Richtig essen

Richtig essen

Richtig essen

Du isst gesund, achtest auf genügend Grünzeug und Ausgewogenheit? Weißt was Basen sind und Zucker gehört schon länger nicht mehr in deine Rezepte? Dann Daumen hoch – du scheinst dich richtig gesund und bewusst zu ernähren. So wichtig ist das! Immerhin ist das, was wir zu uns nehmen zum großen Teil dafür verantwortlich, wie es uns geht und wie wir drauf sind. Richtig essen hat also auch was damit zu tun, was wir essen. Allerdings gehts heute nicht darum. Nein. Keine Tipps, was Veganer essen sollten oder wie du auf Zucker verzichten kannst oder warum eine säurearme Ernährung wichtig ist. Richtig essen ist heut zwar das Thema, aber ausnahmsweise meine ich mal nicht die Inhaltsstoffe.

Woran ich gemerkt habe, dass ich nicht richtig esse

Neulich saß ich mal wieder pappesatt nach einem Teller leckerstem Essen auf der Couch und brauchte meinen Lieblings nach-dem-Essen-Tee, um mich wieder einigermaßen wohl zu fühlen. Mein Magen fühlte sich schwer an und ich ahnte schon, dass es mir eine kleine Zeit nicht so gut gehen würde. Schon wieder. Da ich sehr auf das achte, was ich esse, war klar: Mein Unwohlsein hat nichts damit zu tun was ich esse. Es liegt eher daran, wie ich esse.

Der häufigste Fehler beim Essen

Wie die meisten von uns, esse ich zu schnell. Seit ich mich erinnern kann ist das so. Ich mag es sogar. Ich mag volle Löffel und kriege schlechte Laune, wenn meine Teller allzu aufgeräumt daher kommen. Vielleicht, so hab ich lange gemutmaßt, bin ich einfach kein Gourmet. Dabei liebe ich gutes, schmackhaftes Essen. Aber irgendwie waren Tempo und Technik nicht angemessen zu dem Aufwand, den ich ansonsten rund um meine Nahrung betreibe. Auf jeden Fall lag mein Unwohlsein am ein oder anderen Abend ganz sicher an einem dieser Fehler. Vielleicht kennst du sowas auch? Die häufigsten Fehler bei der Esstechnik sind:

  • Du isst zu schnell und darum zu viel.
  • Du isst nebenbei und liest oder quatscht angeregt, während du isst.
  • Du trinkst kaltes Wasser oder ein anderes kühles Getränk zum Essen?
  • Du kaust nicht richtig.

Die Folge

einer Studie zufolge sind Menschen, die sehr schnell essen eher übergewichtig als solche, die nicht so schnell essen. Grund soll das Sättigungsgefühl sein, was ganze 20 Minuten braucht, bis es wahrgenommen wird. Wenn das stimmt, dann verstehe ich mein Völlegefühl. Nach 20 Minuten habe ich bereits meinen Nachschlag verdrückt und auch wenn sich das nicht in Kilos bemerkbar macht, gefällt mir dieses matte Gefühl nach einer guten Mahlzeit gar nicht gut. Zu schnelles Essen sorgt übrigens auch dafür, dass wir die Nahrung nicht so gut kauen, was wiederum bedeutet, dass sie nicht so sehr „eingespeichelt“ wird. Was sich irgendwie ekelig anhört, ist wichtig für die Verdauung, denn unser Speichel sorgt dafür, dass es Magen und Darm leichter haben. Kühle Getränke sind aus ayurvedischer Sicht übrigens auch nix, denn sie löschen unser Verdauungsfeuer und sorgen damit ebenfalls dafür, dass wir unser Essen nicht so leicht verdauen können. Uih. Und wer viel quatscht und liest achtet ebenfalls weder auf Menge noch auf Kautechnik und die Quasselstrippen schlucken außerdem noch Luft, die dann zu unschönen Blähungen führen kann. Seufz.

Und nun?

