Frauen, Erfolg und Solidarität – ein paar Gedanken

Frauen, Erfolg und Solidarität – ein paar Gedanken

Frauen, Erfolg und Solidarität – ein paar Gedanken

Es gibt Themen, die lassen mir einfach keine Ruhe. Frauen und Erfolg ist ein solches Thema und es bekommt immer mal wieder neuen Schwung.  In den letzten Wochen besonders, denn manchmal summieren sich kleine Anekdoten aus dem Arbeitsalltag mit Presseberichten, die einen schaudern lassen. Aber eins nach dem anderen. Ich sag nur soviel: Frauen, Erfolg und Solidarität sind Themen, denen wir alle (und ich meine Männer wie Frauen) ruhig ab und an widmen können und zwar aus gutem Grund

Wenn Männer überlegen, wie das mit Frauen und Karrieren so ist

Meine neue Gedankenschleife zum Thema begann in einer harmlosen Diskussion. Der Herr, auf dem aufsteigenden Ast im Unternehmen, erklärte mir siegesbewusst, dass eine Frauenquote, wie immer wieder auf dem Tablett, wirklich Quatsch sei. Immerhin würden Frauen ja selbst entscheiden, daheim bei den Kindern zu bleiben. Und solange die Gesellschaft so wäre, bräuchten Firmen sich auch wirklich nicht verändern, wurde nur logisch weiter gefolgert. Hui, dachte ich, kann man das echt auch so sehen?

Wie die Welt manchmal ist

Ich bin unsicher und keine waschechte Feministin. Ich finde es immer noch gut, das es alles gibt: Die tollen Karrierefrauen, die Bilderbuchlebensläufe hinlegen und genauso die tollen Alleskönner, die souverän Kinder und Job jonglieren können, ohne dass der Aufstieg leiden muss. Dann gibt es natürlich noch die genauso tollen Mamis, die die ersten Jahre Zuhause sind und später Teilzeit arbeiten gehen, wenn überhaupt. So ist es und ich urteile über keine von diesen Frauen. Im Gegenteil, die Vielfalt ist wunderbar. Denn, wenn jeder tut, was er oder sie tun mag und kann –  dann passt es doch, oder?

Wie die Welt auch manchmal ist

Ich erlebe aber auch das andere. Ich erlebe ambitionierte Frauen, die stecken bleiben. Wo Durchsetzungsfreude mit Zickigkeit gleichgesetzt wird und Freigeist mit „schwierig-sein“. Ich erlebe Frauen, die voller Freude ein Kind bekommen und dann feststellen, dass unsere Gesellschaft, oft inklusive der angeheirateten besseren Hälfte, noch nicht so weit ist, irgendwas ordentlich aufzuteilen. Ich erlebe die, die sich damit abfinden und die, die versuchen das Beste daraus zu machen. Ich erlebe die, die sich aufreiben und die, die krank werden vor lauter Dreifachbelastung. Ich erlebe übrigens auch viele Männer, denen es genauso geht und die sich endlich Zeit für die Familie wünschen.

Eine Welt der Quoten

wünscht sich (denke ich) kaum eine Frau aus tiefstem Herzen. Am liebsten wäre es uns, wenn die Welt gleichberechtigt wäre. Wenn es keine Gehaltsunterschiede gäbe und keine Unterschiede in den Aufstiegschancen. Eine Welt, in der es normal wäre, als Frau arbeiten zu gehen und Zuhause zu bleiben als Mann. In der es coole Kinderbetreuung gäbe und genauso spitzenmäßige Teilzeitmodelle für gehobene Managementposten. In der Erfolg nicht zwangsweise mit 50 h plus im Schlepptau kommen muss. Nun leben wir noch nicht alle in dieser Welt. Im Gegenteil, es gibt Länder, da dürfen Frauen nicht mal Autofahren. Seufz.

Wie wir geprägt werden

Mal abgesehen von diesen weitentferten Extrembeispielen, wird unser Verständnis von den Rollenvorbildern in Familie, Freundeskreis und Gesellschaft geprägt – bewusst und unbewusst. Sie beeinflussen das, was wir uns ausmalen und vorstellen können und das, was wir sehen, hat wenig mit Gleichberechtigung zu tun. Als Mann muss man sich das nur mal anders herum vorstellen:  Würde er wirklich aus vollstem Herzen an die Offenheit aller Chancen glauben, wenn alle Vorstände weiblich wären? Alle Aufsichtsräte und Manager der oberen Führungsebenen natürlich ebenfalls? Überall, wo es drauf ankommt, gäbe es (fast) nur Frauen? Seit Jahrzehnten kaum ein Mann weit und breit? Die Männer, die es „geschafft“ hätten, hätten auf Familie verzichtet? Zugunsten der Karriere? Die andere Männer wären eher Teilzeitangestellte oder Sachbearbeiter? Gute Köche, Bügler und Kinderhüter? Welcher Mann würde ernsthaft und von ganzem Herzen daran glauben, dass es Gleichberechtigung gibt? Und was würde das machen mit dem Elan, den Träumen und den Zukunftsvisionen von den jungen Männern?

