Ent-spannen lernen

Ent-spannen lernen

Ent-spannen lernen

Neulich bin ich gefallen. Erst verschlang ein Hohlraum unter einem Stein den zarten Rand meines Schuhs, dann lag ich. Wenn wir fallen, bleiben Blessuren, außen wie innen. Nach dem Schreck kam die Heilung. Mit den Tagen schlossen sich die kleinen Platzwunden und feine blaue Felder bildeten sich unter meiner Haut. Am längsten blieb die Spannung, wie ein Abdruck des Schrecks und des Schlags, den der Körper abbekommen hatte. Alles hinterlässt eine Spur in uns, ist es nicht so? Unser Körper speichert die Spannungen, bis wir sie irgendwann wieder lösen. Ich dachte also, mein nächster kleiner Brief hier sollte über das Ent-spannen lernen gehen. Ich übe es, du vielleicht auch und glücklicherweise es ist gar nicht so kompliziert, nur ungewohnt.

Alles zusammenhalten

In den meisten Frauen, die ich kenne, lebt das Bedürfnis. alles zusammenhalten zu wollen. Familien, Routinen, gewohnte Abläufe. Mir geht es genauso. Es gibt mir ein Gefühl von Sicherheit, wenn ich das Gefühl habe „die Dinge im Griff zu haben“. Wenn Wäsche gewaschen, Kühlschränke gefüllt, Geburtstage gefeiert wurden. Nur nichts vergessen, nichts übersehen. Mental Load nennen manche das, doch das scheint mir zu kurz gegriffen. Ja, da ist viel los in meinem Kopf aber auch in meinem Körper. Ich halte mein Leben manchmal an mich gepresst, scheint es. Als gäbe es die Gefahr, dass es mir entweicht oder entrissen wird und ich plötzlich dastehe  – ja, wo eigentlich?

Der Traum von Sicherheit

Früher dachte ich immer, ich komme irgendwann an. Also nicht räumlich, das tue ich ja ständig. Auch nicht im Moment, das klappt dank all dem Yoga und Selbsthilfekram der letzten 30 Jahre auch so viel besser, eher an irgendeiner Art Ziel. Da, wo alles plötzlich klar ist, wo die innere Klarheit und äußere Ordnung magisch zusammentreffen. Wo kein Tab in meinem inneren und äußeren Computer mehr offen ist. Wo irgendwas erreicht ist, von dem ich nur vage weiß, dass ich es unbedingt erreichen muss. Bis mir die Illusion davon klar wurde. Dieses „das Gute ist um die nächste Ecke“ ließ mich das Gute hier und jetzt nicht immer ganz erkennen. Ein Versprechen, was sich nie einlöst und uns ein wenig ablenkt von dem, was ist. Die Idee von einem sicheren Ankommen gehörte losgelassen, auch um der Entspannung willen, doch der Traum von Sicherheit ist hartnäckig.

Nervensystemkram

Natürlich weiß ich, dass mein Nervensystem mir hier reinquatscht. Dass ein Teil von mir eher als Neandertalerin statt in 2026 lebt und mein Überleben von einer wunderbaren Mischung aus hormonellen Impulsen und unbewussten Wahrnehmungen und Regeln gesichert wird. Das erklärt ebenfalls einen großen Teil der Anspannung. Ich kann es spüren, wenn ich bei fremderen Menschen oder an neuen Orten bin. Wie etwas in mir noch mehr aufpasst als sonst. Als gäbe es eine zweite Instanz in mir, ein engagiertes, süßes Monster, das bereit ist die Steuerung meines Körpers zu übernehmen, wenn etwas da draußen zu wild wird. Was immer wieder passiert und eigentlich auch nicht.

Die Kunst, es nicht so wichtig zu nehmen

Eigentlich bin ich so gut wie nie wirklich in Gefahr. Was gut ist. Ich mag es, bin keine typische Abenteuerin. Gleichzeitig ist da etwas in mir immer auf der Lauer, wartet auf den Sprung. Diese Grundanspannung loszulassen, ist das, was wir lernen, wenn wir lernen zu ent-spannen. Die Dinge nicht so wichtig nehmen und gleichzeitig die Details so richtig wichtig, das ist eine Kunst. Diesen Moment sehen, sehen, wie das Licht auf unsere Haut trifft oder wie Schatten in Ecken gemalt werden und etwas irgendwo etwas glitzert. Wenn Menschen laut lachen oder leise eine Hand nehmen. Es gibt so viele Wunder da draußen, die im Tunnelblick des Sicherseins und Zusammehaltenwollens untergehen können. Die wichtig nehmen. Den Rest nicht. Ich übe etwas länger schon Nichtstun. Was schwerer ist, als es scheint. Keine Ablenkung, maximal eine Yoga Nidra Anweisung, aber lieber noch: gar nichts. Schwer. Und was da alles in meinem Kopf

Was, wenn nichts klappt?

