Genießen lernen oder: die Kunst des Müßiggangs

Genießen lernen oder: die Kunst des Müßiggangs

Genießen lernen oder: Von der Kunst faul zu sein

Die letzten Tage waren wunderbar warm und ein sommerleichtes Gefühl lag in der Luft. Eigentlich genau das Richtige, um auf einer Decke zu liegen, die Blätter im Baum zu beobachten und der Kunst des Müßiggangs zu frönen……wenn man das könnte. Ich weiß ja nicht, wie es euch so geht, aber bei mir ist das tatsächlich eine Kunstform, dieses Faulsein. Ich brauche immer noch, um wieder zurück in den Modus der herrlichen Leichtigkeit des Nichtstuns zu kommen. Ich brauche einen Moment der Umstellung bis ich loslassen kann und es mir so richtig gönne, das Faulsein. Geht euch das auch so? Manchmal, ja klar, da klappt das sofort aber oft…nun ja. Ich denke jedenfalls, wir müssen vielleicht das genießen lernen damit es auch in hektischen Zeiten klappt, oder?

Ganz schön was los

Ich habe mein Genuss-defizit schon vor einiger Zeit unter die Lupe genommen. Ursachenforschung sozusagen. Mein Tag beginnt ja immerhin schon mit einem Genussmoment aus Bürstenmassage, Öl, Meditation und Yoga. So sieht es mein ayurvedisches Morgenritual vor und so klappte auch mit dem Wohlgefühl. Ich liebe diese Zeit am ganz frühen Morgen, die nur mir gehört. Im Laufe des Tages jedoch ziehen am Genusshimmel Wolken auf. Wahlweise beginne ich durch den Tag zu jagen (das sind die schlechten Tage, denn eigentlich weiß ich es ja besser) oder ich habe den Kopf voller toller Ideen und Pläne. Mir kommt der Tag dann schrecklich kurz vor für all das, was ich gerne noch machen / schaffen/ erleben will. Was dazu führt, dass meine wunderbaren Listen vollgepackt mit schönen Möglichkeiten und Erledigungen sind und mir allerdings leider auch jeden Moment des Durchatmens ein wenig versauen. Für den Müßiggang ist es gar nicht gut, wenn man so viel vor hat.

Wie wir genießen lernen

Das genießen zu lernen ist wunderbar und die beste Übung für den Frühsommer, ach eigentlich die beste Übung, die man überhaupt machen kann. Um sich in den Müßiggang wieder einzugrooven brauchen wir ein ausgeklügeltes Trainingsprogramm. Ein Genuss-Boot-Camp sozusagen. Und statt Liegestütz und Matschtunnel üben wir auf Blumenwiesen liegen und in den Himmel starren. Das ist auch eine tolle Sache für alle, die mit schlechtem Gewissen auf den Wiesen liegen: Mit so einem Boot-Camp hast du eine Aufgabe, eine Challenge. Das müsste selbst für die Hardcore-Erlediger eine gute Sache sein. Und es ist leicht und ich hab es erprobt.  Du brauchst eigentlich nur diese drei Schritte gehen und es geht entscheidend voran mit dem Faulsein in deinem Leben:

Warum lohnt es sich?

Der Sinn von dem was wir tun, ist unsere Motivation. Überall da, wo wir erkennen, dass wir etwas wirklich wollen, da schaffen wir auch Veränderung .Du wünschst dir noch ein wenig mehr Genuss? Mehr innere Ruhe während du irgendwo sitzt oder liegst und nichts tust? Dann überleg dir (am besten schreibst du es dir auf) WARUM es sich lohnen wird mehr zu genießen. Gute Glaubenssätze zum neuen Projekt sind Gold wert, sowas wie:

  • Das Leben ist kurz, jeder Moment zählt.
  • Ich bin es mir wert jeden Tag viele zauberhafte Momente bewusst zu genießen.
  • Ich habe es verdient ein wunderschönes Leben zu leben.
  • Genuss ist die wahre Kunst des Lebens.
  • Wir brauchen Müßiggang, um zu uns zu finden und zu wachsen.

Also? Warum lohnt es sich für dich, wenn du noch mehr als jetzt schon genießen kannst? Was passiert Tolles, wenn du die Kunst des Müßiggangs so richtig zu beherrschen lernst? Schreib es auf- und hör auch in dich rein was dagegen spricht. Aber dazu gleich mehr.

Von nix kommt nix: Übe jeden Tag!

