Ich vergebe mir – wieso Vergebung (fast) alles ist

Ich vergebe mir – wieso Vergebung (fast) alles ist

Ich vergebe mir – wieso Vergebung (fast) alles ist

Vergebung ist wichtig. So wichtig! Jedenfalls für mich und am besten erklärt das ein konkreter Einblick in mein Seelenleben, zum Beispiel von diesem Wochenende: Es war Ausbildungswochenende in meiner Yogafortbildung und ich würde jetzt zu gerne schildern, wie überaus vorbildlich ich auf meinem spirituellen, kurzvordererleuchtungstehenden Weg bin. Kann ich aber nicht. Ich fand mich nämlich so semi-optimal, also gemessen an meinen eigenen Erwartungen. Statt nur sanftmütig zuzuhören, zu üben und eine überaus wissbegierige, spitzenmäßige Schülerin zu sein, habe ich geurteilt, nicht nur Nettes gedacht, war zwischendurch unaufmerksam und – ach, die Liste meiner Verfehlungen ist lang. Was menschlich ist, soviel ist klar. Trotzdem lag ich Samstag Abend mit einem schalen Gefühl im Bett. Ich war unzufrieden mit mir. Warum war ich nur so?

Wir alle sind menschlich

Schaut man aus der Yogaphilosophie auf uns, so haben wir alle einen wunderbaren, göttlichen Kern. Wir kommen aus derselben Quelle. Wir sind ein Tropfen und in jedem Tropfen ist auch der ganze Ozean. Dieser Kern verbindet uns miteinander – nur leider haben wir das vergessen. Während wir heranwachsen lernen wir, dass wir so oder so zu sein haben. Wir meinen irgendwann sogar, dass wir so oder so sind. All die Regeln, die Konzepte und der Alltag verdecken immer mehr Sicht auf das, was wunderbar in uns ist. So sehen wir bei uns und anderen nur die Oberfläche: Das Menschliche, die Fehler. Wie wir beispielsweise meinen, auf unseren Vorteil achten, angreifen oder für Standpunkte eintreten zu müssen.

Dinge, die ich mir vergeben musste

In meinem Leben musste ich mir schon so manches verzeihen. Ich bin ordentlich menschlich.  Jedes Gemeckere an meinen Kindern, an meinen Lieben,  böse Worte über andere Menschen, abgesagte Besuche, Notlügen und richtige Lügen, Egoismus, Faulheit …ach, auch hier ist die Liste lang. Kühn glaube ich sogar, dass sie bei jedem von uns lang ist. Was wiederum ok ist. Wir sind nicht hier, um perfekt zu sein. Wir sind hier, um zu lernen, zu lieben und nach und nach unseren Kern zu entdecken, Licht zu verbreiten und ja, auch um das Leben zu genießen. Und um all das tun zu können, müssen wir uns vergeben. Kleinigkeiten, wie das Geschrei am Nachmittag oder dieser niederträchtige Gedanke in der Mittagszeit, genauso wie dramatische Fehlentscheidungen.

Ein Kreislauf

In Momenten, wo uns unsere Verfehlungen dämmern, macht sich meist eine Abscheu auf uns selbst breit. Manchmal bewusst, manchmal verdrängen wir sie schnell. Das Gefühl jedoch, etwas falsch gemacht zu haben und wider unserer Natur gehandelt zu haben, gärt in uns – ob wir es merken oder nicht. Es fühlt zu negativen Selbstgesprächen, Ärger, Wut, Angst, Scham und so gehen wir durch die Welt, beladen mit noch mehr Anspannung – und verhalten uns noch schräger. Im schlimmsten Fall werden wir hart uns selbst gegenüber und somit auch jedem anderen gegenüber, der uns begegnet. Echte Bindung wird schwer vor lauter Strenge, wir fühlen uns dann manchmal so isoliert und allein. Was wir also brauchen ist als erstes Bewusstsein dafür, dass etwas nicht stimmt und die Lust und Energie, aufräumen zu wollen. Alles, sagt der Kurs in Wundern, ist entweder Liebe oder ein Ruf nach Liebe. Wenn wir uns also schräg verhalten, dann rufen wir (unbewusst) nach Liebe – manchmal verdeckt als Ruf nach Anerkennung, nach Recht haben, nach gesehen oder verstanden werden.

Sich vergeben lernen

Selbstliebe beginnt damit, dass wir erst hinsehen und uns dann vergeben. All die falschen Entscheidungen und den Quatsch, den wir verzapfen. Erst, wenn wir das können, fühlen wir uns wirklich wertvoll genug, es uns schön machen zu dürfen. Erst dann beginnen wir, Träumen zu folgen und uns Gutes zu tun.  Ich hatte an manchen Dingen lange zu knacken. Meine Oma nicht besucht zu haben, am Tag vor ihrem Tod, war so ein Punkt. Genauso wie die letzte Begegnung mit meiner Mutter und meine Unfähigkeit, sie retten zu können. Da brauchte ich professionelle Hilfe. Jede Unzulänglichkeit und Ungeduld im Umgang mit meinen Kindern habe ich mir lange vorgeworfen. Es scheint uns sowieso am schlimmsten, wenn wir die, die wir lieben, verletzen. Sich das anzuschauen, um es loslassen zu können, tut weh. Es zerstört ein Teil der Selbstkonzepte, die unser Ego schützen. Ohne fühlen wir uns plötzlich wie nackt und ungewohnt verletzlich.