Ich habe mir daher vorgenommen langsamer zu essen. So. Hört sich allerdings einfacher an, als es ist. Denn wie jede Angewohnheit, die man Jahrzehnte mit sich herumschleppt, ist auch das schnelle Essen zum Automatismus geworden. Also habe ich ein paar kleine Tricks genutzt, um es mir leichter zu machen. Für alle also, die auch Lust haben, es etwas langsamer angehen zu lassen ohne sich verrückt zu machen:

Fünf Tipps um richtig zu essen

1. Hab dein Ziel im Visier.

Zu allererst versuche ich bevor ich loslege, an mein neues Ziel zu denken. Das macht immer Sinn, wenn wir uns irgendwas vornehmen. Dafür sorgt momentan mein morgendlicher Kalender, denn der hat eine Ziele-Seite. Ich brauche echt immer so kleine Erinnerungen, damit ich nicht wieder vergesse, was ich gerade so alles verändern will (nicht jammern, nicht schlingen, nicht meckern, .. ihr wisst, was ich meine). Zettel und Erinnerungen helfen also sehr sehr. Früher hab ich sogar Post its an Kühlschränke geklebt. Mittlerweile bin ich jedoch dezenter unterwegs.

2. Wenn das alte Muster durchkommt, sieh es als Chance.

Trotzdem passiert es mir, dass ich mich wieder beim schnell- und nebenbei essen ertappe. Hier ist es wie mit jeder Veränderung: Nicht mit sich schimpfen, sondern lieber überlegen, wie es dazu kommen konnte. Sonst gibt man sofort wieder auf und ist gefrustet, statt aus dem Faux Pas zu lernen. Bei mir ist es so: Je mehr Hunger ich habe, desto eher komme ich in Versuchung alles wild in mich hineinzuschlingen. Nach und nach entdecke ich so, wann das alte Muster greift und kann neue Ideen finden, mit denen ich es beim nächsten Mal (vielleicht) anders machen kann.

3. Zwischendurch mal Innehalten.

Ich versuche jetzt in den Hauptmahlzeiten mal innezuhalten und zu schauen, wie es klappt. Also so zwischendrin, wenn ich daran denke (siehe Zettel). Ich horche, ob ich noch Hunger habe oder nur Appetit. Auch, wie es schmeckt. Ich kann so Dankbarkeit fühlen. Das tut ganz schön gut und ist gleichzeitig ein feines Achtsamkeitstraining. Außerdem entdecke ich so mehr und mehr Muster, die spannend sind. Irre, wie viel ich einfach so völlig automatisch mache. Es tut gut, das zu erkennen und zu überlegen: Will ich das weiter so machen?

4. Nicht perfekt sein wollen.

Und dann gibts da weiterhin die hektischen Tage im Job, bei denen ich während ich Mails überfliege, meinen Lunch esse. Ja, das ist nicht ideal. Aber es tut mir auch nicht weh. Ich esse mittags immer sehr gesund und hab sowieso nie genug Essen dabei, um ein echtes Völlegefühl zu entwickeln. Daher stört mich das nicht weiter. Auch mit meinen Liebsten mag ich weiter beim essen quatschen. Ich spüre nicht, dass mir das nicht bekommt. Wie bei allen Veränderungen tut es manchmal gut, Fünfe gerade sein zu lassen und sich nicht zu viel vorzunehmen.

5. Kauen. Kauen. Kautraining.

Die Kunst beim Essen liegt außerdem im kauen. Daher versuche ich die ersten Bisse ganz bewusst ausreichend zu kauen. Das ist echt nicht einfach! Als Richtwert werden 30 Kau-Bewegengen pro Bissen angegeben. Wirklich viel, wenn man sonst so ein Schlinger ist. Es gibt sogar ein ganzes Buch dazu, was vom Vorgang des „Schmauens“ spricht und damit ein Wort zwischen schmecken und kauen geschöpft hat. Wir sollen, so der Autor Jürgen Schilling in seinem Buch (s.u.), durch das bewusste genießen und portionsweise schlucken unserer Mahlzeiten, wieder richtig essen lernen. Studien ergeben, dass so Übergewicht reduziert wird und sogar das Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken sinken soll. Ich versuche es, auch wenn es sehr ungewohnt ist und 30 mal ganz schön lange scheint…ehrlich gesagt, ich glaub bei mir reichen 20 Male 😉