Setz dir ein Ziel, zum Beispiel #30tagegenuss und nimm die 30 Tage dann sehr ernst. Es gilt das zu erreichen, was du gerade aufgeschrieben hast. Genuss ist wichtig! Er gehört ernst genommen. Darum mache jeden Tag mehrere wichtige Genussübungen wie

  • Barfuss über eine Wiese gehen und die Grashalme am Fuß fühlen
  • Essen und Getränke bewusst genießen: Eine Erdbeere, ein guter Tee, ein leckeres Essen
  • Mehrmals täglich einen Urlaubsmoment einbauen: An Sonnencreme riechen und die Augen schließen, das Gesicht in die Sonne halten, an ein kühles Bad im Meer denken, wenn du die Hände wäschst
  • Sorge für einen Moment (mindestens 15 Minuten) an dem du bewusst NICHTS tust. Jeden Tag. Ich weiß, es ist hart. Aber es ist ein Boot-Camp, ok?
  • Lese jeden Tag ein Gedicht, eine Geschichte, ein Rezept, was dich beflügelt und dir Spaß macht. Tipps gibts gleich unten
  • Mache jeden Tag einem anderen Menschen eine winzig kleine Freude: Ein bewusstes Lächeln, ein warmer Händedruck, eine Umarmung, ein Kompliment und genieße was du auslöst

Hab einen Plan für schlechte Tage

Nun ist es bei jedem Training ja so, dass man anfangs total motiviert nur so dabei ist und dann….kommt die böse Routine wieder. Hier also: Die Hektik, die To Do Listen, die Abgabetermine und Ansprüche. Was glaubst du, wird dein Haupthindernis sein, wenn du mehr Müßiggang und Genuss in dein Leben lässt? Wirst du das Gefühl haben nicht mehr so viel zu schaffen? Oder Angst haben, was die anderen denken? Oder was du selber denkst? Zum Beispiel dass du zu egoistisch bist? Atme tief durch und lies noch mal Punkt 1. Genau, es gibt ja einen Grund all dies zu tun. Was also machst du, wenn du merkst dass ein altes Muster dich einholt? Sei kreativ und mach dir einen Plan für das, was du dann tun kannst um wieder zurück auf den Pfad des Genusses zu kommen. Vielleicht schreibst du die schönen Pausen mit auf deinen To Do Zettel? Oder bittest deine Lieben mit zumachen? Mit zu genießen? Ist sowieso viel schöner.

Ich hab keine Zeit?

Ich hab vor  noch viel mehr zu genießen. Ist schon echt besser geworden mit mir und den To Do Zetteln. Jeden Tag ein bisschen in den Himmel schauen, eine Hand halten, genussvoll irgendwo reinbeißen – so viel Zeit muss sein. Und rumliegen, sich räkeln, ein Buch anfangen und wieder weglegen, dösen auch. Nicht nur am Wochenende. Und wenn du nun den Kopf schüttelst und meinst: Dafür hab ich wirklich keine Zeit, dann sag ich dir: Solange du Zeit hast fürs Fernsehgucken, Instagram durchscrollen, Fußleistenabstauben – so lang hast du auch Zeit für Müßiggang. Also, auf ins Boot Camp wer Lust hat. Und wenn ihr eigene tolle Strategien habt, um so richtig zu genießen, dann lasst es mich wissen. Ich bin neugierig und hab noch Luft nach oben 😉

Bis bald,

Silja

PS: ein schönes kleines Buch zum Drinstöbern mit zig wunderbaren Genussideen:

 

 

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

5 Kommentare

  1. Jessica 2 Jahren vor

    Liebe Silja, mittlerweile kann ich super-gut entspannen, aber immer noch müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: ist gesaugt? das Waschbecken im Bad sauber? einmal über jeden Tisch gewischt? Erst dann kann ich auch erst Yoga machen. Wenn das passt, kann ich auch 5 Stunden am Stück lesen 🙂

    • Autor
      Silja 2 Jahren vor

      Mensch Jessica! Du bist klar Fortgeschrittene beim Faulenzen sag ich. Und das kenn ich von mir auch- diese kleinen Zwangshandlungen vorher. Hauptsache du achtest gut auf dich. Liebe Grüße und bis bald,
      Silja

  2. Also ich bin sehr gut in diesem Faul-Sein-Ding (endlich eine Stärke gefunden) aber ich sollte währenddessen wohl mehr genießen!
    Hat mich sehr gefreut, dass nicht nur ich den Geruch von Sonnencreme und das Gefühl barfuss über Gras zu laufen, als erfüllend empfinde. Das mit dem Rezept lessen, probiere ich aber auch mal aus 😉
    Schöner und süßer Artikel, den du da gezaubert hast.

    Die eine in der Masse

    • Autor
      Silja 2 Jahren vor

      Hallo du Liebe,
      Danke dir für dein Feedback :-). Ich arbeite am Faulsein und du am Geniessen. Hat jeder was zu tun von uns ?
      Viele Grüße
      Silja

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  1. […] im leicht bunt gesprenkeltem Blätterwald entspannen und denke mir daher: Ich brauche mal wieder mehr Pausen. Ich glaube sogar, wir alle sollten mehr Pause machen – jeder!  Die Welt sähe anders aus, […]

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