Yogasutra 1 x 1 : Santosha – oder die Kunst des eigenen Glücks

Yogasutra 1 x 1 : Santosha – oder die Kunst des eigenen Glücks

Yogasutra 1×1 : Santosha oder die Kunst des eigenen Glücks

Wenn man über das Glück schreibt, sollte man ja eigentlich so richtig Bescheid wissen. Die eigenen Tage sollten sich ständig wie laue Sommerabende anfühlen und außer Schmetterlingen und Gänseblümchen sollte nichts den Horizont vernebeln, oder? Nun, was soll ich sagen, ich arbeite noch dran. Was sich jedoch lohnt, denn selbst das wunderbare Yogasutra von Patanjali übersetzt einen Schritt des Yogawegs mit „Santosha“, Zufriedenheit. Als zweites der Niyamas folgt es gleich auf Saucha und zeigt uns einen weiteren Schritt auf dem Weg zum inneren Glück.

Das Sutra

Ich nutze wieder die Übersetzung aus dem Lieblingsbuch (s.u.), wo das Zufriedenheits-Sutra so übersetzt wird:

„Wer sich in Zufriedenheit übt, erfährt grenzenloses Glück.“

Und wie so oft bei diesen alten, wunderschönen Schriften denke ich auch hier: Das wusste meine Oma irgendwie auch schon. Santosha, so sagt es Patanjali, bedeutet einen inneren Ort der Genügsamkeit, der Bescheidenheit, der Zufriedenheit in sich zu finden, so dass wir fortan nicht mehr abhängig sind von dem, was Außen ist. Eigentlich klar, oder? Und doch nicht einfach. Ich bring euch mal ein Beispiel aus meinem Leben mit:

Unser Wohnzimmer

Immer, wenn ich irgendwo bin, wo Menschen sehr aufgeräumt, stylisch und trotzdem gemütlich wohnen, will ich renovieren. Was nicht passiert, aber das ist eine andere Geschichte, die hoffentlich in 2019 umgeschrieben wird. Ich will ausmisten (klappt schon besser) und zumindest eine neue Couch einkaufen gehen. Unser Wohnzimmer und besonderes diese alte Couch, so scheint es mir dann im Vergleich, wirkt abgenutzt und nicht mehr schön, scheint plötzlich nicht mehr so bequem und überhaupt irgendwie schmuddelig. Je mehr ich mich dann darauf konzentriere, was ich stattdessen will, umso unzufriedener werde ich. Statt lauer Sommerabende und Schmetterlinge habe ich plötzlich ein Gefühl von „so gehts nicht“ und innerer Frieden ist plötzlich etwas weiter entfernt. Irgendwas nagt da unten, was eventuell, so schwant es mir manchmal, gar nicht durch eine Couch zu lösen ist?

Lieben, was ist

Rät Byron Katie. Mit ihr schlägt außerdem jeder halbwegs gescheite spirituelle Lehrer eine Praxis von Dankbarkeit und Wertschätzung vor. Wir haben so viel, aber das Gefühl für unseren Reichtum im Innen und Außen, für all das Gute in unserem Leben, geht uns schnell verloren. Wir torpedieren unser Glück meist selbst: Wir vergleichen uns (siehe oben), haben hohe Erwartungen  (meine Wohnung, eine stylische, wunderbar wohnlichen Designumgebung), oder wir verwechseln kurzlebige Gefühle mit unserem Sein. Was verrückt ist, denn unsere Gefühle sind immer nur das Ergebnis eines unbewussten Prozesses. Ich bin nämlich oft sehr glücklich in meinem Wohnzimmer. Ich meditiere, arbeite, schreibe hier und mag all die Erinnerungen und selbst die Couch ist oft sehr bequem. Unzufriedenheit kommt erst über uns, wenn der Prozess des Vergleichs startet und wir uns am Gefühl von Mangel, von zu-kurz-kommen, von Enttäuschung festhalten.

Die Kraft unseres Geistes

Dass unser Kopf das Negative deutlich überbewertet, besser abruf- und erinnerbar macht und uns so eher in den Mangel als in die Fülle treibt, wissen die meisten theoretisch schon. Yoga lehrt uns nun, diesen Prozess bewusst zu betrachten. Zu erkennen, dass dieses bohrende, unterschwellige Gefühl der Unzufriedenheit nichts mit unserer Couch oder unserem Partner zu tun haben muss, sondern eine Sehnsucht zeigen kann. Und, dass wir wählen können, anders zu schauen. Was überhaupt der beste Punkt ist. Wir haben die Wahl. Wir können die Veränderung angehen und gleichzeitig, bis sie eintrifft, glücklich sein. Wir haben immer die Wahl! Wir können uns aufregen, weil ein Möbelstück alt ist, der Partner nicht macht, was er soll oder der Job nicht so erfüllend ist – oder wir beginnen unsere eigene Haltung zu ändern.