Eine Quote ist eine Quote

Dies ist kein Plädoyer für die Frauenquote und auch nicht gegen sie. Was ich denke ist: Es wird drastische Maßnahmen brauchen, damit die Welt sich ändern kann. Und, hier widerspreche ich meinem aufstrebenden Kollegen, die Gesellschaft ändert sich, wenn Unternehmen sich ändern. Die fortschrittlichen Unternehmen tun das übrigens längst. Studienkolleginnen sind in einem globalen Konzern angestellt und können Managerposten in Teilzeit ausüben und sich auf Not-Babysitterdienste verlassen. Die Frauen in den meisten anderen Unternehmen träumen noch davon. Gesellschaft ist, was wir aus ihr machen und vielleicht braucht es dazu keine Quote, aber irgendwas braucht es.

Dress like a woman

Zu dem leidigen Thema der Chancengleichheit kommt dann noch das Thema mit diesem entzückenden, unverhohlene Sexismus, was mich ebenfalls in der letzten Woche mal wieder umgetrieben hat. Herr Trump wünscht sich, seine weiblichen Mitarbeiter würden sich auch „wie Frauen anziehen“ und ich musste tief seufzen. Dass in Interviews kaum ein Mann nach Kinderbetreuungsjahren oder Lieblingsdesigner gefragt wird, ist die eine Sache, aber solche Kommentare sind einfach Essig. Wie noch viel mehr aus der gleichen Ecke, aber das ist ein anderes Thema.

Es ist Zeit.

Dies ist kein Mecker- und Jammerpost (auch wenn die Challenge heute offiziell endet). Dies ist ein Aufruf. Liebe Frauen und liebe anders denkenden Männer – dies ist unsere Welt und da draußen sind zig Frauen und Männer, die es gerade anders machen. Es gibt Beispiele, die uns vorleben, wie man sich nicht alles vorschreiben lässt. Und das ist das, was wir jetzt lernen können.

Frauenmärsche in Amerika und die wunderbare Social Media Welt

Mir hat es Mut gemacht all diese wunderbaren, lustigen und ehrlichen Tweets zu sehen die unter #dresslikeawoman im Netz zu finden sind. Unbedingt anschauen! Den gleichen Geist sehe ich, wenn ich all diese Märsche sehe und all diese Frauen, die da plötzlich zusammen stehen und Männern, die ebenfalls mitlaufen. Wenn wir alle, die anders denken, gemeinsame Sache machen – dann sind wir sehr mächtig. Und es fängt im Kleinen, bei jedem von uns an.

Solidarität, Anti-Stress und Ermutigungen

Jede und jeder von uns kann, in seinem eigenen Umfeld, anfangen einen Unterschied zu machen. Wir können anfangen, durchsetzungsfreudige Frauen zu beglückwünschen, statt den Kopf über sie zu schütteln. Wir können genauso der Mami Zuhause gratulieren, anstatt ihr Faulheit vorzuwerfen (das machen sowieso nur Leute, die nie mit Kleinkind Zuhause waren). Wir können als Chef Frauen die Rückkehr in verantwortungsvolle Jobs erleichtern und Teilzeitquoten auf den verantwortungsvollen Posten nach vorne bringen. Wir können anfangen, all die verschiedenen Modelle zu akzeptieren. Wir können solidarisch sein, uns helfen, uns ermutigen. Männer können im Haushalt mehr tun und ablehnen wie verrückt Überstunden zu machen und zu denken, das sei Erfolg. Wir können den Kollegen beglückwünschen, der Elternzeit nimmt und wir können widersprechen, wenn wieder jemand aus der alten Garde faselt, dass der Job nur „in Vollzeit“ machbar sei. Wir können anfangen, unsere Meinung zu sagen. Wir können uns anfangen etwas zu trauen. Vor allem, können wir uns Mut machen.

Dies ist für die Träume und die, die es werden wollen

Also, ihr da draußen, wo auch immer ihr euch einschränkt in euren Gedanken: Hört auf damit! Überlegt lieber, was ihr ändern könnt und wie ihr eure Träume wahr machen könnte. Träumt nicht zu klein, sondern lasst sie groß werden. Sorgt für Gleichberechtigung, da wo ihr seid und wie ihr könnt. Macht euren Mund auf und lasst nicht zu, dass Stammtischparolen wie #dresslikeawoman ernsthaftes Gewicht bekommen. Widerstand, Mut, Wahrheit geht nicht nur auf Twitteraccounts. Viel mehr zählt, was wir alle täglich machen. Dies also ist für uns, Männer wie Frauen, die modern leben wollen. Die eine Wahl haben wollen. Die ihr Leben so leben wollen, wie sie es sich wünschen und nicht wie es „machbar“ ist. Träume sind da, um sie zu verwirklichen und unser Leben ist da, um es zu leben.