Ein Trend

Als ich diesen Artikel vor einigen Wochen vorbereitet habe, kam das Thema „achtsam essen“ plötzlich geballt. Im aktuellen Yoga Journal gibt es Tipps für die Praxis des achtsamen Essens und auch die wunderbare Gabrielle Bernstein berichtete im Neujahrsworkshop davon, wie sie ihre Essgewohnheiten entschleunigt hat. Spannend. Ich merke einfach, dass es mir gut tut auch hier ein wenig achtsamer zu werden. Das ist sowieso eine tägliche Übung: Wo überall kann das, was ich auf meiner Matte morgens mache, in meinen Alltag einziehen? Wo kann ich Inseln schaffen und Wohlbefinden erhöhen? Das ist so wichtig – aber dazu ein anderes Mal mehr.

Ich bin auf jeden Fall wieder neugierig: Was bedeutet für euch richtig essen? Kennt ihr auch das schlingen und runterstürzen oder seid ihr schon schön achtsam unterwegs? Was hat euch geholfen? Fragen über Fragen! Ich freu mich auf eure Antworten unten im Kommentar und schicke euch einen lieben Gruß

Silja

PS: Hier das besprochene Buch (was ich allerdings selbst nicht gelesen habe, sondern nur hier im Artikel etwas darüber gefunden habe):

und wie immer gilt: Beim Lieblingsbuchladen oder über den Link. Bei Letzterem profitiere ich ein wenig und sage danke.

 

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

5 Kommentare

  1. Katharina 9 Monaten vor

    Ich hatte das Thema achtsames Essen einmal in einem Yoga-Retreat. Dabei ist der Moment vor dem Essen wesentlich: Einmal kurz innehalten und überlegen: Wo kommt mein Essen her? Wie sieht mein Essen aus? Welche Farbe hat es? Wie riecht es? Ich finde, dass alleine das schon etwas den „Schlingmechanismus“ bremst. Wenn du dann weiterhin achtsam bist und dir beim Kauen überlegst, wie die Konsistenz ist, welchen Geschmack genau es hat und so weiter und so fort, dann bist du schon einmal auf einem guten Weg 🙂

    Übrigens, von wegen 30 Mal Kauen und so… Der Volksmund sagt es ja so schön: Gut gekaut, ist halb verdaut. 🙂

    • Autor
      Silja 9 Monaten vor

      Hallo Katharina,
      das sind ja schöne Impulse. Danke dir! Wird gemacht!
      Liebe Grüße
      Silja

  2. Alex 9 Monaten vor

    Hallo Silja

    oft hat man eine Idee im Kopf und schwups sieht man sie in ganz unterschiedlichen Formen immer öfter. Beruhigend zu lesen, dass es anderen auch so geht.

    Ich musste nach meiner Magenbypass-OP das Essen auch komplett neu lernen. Und ich erwische mich bis heute dabei, wenn ich in alte Muster falle. Allerdings bekomme ich auch prompt die Quittung präsentiert. Der kleine Magen mag das nämlich überhaupt nicht. Das erinnert mich dann ganz schnell wieder daran, langsam zu essen. Zeit lassen beim Essen ist in meinem Fall sehr sehr wichtig. Alles andere bringt meistens nur Probleme mit sich. Es tut gut sich immer wieder daran zu erinnern und es hilft ein wenig, das es anderen ähnlich geht.

    Liebe Grüsse

    Alex

    • Autor
      Silja 9 Monaten vor

      Hallo Alex,

      oh das glaube ich dir! Ich finde es auch gar nicht so einfach – aber es wird. Mal besser, mal schlechter.
      Aber ich bleib auch dran. Tut nämlich ganz schön gut, das achtsame Essen.

      Liebe Grüße
      Silja

  3. Rahel 7 Monaten vor

    Hallo Silja, toller Eintrag. Spannend zu lesen und super praktisch.
    Was für einen Kalender hast du, bei dem man Ziele aufschreiben kann?
    Liebe Grüße
    Rahel 🙂

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