Meine Lieblingstechnik für Vergebung

Weil es gar nicht so leicht ist, das Gefühl des Unzulänglichseins auszuhalten, nutze ich manchmal einen kleinen Mix aus Coachingtechniken, um mir zu helfen: Hierzu stelle ich mir die Situation, die mich belastet, auf einer Kinoleinwand vor. Ich sehe mich dann, wie ich all den Quatsch mache. Ich sehe quasi einen Film von mir selbst. Die Distanz, die so entsteht, macht es mir leichter, milde mit mir zu werden. Ich sehe mich kämpfen, mein Bestes geben  – und scheitern. In einem zweiten Schritt schicke ich meinem jüngeren Selbst in diesem Film eine positive Verstärkung. Das kann eine Qualität sein, wie z.B. Liebe oder ein Mantra wie z.B. „Du bist genug“. Um zu finden, was helfen könnte, muss ich mich nur fragen: „Was hätte gut getan zu hören/ zu wissen, in diesem Moment?“. Der „Film“ verändert sich durch das Zufügen nun ein wenig und meine Gefühle gleich mit. Außerdem habe ich direkt eine Idee, welcher Gedanke mir beim nächsten Mal helfen wird. Was ich in mein Leben einladen kann. Nun sage ich mir nur noch: Ich vergebe mir – und atme tief durch.

Andere Techniken

Die wunderbare Nicole von Soul and Spirits hat heute in unserem wöchentlichen #selflovesunday auf Instagram  ein kleines Ritual geteilt, was ihr beim Vergeben hilft: Sie sammelt Blütenblätter oder kleine Dinge und lässt diese bewusst los, am liebsten an einem Fluss oder am Meer. Sie sieht zu, wie die Sammelstücke wegtreiben, lässt innerlich zudem Gedanken und Urteile los. Sie macht sich bewusst, dass alles im Fluss ist und sich alles verändert – auch wir selbst. Auch Coaching oder Meditationen, Atemübungen oder eine körperliche Asanapraxis helfen sich zu vergeben und loszulassen.

Vergebung und Grenzen

Unser Schmerz und unsere Verletzlichkeit machen uns stark. Vergebung hilft uns zu sehen, wer wir wirklich sind und ein Band der Liebe zu uns zu knüpfen und damit auch zu jedem anderen. Was ja nicht heißt, dass wir mit allem, was passiert, einverstanden sein müssen oder uns mit Menschen beschäftigen sollten, die uns nicht gut tun. Klare Grenzen sind auch ein Zeichen von Liebe – im Zweifel uns selbst gegenüber. Also, ihr Lieben, lasst uns hinschauen, wo wir Quatsch machen. Lasst uns überzogene Ansprüche an uns selbst über Bord werfen und uns da, wo wir wirklich Quatsch machen vergeben. Lasst uns trotzdem daraus lernen und uns entwickeln. Letzteres klappt übrigens auch viel besser, wenn wir mit Freude dabei sind.

Habt einen guten Start in die Woche – ich nehme mal das Motto „Ich vergebe mir“ mit – und ihr?

Alles Liebe,

Silja

PS: Das wunderschöne Bild von mir hat Miriam gemacht, die ihr hier findet.

PPS: Wer wirklich aufräumen will, mit altem Kram und frisch durchstarten möchte, der schaut sich mal das Free Your Spirit Wochenende im März an. Zwei Tage intensives Coachingseminar machen uns frei und beschwingt für alles, was kommt!

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

6 Kommentare

  1. Jessica 1 Monat vor

    Ein wunderbarer Beitrag, liebe Silja! Ich erkenne mich in allem wieder (Vergangenheit, Kinder … und wo auch immer ich schon „Wildesau“ gespielt habe). Manchens habe ich mir bereits vergeben, oder mir helfen lassen.

    Jeden Monat auf Neue flippe ich aber durch die Gegend, kurz vor der Mens.! Daran habe ich sehr zu knabbern. Unterdrücken kann ich es nicht – Sklave der Hormone – aber am Annehmen & darüber mit den Kindern sprechen (+ genervten Ehemann), daran kann ich arbeiten.

    Ich drücke Dich, Jessica

    • Autor
      Silja 1 Monat vor

      Liebe Jessica,
      vielen Dank für deine Worte! Und ja, wir alle haben Phasen, wo wir gefühlt nicht wir selbst sind. Sich verzeihen tut so gut!
      ich drück zurück,
      Silja

  2. Jasmin 4 Wochen vor

    Liebe Silja,

    Das habe ich gebraucht. Ich nehme mir in schweren Momenten oft vor, mich selbst wie meinen besten Freund zu behandeln. Wäre ich zu meinem besten Freund so hart und urteilend oder würde ich ihn aufbauen? Das kann auch sehr helfen.

    Vielen Dank für die schönen Vibes,

    Jasmin von beyondmymat.de

    • Autor
      Silja 4 Wochen vor

      Liebe Jasmin,
      auch ein schöner Blickwinkel! Vielen Dank!
      Alles Liebe,
      Silja

  3. Myriam Rassl 4 Wochen vor

    Liebe Silja,
    noch nie habe ich irgendwo einen Kommentar hinterlassen, nun bin ich nahezu zufällig auf deine großartigen ehrlichen Worte gestoßen und ich finde mich in ALLEM wieder und fühle mich nicht mehr ganz so alleine mit meinen Gedanken, Emotionen, „Hochs- und Runters“ & „Auf- und Abs“😅😊
    Ich danke dir von ♡, bitte weitermachen!
    Liebe Grüße,
    Myriam

    • Autor
      Silja 4 Wochen vor

      Liebe Myriam,

      wie schön, dass du dich traust und meldest. Danke dir! Ich fühle mich geehrt und es freut mich, dass es dir genauso geht.
      Ganz liebe Grüße
      Silja

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