Die Schuld der Mütter

Die Schuld der Mütter

Die Schuld der Mütter

Heute morgen habe ich mit einer Freundin geschrieben, die den Turnbeutel ihres Sohnes vergessen hatte, weil Hektik aufkam und die sich, du ahnst es, nun furchtbar fühlte. Jede Mutter, will ich kühn behaupten, kennt das. Die Schuld der Mütter, mit einem Gewitter aus Gedanken wie: „Ich hätte daran denken müssen!“ oder „Warum habe ich nicht besser aufgepasst?“. Der Anspruch alles richtig zu machen, ist so groß. Er scheint auch unabdingbar, denn wenn wir ihn nicht haben? Dann leidet jemand anders. Jemand, den wir lieben und um den wir uns kümmern wollen und müssen. Also ist dies ein kleiner Text über Mütter und die Schuld, die wir uns nicht ausgesucht haben, aber dennoch manchmal tragen.

Zwischen Bereuen und besser machen wollen

Wenn ich zurück schaue auf die Zeit, in der meine drei Söhne klein waren und damit weniger selbstständig und auf ihre Eltern angewiesen, erinnere ich mich so gut an den beißenden Schmerz von Schuldgefühlen. Schuldgefühle begleiten einen. Wenn ich arbeiten war gegenüber der Kinder, wenn ich Zuhause war gegenüber der KollegInnen. Verrückt. Einmal, es war in dieser hektischen Phase, in der ich Job und frisch getrennt sein mit Studium jongliert habe, hab ich meine Kinder vergessen. Vor der Musikschule. Mein Vater musste kommen und sie abholen. Ich war einfach nicht da. Bis heute jagt mich ein inneres Bild von zwei kleinen Gestalten vor dem großen Gebäude. Ich wünschte noch heute, ich wäre da gewesen. Natürlich gab es noch viel mehr. All die vergessenen Schulausflüge oder Turnbeutel, Trinkflaschen und Regenzeugs. Ich hab mir oft gewünscht, ich wäre perfekter, damals. Besser irgendwie.

Wenn andere ausbaden, wo wir fehlbar sind

Das ist das Schlimmste oder? Wir baden unsere eigene Fehlbarkeit nicht selbst aus. Die Kleinsten tun es und wenn wir nicht aufpassen, zerfrisst uns, was hätte passieren können oder die Idee in unserem Kopf, wie grausam oder traurig sich das angefühlt haben muss. Ich wäre wirklich gerne die Mutter gewesen, die ich selbst nicht hatte. Ich wäre gerne immer geduldig, psychisch total stabil, ein Sonnenschein ohne Fassade gewesen. Doch trotz aller Anstrengung war ich Mensch. Welche Spuren mag das hinterlassen haben oder hilft es meinen Kindern beim Wachsen? Bis heute jagt mich mein eigenes Gefühl von Alleingelassen in manchen seltenen dunklen Stunden. Davor wollte ich so gerne bewahren und bin mir sicher: Ich hab es doch nicht geschafft.

Erinnerungen

Was bleibt sind Erinnerungen, mein schlechtes Gewissen und kleine Hände, die mich umarmen. Spannend ist: Was wirklich hängen geblieben ist, sind oft nicht immer die Momente, in denen wir Mütter uns heute schuldig zusammenkrümmen. Ich hab meine großen Söhne irgendwann gefragt, was ich hätte besser machen können und es kamen ganz andere Situationen zutage. Momente, die ich als unwichtig eingestuft hatte und Themen, die ich nicht gesehen hatte. Ich hab mal gelernt: Was stecken bleibt, sind die hochemotionalen Momente. Nur, weil ein Moment für mich voller Gram steckt, muss er mein Kind gar nicht groß bewegt haben. Dafür gibt es andere Augenblicke und Themen, die einschneidend waren und an mir völlig vorbei gegangen sind. Ich hatte sie einfach nicht auf dem Schirm. In all unserer Menschlichkeit sind wir halt sehr verschieden.

Mütter statt Eltern

Ich hab übrigens auch überlegt, ob ich über Eltern statt Mütter schreiben soll. Über Begleitpersonen beim Großwerden? Ich habe mich dagegen entschieden. Nicht, weil ich nicht die Anstrengung der Väter sehe, die es immer häufiger aktiv im Alltagsgeschehen gibt. Vielmehr, weil es doch fast immer die Mütter sind, die so verzweifelt versuchen alles richtig zu machen. Die jedes Leid abwenden wollen und auf denen die gesellschaftliche Last der Perfektion zu liegen scheint. In der Zeit, in der meine Jungs kleiner waren, waren weit weniger Väter morgens abgehetzt und schwitzend im Kitaflur und haben den zweiten Hausschuh gesucht. Es waren Mütter. Auch beim Laterne basteln  oder Kindergeburtstagsgeschenke organisieren. Meistens. Darum also Mütter.

Vergebung hat etwas mit Selbstliebe zu tun

Es ist ok zu erkennen, dass man etwas hätte besser machen können. Zu sehen, wo Potential ist für Struktur oder auch für einen Hilferuf, weil alles zu viel wird und wir es einfach nicht alleine am laufen halten können. Gleichzeitig können nur wir selbst uns vergeben. Bei anderen wirkt es nicht. Es bleibt immer ein schaler Geschmack, wenn die Schuld in uns noch tobt, während jemand uns versichert, dass es nicht so schlimm war.  Also können nur wir es tun. Damit beginnen, die eigene Menschlichkeit zu umarmen. Die Anforderungen zu hinterfragen als nächster Schritt. Wer sagt, dass all das perfekt sein muss? Wer sagt, dass unser Umfeld nicht wächst, wenn wir es einbinden?

Einbindung

Wobei das nicht so leicht ist. Ich versuche immer mal wieder, mehr einzubinden. Mal abgesehen davon, dass alle sich an ein  gewohntes „Normal“ anschmiegen und Veränderung immer einen Impuls braucht (und damit Anstrengung), gibt es in meinem Kopf ein paar verrückte Richtig und Falsch. Ich lerne noch, dass, wenn jemand etwas übernimmt, das nach seinen eigenen Vorstellungen machen kann. Kontrolle scheint Sicherheit zu geben, ist aber eigentlich nur das, was sie ist: Kontrolle und damit ein Zeichen von Angst. Angst wiederum hat etwas mit Gewohntem zu tun. Mir schwant also: Je öfter ich einbinde, umso weniger Angst werde ich haben. Ich bin dran. wirklich. Ich bin dran und übe. Auch daran, mich nicht aufzuopfern. Dem Sog meines Egos nicht nachzugeben, was sich sonnen will im Gebrauchtwerden.

Demnächst

Ich wünsche mir, dass wir alle uns vergeben: Für die Menschlichkeit unsere Fehler und den verrückten Anspruch alles zu schaffen. Ich wünsche mir auch, dass wir unseren Müttern vergeben und damit akzeptieren, dass wir alle fehlbar sind. Manche vielleicht mehr, andere weniger. Natürlich ist sich bemühen wichtig, doch wenn es mal nicht klappt? Dann klappt es halt mal nicht. Ich wünschte, es wäre nicht so schwer und ich wünschte, wir alle würden anerkennen, wieviel wir schaffen allein dadurch, dass wir auftauchen und losgehen. Und dass das Wichtigste die Liebe ist, nie die Perfektion.

Oder? Gespannt auf deine Gedanken.

Mehr Liebe!

Bis bald,

Silja

 

PS: Das Foto ist schon älter und wurde von Miriam Dierks gemacht. (www.miriamdierks.co

 

 

 

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

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