Achte auf dich und mach dein Ding

Voll Faszination lese ich übrigens gerade Arianna Huffingtons Buch über ihren Zusammenbruch und das, was er ihr über die Definition von Erfolg beigebracht hat. Ach ja. Ich musste wieder (und diesmal vor Freude) tief seufzen. Wofür wir uns auch immer entscheiden, welche Wochenstundenzahl, Karriere oder Antikarriere, selbstständig oder angestellt -wichtig ist, dass wir das Leben so leben, wie wir es uns wünschen. Dass wir der Mensch werden, der wir sein wollen. Dass wir uns nicht kleinkriegen lassen oder fremdbestimmen.

Hach. Jetzt gehts mir besser. Danke fürs Lesen. Demnächst gibts auch wieder was über Yoga oder das gute Essen aber das musste einfach mal raus. Lasst uns füreinander da sein und:

Lebt wild und gefährlich,

Silja

PS:

Ich bin noch nicht durch, aber bisher liebe ich es:

und wie immer gilt: Beim Lieblingsbuchladen ordern oder über den Link bestellen, dann profitiere ich ein wenig. Lieben Dank!

 

 

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

12 Kommentare

  1. Daniela Hutter 9 Monaten vor

    OH ja .. ich sage immer, die aktuelle Zeit …. bringt die „erwachende Weiblichkeit“ in einer „wahren Essenz“ … und ich sage auch „es ist Zeit für ein neues Wir.“ ………. beides nicht esoterischen WortSchnörkeln verpackt, sondern vielmehr geerden und GELEBT .. ausgehend von jeder Frau .. hin zur anderen Frau. ♥ Danke für deinen schönen Artikel. YINlove4you, Daniela

    • Autor
      Silja 9 Monaten vor

      Hallo Daniela,
      ja da hast du Recht. Danke dir!
      Liebe Grüße und bis bald,
      Silja

  2. Kathrin 9 Monaten vor

    Vielen Dank für diesen tollen Artikel, Silja! Er macht wirklich Mut, seinen Weg zu finden und zu gehen!

    • Autor
      Silja 9 Monaten vor

      Liebe Kathrin,
      danke dir und sehr gerne!
      Bis bald,
      Silja

  3. Nina 9 Monaten vor

    Liebe Silja,
    sehr schön geschrieben! Besonders sich nicht fremd bestimmen lassen, ist ein wichtiger Aspekt. ?
    LG Nina?

    • Autor
      Silja 9 Monaten vor

      Liebe Nina,
      danke dir! Und ja! So wichtig, oder?
      Liebe Grüße
      Silja

  4. Ursula 9 Monaten vor

    Hallo Silja,
    vielen vielen Dank für diesen Artikel. Als weibliche Führungskraft mit 80%-Vertrag und einem neuen Chef, der 100%plus möchte, macht mir dein Artikel Mut zu sagen: Nein, ich will nicht mein ganzes Leben dem Job unterordnen. Ja, ich mach den Job auch mit 80% Arbeitszeit super. Danke

    • Autor
      Silja 9 Monaten vor

      Liebe Ursula,

      Total! Und Studien belegen außerdem, dass Teilzeitkräfte meist viel effektiver arbeiten.
      Also machst du wahrscheinlich inhaltlich schon 100 %

      Liebe Grüße
      Silja

  5. Annika 9 Monaten vor

    Liebe Silja,
    vor ein paar Tagen habe ich mal wieder zu einem Buch gegriffen, das mir eine Freundin schon vor ein paar Jahren geschenkt hat „Tausche Abendessen gegen Coaching“. Es beginnt damit, wie wichtig es gerade für uns Frauen ist, uns zu vernetzen, statt uns zu bekämpfen … zu kooperieren statt zu konkurrieren. Ich finde, das ist ein wunderbarer Ansatz, und es passt zu deinem Thema.
    Wir haben es gar nicht nötig, unseren Lebensstil gegenüber anderen zu rechtfertigen. Wir können so viel voneinander profitieren, wenn wir nur offen dafür sind.

    Liebe Grüße
    Annika

    • Autor
      Silja 9 Monaten vor

      Liebe Annika,

      du hast so recht!! Vielen Dank und liebe Grüße
      Silja

  6. Svenja 9 Monaten vor

    Liebe Silja,
    ein sehr schöner Artikel! Auch ich beschäftige mich mit dem Thema immer mal wieder – mal gewollt, mal ungewollt. Besonders erfrischend finde ich dein Gedankenexperiment, Männer in die Rolle der Frauen zu schicken. Der Perspektivwechsel öffnet so richtig schön die Augen. Danke dafür!
    Und an dieser Stelle noch ein großes Lob für deinen tollen Blog! Weiter so! <3
    Viele liebe Grüße
    Svenja

    • Autor
      Silja 9 Monaten vor

      Liebe Svenja,
      und ich liebe deinen Instagram Account! Danke dir für den lieben Kommentar, ich hab mich total gefreut hier von dir zu lesen.
      Und ja, das Thema kommt bei uns allen immer wieder, oder? Aber nach und nach und Schritt für Schritt…
      fühl dich gedrückt!
      Silja

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