Die Sonne einatmen

Die Sonne einatmen

Die Sonne einatmen

Der Januar hatte gefühlt 345 Tage und ging doch herum in einem Atemzug. Gerade erst den Baum abgeschmeckt, im Eis ausgerutscht und die Handschuhe gesucht und nun, nun ist Februar und etwas in mir sträubt sich gegen die Romantik des Februars. Dabei will ich nichts als die Sonne einatmen, jetzt wo sie jeden Tag ein paar Minuten länger am Himmel stehen wird.

Ist Sehnsucht gut?

Doch das Fließen mit den Wassern des Lebens braucht meinen Gleichmut, doch der fällt schwer. Neulich las ich, dass Sehnsucht Anspannung bedeutet. Ich dachte immer, Sehnsucht würde mich näher zu meinen Träumen treiben. Die Feinheit liegt wohl im Verb selbst: treiben. Wenn Sehnsucht bedeutet, dass Zufriedenheit nur unter bestimmten Umständen möglich ist, was ist sie dann wert? 

Berlin ist kalt.

Am Wochenende waren wir in Berlin zum Hundesitten, schließlich sind wir seit neustem Hundegroßeltern. Die Wetterapp versprach gefühlte -14 Grad und ich bin nur einmal auf dem glatten Gehsteig ausgerutscht. Wir rannten also mit dem Hund durch Schnee und saßen ein paarmal in Cafés, Kurkuma Latte und veganes Crioissant. Den Rest der Zeit habe ich nachgefühlt wie mein Sohn wohnt (schön) und mich unter Decken versteckt um die passende Anzahl Stranger Things Folgen herauszufinden mit denen ich dennoch gut schlafen kann. Und da war eine Sehnsucht nach Sonne, eine Lust auf Wärme, auf Grün, auf Frühling. Ich würde nach vorne rennen, wenn ich könnte.

Die Lust auf Langsamkeit

Mein Leben lang bin ich jedoch viel zu viel gerannt. Hab mich angestrengt und versucht alles zu schaffen, was mein Kopf an Ansprüchen ausgespuckt hat. Die Sache mit dem langsamer leben ist mir ernst und wenn mein Kopf mich jetzt in den Frühling treiben will, verjagt er mich dann nicht wieder aus diesem Moment? So wie früher, als ich gerne älter sein wollte und dachte, dass all meine Wünsche um die Ecke herum wahr werden und mit ihnen das große Glück mich ganz und gar überrollen würde? 

Hiersein

Vorspulen gilt also nicht und den Moment nicht umarmen fühlt sich auch falsch an. Wie also den Februar umarmen? Nun, das Licht kommt zurück und wie wäre es, wenn wir alle sitzen würden und uns dafür bedanken, uns darauf freuen, das einatmen? Wenn ich die Augen schließe und ruhig sitze, manchmal mache ich mir als Verstärkung dazu noch das Rotlicht an, dann kann ich mir vorstellen, wie Sonne mich anblinzelt. Wie Licht durch den Raum tanzt und Staubkörnchen in Konfetti verwandelt. Ich kann diese gebrauchte Supertramp Platte anmachen und durch den Morgen tanzen. Kann am Abend Kerzen anzünden und mein Buch nehmen und unter Decken Tee trinken und Schokolade naschen, warum nicht?

Dem Herzen folgen

Wenn Sehnsucht nun kein Ort in der Zukunft wäre, sondern etwas, was uns Kompass sein kann? Was nicht erfüllt wird in einem irgendwann, sondern eher fragt: Was machst du jetzt? Wenn wir uns ausrichten lernen auf das, was uns zu fehlen scheint und hier und jetzt statt zu jammern umarmen, was schön ist? Dankbarkeit für die Sonne und für das Dunkel entwickeln? 

Im Februar Sonne finden

Eine alte Freundin meiner Eltern ist gerade verstorben und wir sind alle furchtbar traurig. Das Leben ist viel zu kurz fürs Meckern. Das was da ist, ist zu wertvoll. Viel zu häufig erkennen wir nicht, wie viel wir tun können. Wir können so viel ändern, umwerfen, neuordnen. Wir können ausmisten, aufräumen, dekorieren. Es ist wichtig, unser Leben ganz zu leben. Also Sehnsucht als Gestaltungsmittel für ein feineres Jetzt? Für mich hört sich das gut an. Ich werde einen sehr romantischen Februar haben. Mit Kuchen und Küssen, Spaziergängen und alten Liedern. Weil der nächste Sommer bereits wartet und ich jeden Schritt dahin genießen darf. Jeden einzelnen, selbst bei gefühlten -14 Grad. 

Machst euch schön, Freunde.

Von Herzen,

Silja

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PPS: Das Bild mit der gelben Strickjacke hat Miriam Dierks gemacht. Du findest sie hier.

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

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