Mein Lieblingsspiel bei Sorgen ist mir auszumahlen, was passiert, wenn nichts klappt. Wenn der schlimmste Fall eintritt. Was mache ich dann? Wie ist der Plan? Wäre dann noch etwas da, über das ich mich freuen könnte? Würde ich untergehen? Die Antwort ist immer: Ja zum ersten und Nein zur letzteren Frage. Würde ich nicht. Dinge können richtig schwer sein und wir schaffen es dennoch irgendwie den Kopf über Wasser zu halten, oder? Und überhaupt: Was, wenn es klappt? Das muss die nächste Frage sein, denn sie mich einlädt, mich ins Risiko zu werfen. Das Scheitern zu riskieren für den Preis des Erlebens dieser Variante meines Lebens. Es geht beim ent-spannen darum, das Ergebnis nicht so wichtig wie das Erleben zu nehmen. Aufregend ist das und beruhigend gleichermaßen.

Nach dem Fallen wieder aufstehen

Am schlimmsten war nach meinem Sturz mein Nacken. Er ist sowieso meine Schwachstelle. Wegen ihm spiele ich kein Volleyball mehr und muss aufpassen, dass ich genug Yoga und Kraftsport mache. Nach dem Kinnhaken der Bordsteinplatten tut er immer noch weh. Das einzige was hilft: Langsamer machen, fühlen, erkunden. Zu sehen, dass ich ihn sanft dehnen kann oder dass eine leichte Massage Wunder wirkt. Vielleicht war mein Sturz eine weitere Einladung des Lebens, mich gut um mich zu kümmern? Diesen Körper nicht ins Funktionieren zu zwingen, sondern mit ihm durch meine Tage zu tanzen?

Was wollen wir wirklich?

Manchmal denke ich, ich bin so daran gewöhnt, etwas zu tun, etwas zu leisten, mich zu beweisen, etwas zu kreieren und frage mich: Warum ist das so? Ent-spannung würde vielleicht bedeuten, ganz den Impulsen nachzugehen und weniger den Plänen? Sich anzulehnen an die Idee, dass das Leben nicht bewiesen werden muss, sondern einfach nur erlebt. Dass unser Wert weniger von unserem Tun abhängt, als von der Art, wie wir das Licht in uns spüren können. Die Abdrücke von all dem, was wir erlebt haben, ob körperlich oder emotional, nicht zum Zentrum unseres Tuns zu machen. Es nicht darum gehen zu lassen, etwas zu vermeiden. Sich ausbreiten im Leben, im besten Sinne. Wie Licht halt, das in ein Haus scheint.

Was die Seele will

Seit Jahren arbeite ich nun schon mit meiner inneren Stimme. Dieser Instanz aus Licht und Wärme in mir, die irgendwo in meinem Zentrum wohnt und deren liebevolle, klaren Antworten ich nur erhalte, wenn ich lerne entspannt hinzuhören. Ihre Weisung ist immer ähnlich. Sie fragt eher: Was würde jetzt Spaß machen? als: Was ist jetzt zu tun? Sie sieht meine Verpflichtungen nicht als Bürde, sondern als etwas, dass ich freudig gewählt habe. Woran ich wachse. Sie sieht, wie ich lerne, meinen Weg zu gehen. Motiviert mich. Inspiriert mich. Sie ist das Sprachrohr des Teils in mir, der hier ist, um dieses Leben zu leben, nicht abzuarbeiten. Dennoch will sie Dinge tun. Es ist schwer zu erklären, aber alles, was sie macht, hat nichts mit Anspannung zu tun. Anspannung, so ist ihre Wahrheit, ist immer die Folge von Angst. Und ich glaube, das ist tatsächlich sehr, sehr wahr.

Was meinst du? Gespannt auf deine Gedanken. Wie geht es dir mit Anspannung und Entspannung? Hier gibt es übrigens diese oder diese Meditation für dich. Gerade Yoga Nidra hat mir beim entspannen so gut geholfen und tut es noch. Und noch etwas Wichtiges: Im Juli 2026 an Neumond startet Bliss – falls du mit mir deine innere Stimme finden willst, kannst du dich einfach hier anmelden.

Von Herzen,

Silja

PS: Im September 2026 beginnt die Soul Coach Ausbildung mit mir. Du findest hier alle Informationen. Wenn sie dich ruft, dann freue ich mich auf dich.

PPS: alle Fotos hat die wunderbare Miriam Dierks gemacht. Du findest sie hier. 

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

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