Heimatgefühle und Entspannung : Home is where the Rhine is

Heimatgefühle und Entspannung : Home is where the Rhine is

Heimatgefühle: Home is where the Rhine is und warum Wasser entspannt

Die Gedanken sind frei – Kann die mal bitte jemand wieder einsperren?

Neulich habe ich so vor mich hin gedacht und mir kam in den Sinn, dass ich immer in der Nähe von Wasser gelebt habe. An einem Fluss, einem See oder dem Meer. Immer war da ein rauschendes Nass, das ich relativ schnell erreichen konnte. Anscheinend hat es mich dort immer hingezogen. Wenn ich in den Urlaub fahre, ist es selten ein Ziel ohne Meer. Und ich habe noch nicht ganz den Koffer abgestellt, da muss ich schon zum Strand laufen und mich vertraut machen. Andere checken erst mal an der Rezeption ein, ich die Brandung ab. Am liebsten barfuß im Sand mit Blick auf den Horizont. Wie ich darauf komme? Kopfkino. Gedankenkarussell. Rattern im Hirnkasten. Die berüchtigte Affenhorde, die einem durch den Kopf spukt. Kennen wir alle. Wenn das Ding da oben anspringt und läuft und läuft und man den Aus-Knopf einfach nicht finden kann. Ich dachte also so vor mich hin und vor allem immer im Kreis. Die Nadel war auf der Schallplatte hängen geblieben und keiner der Affen erbarmte sich, sie mal anzuheben und woanders aufzusetzen. Wer regelmäßig meditiert, mag da gewappneter sein und in der Lage, die Endlosschleife der Gedanken zu unterbrechen, wenn sie einmal angestoßen wurde. Ich kenne aber auch Gefühlslagen, in denen ich mich jenseits vom Meditieren befinde. Das Grübeln ist dann schon zu weit fortgeschritten, der Geist ist zu rastlos und der Körper zu nervös und der Gedanke an Meditation als Hilfe ganz weit weg. Und da kommt dann wieder das Wasser ins Spiel.

Herr, bitte schick mir Entspannung. Und zwar jetzt sofort!

Es gibt viele Methoden zur Entspannung, die man in sehr vielen Büchern nachlesen oder in Kursen erlernen kann. Progressive Muskelrelaxation, Autogenes Training, Achtsamkeitsübungen, Phantasiereisen, Meditation, Yoga und, und, und. Und schon wieder ist man gestresst und überfordert von der ganzen Auswahl und dem ganzen Aktionismus. Zunächst mal muss man eine Weile lesen, üben und zuallererst den Hintern hochkriegen. Man muss sich kümmern. Ein Buch kaufen oder einen Kurs raussuchen und auch hingehen. Und dann muss man das Ganze auch noch durchziehen. Und dann kommt die nächste Herausforderung. Liegt mir die gewählte Methode überhaupt? Wenn nicht, teste ich eine andere oder werfe ich gleich die ganze Entspannungsflinte in das doofe Korn. Nicht jedem liegt alles. Bei meinem ersten Bodyscan bin ich zum Beispiel direkt mal eingeschlafen. Es hat dann sehr viele Anläufe gedauert, um über das rechte Bein hinaus zu kommen. Bei vielen kommt dann zur inneren Unruhe auch noch Ungeduld hinzu. „Was hilft mir denn jetzt sofort?“, will man den Büchern, Kursleitern und allen anderen, die unglücklicherweise gerade so blöd auf dem Pfad der Erleuchtung im Weg rumstehen, entgegen brüllen.

Strom(ent)spannung

An der Stelle empfehle ich eine ganz simple Old School-Methode, die bei mir immer funktioniert. Man benötigt keine Vorlaufzeit. Man kann jederzeit damit starten. Sofort. Sie heißt: Folge dem Rauschen der Wellen. Am besten man ruft sich selbst vorher noch einmal laut „Stopp!“ zu und lässt alles stehen und liegen. Und auf geht’s zum Fluss. Bei mir ist es der wunderschöne Rhein. Aufs Wasser schauen, mit den Augen den Wellenbewegungen folgen und atmen (ja genau, einfach mal richtig tief ein- und vor allem ausatmen). Und auch Lauschen, dem immer wiederkehrenden, wundervollen Plätschern, wenn das Wasser das Ufer berührt. Das Gefühl der Naturgewalt spüren, der Beständigkeit. Der Fluss ist immer da, genau wie der Atem. Und er fließt immer weiter. Auch noch in tausend Jahren wird er dahin rauschen, wenn wir schon lange nicht mehr auf der Erdoberfläche rumkrabbeln. Er entspringt der Quelle und fließt über Ländergrenzen hinweg zum Meer. Jeden Tag, jede Minute, jede Sekunde. Wie beruhigend das ist. Er strömt dahin wie das Leben. Und flößt damit ein Gefühl der Ruhe ein. Was kann mir schon passieren? Alles ist im Fluss. Was in unseren Köpfen rumgeistert ist diesem majestätischen Strom völlig gleichgültig. Er lehrt uns die wichtigste Lektion über das Leben. Es geht weiter. Was auch immer wir uns in unseren Köpfen zurechtlegen. Und schon relativiert sich alles. Das Kopfkino sagt die Vorstellung ab und das Hirn hört auf Rauchzeichen zu geben.

Realitätsscheck

Klar, im täglichen Leben ist das vielleicht nicht immer sofort umsetzbar. Obwohl es schon lustig wäre. Man muss nur mal kurz visualisieren. Wie reagiert wohl der Chef im Strategie-Meeting („Ich bin dann mal kurz weg.“) oder die Kinder in der Kita („Mama kommt später noch mal wieder.“) oder der Partner mitten im Streit um die Zahnpastatube/Socken/Pfandflaschen („Mir reicht’s, ich fahr ans Meer!“) oder die Leute in der Supermarktkassenschlange, wenn man einfach eine Tonne Einkäufe auf dem Band zurück lässt und wortlos, mit einem erleichterten Lächeln im Gesicht, aus dem Laden verschwindet. Na, Lust bekommen, mal ein klitzekleines Zeitfenster für so einen Abstecher zu finden?
Neulich habe ich in einem Buch der Psychologin Dr. Margaret Wehrenberg gelesen, dass die Geräusche an plätschernden oder strömenden Gewässern nachweislich so beruhigend auf die Gehirnströme wirken, weil die Ionisierung der Luft nahe Gewässern die Entspannung erhöht. Also, für alle die, die es gerne wissenschaftlich belegt haben, was sie so ausprobieren, ist hier die Bestätigung, dass es wirklich funktioniert. Für alle, die es gerne philosophischer mögen: Die Swahili aus Ostafrika haben ein Sprichwort. »Folge dem Fluss und finde das Meer«. Eine schöne Metapher. – Einfach aufhören, auf der Stelle zu treten, loslassen und sich dem Fluss anvertrauen, dann entwirrt sich das große Ganze von selbst.

Alles Liebe,

Sabrina

PS: Dieser wunderschöne Beitrag kommt von Sabrina, die Glücksplanet mit ihren Gastbeiträgen bereichert. Sabrina hat schon geträumt vom Geschichtenschreiben, seit sie einen Stift halten konnte. Nach dem Germanistik- und Anglistikstudium und einem Jahr in Australien hat sie ihren Stift erst mal aus der Hand gelegt und sich mit anderen Dingen wie Zahlen, Projektplänen und Präsentationen ausgetobt. Inzwischen hat sie ihren Stift wieder fest im Griff und schreibt über alles was sie umtreibt, mutig, frei und glücklich macht.

 

Sabrina

 

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

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