genau diesem Weg empowern, inspirieren, ermutigen können. In dieser ganzen Zeit der Perimenopause und Menopausen haben mir beispielsweise nicht nur die Fachbücher gut getan. Es waren auch all die Impulse in Yogastunden, die Stunden im Gym und die Gespräche am Rande, ja sogar ein paar Instagram-Reels oder die Gespräche mit anderen Liebhabern von ätherischen Ölen und Supplements und noch so vieles mehr.
Unverhoffter Rückenwind

Unerwarteter Rückenwind in dieser Zeit kam übrigens auch aus all den Romantasy Büchern, die ich neuerdings verschlinge. Dazu muss ich aber noch einmal einen anderen Brief schreiben. Was ich heute teilen will: Es ist so ermutigend, von Frauen zu lesen, die lernen zu kämpfen, sich widersetzen, durchsetzen und das auch noch in verrückt fremden Welten. Ich lieb es. Hätte ich nie gedacht! Bis vor kurzem wusste ich gar nicht, dass es dieses Genre überhaupt gibt. Was ich sagen will: Rückenwind kann von überall her kommen. Wir müssen nur die Augen aufhalten. Schauen, wohin unser Herz springen will. Die Impulse zulassen.
Veränderung
Veränderung ist gut. Sie passiert ständig. Sie ist Leben. Es mag schmerzhaft sein, wenn sie uns erstmal nicht guttut. Nicht jede Veränderung fühlt sich wie eine Verbesserung an. Dennoch: Es tut gut, sich in sie hineinzuwerfen, statt sie zu scheuen. Es gibt keine Alternative und gleichzeitig ist es in Ordnung Angst zu haben oder unsicher zu sein, sogar genervt. Gerade, wenn sich der Körper so drastisch verändert wie in den Wechseljahren, kann das einiges auslösen. Gleichzeitig entscheidet unser Umarmen jeder neuen Phase mit, wie positiv wir sie erleben. Krallen wir uns fest in einem vergilbenden Gestern oder springen wir rein in die bunten Farben des Heute? Ich übe weiter all den Fluss zuzulassen. Nicht festzuhalten. Einfach hier zu sein – auch in Gesprächen, die so ganz anders sind, als ich es erwartet hatte. Weil jeder neue Blickwinkel bereichernd sein kann, spannend, anders und das ist gut so.
Wie geht es dir?
Von Herzen,
Silja
PS: Werbung: Du kannst mehr über ätherische Öle und Co über mich lernen und kaufen. Schreib mir. Ich lieb es sehr.
* Und hol dir mein Buch 🙂 Hier ist der Link oder du kaufst es irgendwo im Buchhandel.

PPS: alle Fotos sind von der wunderbaren Miriam Dierks. Du findest sie hier.