Zufrieden sein

Was nicht bedeutet, dass all die unguten Gefühle weichen müssen. Nur positiv zu schauen ist kein Yoga. Yoga ist für mich, alles anzunehmen, aber nichts überzubewerten. Zu verändern, aber sich nicht zu grämen. Es bedeutet ausgewogen zu sehen und alles in dem Moment sein zu lassen. „Habe Vertrauen zum Sosein aller Dinge“ wird Loatse im Lieblingsbuch zitiert (s.127). Für die Ausgewogenheit helfen mir immer Dankbarkeitsübungen, wie beispielsweise in unserem Glücksjahr 2019 Buch beschrieben. Mit ihnen lernen wir zu schauen, was alles da ist, was gut ist, wo wir glücklich sind und wir sehen zudem anders auf die Themen, die nicht rund laufen. Wir sind dann irgendwie gestärkter, gehen  klarer heran und können unsere Ressourcen fühlen und mit ihnen Probleme besser lösen . ohne sie überzubewerten. Letztlich ist unsere Couch nur eine Couch.

Santosha – die Kunst, den inneren Frieden nicht abhängig zu machen

Ich habe immer noch das Gefühl, mein innerer Frieden, mein Glück hängt viel zu oft im Außen fest. Ich denke: „wenn das Wetter erst schöner wäre“ oder „wenn das doch leichter wäre“ und werde automatisch unzufrieden. Bewerte alles. Kann mich, wenn ich einmal begonnen habe, kaum halten. Im Lieblingsbuch steht ein Vergleich zum Ozean. Gefühle seien wie Wellen, während wir der ganze Ozean wären. „Was stören den Ozean die Wellen? Egal, was sich auf der Oberfläche abspielt, im (…) Innersten herrscht wie in den Tiefen des Meeres Stille , Ruhe und Zufriedenheit.“ (S.125). Hört sich schön an, oder?

Der Himmel sein

„Du bist der Himmel, alles andere ist nur das Wetter“ sagte Pema  Chödrön und ich liebe diesen Satz immer noch. Er ist sozusagen mein all-time-favourite-Satz. Aber wie können wir der Himmel sein? Patanjali rät, weiter zu machen auf unserem Weg. Sich nicht beirren zu lassen. Stille auszuhalten und die eigenen Muster zu betrachten. Sich immer wieder zu hinterfragen:

  • Was macht mich gerade unglücklich/ unzufrieden/  gereizt?
  • Welche Erwartung kann ich loslassen?
  • Welche Veränderung durchführen?
  • Welches Muster lösen?
  • und: Was kann ich jetzt tun, um mich ein wenig besser und ruhiger zu fühlen?

Du bist nicht deine Gefühle UND du bist Chef(in)

Wenn wir nicht unsere Gefühle sind, sie aber entstehen, aufgrund unserer Gedanken und Glaubenssätze, Beurteilungen und Erwartungen – wie können wir dann nicht schuld sein? Mir hat geholfen irgendwann zu verstehen, dass ich nie schuld bin. Einfach nie. Denn so gut wie alles, was in meinem Kopf vor sich geht, ist erstmal unbewusst. Die Kunst ist es, durch Yoga oder andere Techniken, zu beginnen genauen hinzuschauen. Bewusster zu werden. Das Chaos und den Ablauf des eigenen Programmes zu sehen. Das macht es soviel leichter. Wir sind Chefin, wenn wir wollen – allerdings braucht es davor diesen Schritt des Hinschauens. Dann erst können wir neu wählen: Fülle wählen, Leichtigkeit, Dankbarkeit, Zufriedenheit.

Zufriedenheit leben

Neben den Reflexionsfragen von dort oben, habe ich noch drei kleine Tipps für ein bisschen mehr Santosha in deinem Alltag mitgebracht, die mir total gut tun:

  • Verlängere die guten Momente. Oh, das ist so wundervoll! Du wirst es lieben! Atme durch und verlängere bewusst die schönen Augenblicke in deinem Alltag. Genieß den Tee und fühle, wie gut er tut, einfach einen kleinen Augenblick länger – ganz bewusst.
  • Verändere den Blickwinkel. Und wenn du mal keinen so guten Augenblick hast, frag dich, was die eine Sache ist, die du an dieser Situation gerade lieben kannst? Was ist die eine Sache, die du, egal wie es läuft, wertschätzt? Sofort sehen wir nicht nur den Mangel sondern mehr – und das tut gut.
  • Bemerke dein Programm. Wenn es mal so richtig Mist läuft, frag dich: Wann ging es los? Ganz ohne Schuld hin und her zu schieben, erkenn den Moment, wo dein inneres Programm von Unzufriedenheit startet. Nächstes Mal kannst du so, genau an dieser Stelle, eine andere Richtung einschlagen

Alltag

Ich bin neugierig, ihr Lieben – wie schafft ihr es, zufrieden zu bleiben? Was sind Highlights, die euch die Tage versüßen? Welche Gedanken helfen euch, ein wenig positiver, gelassener, zufriedener zu sein? Gerade im Alltag vergessen wir all das so oft. Ich freu mich also von euch zu hören, wie es gut läuft und was ihr für Rezepte habt! Ich glaube nämlich, wir sind alle auf dem gleichen Weg unterwegs, oder?

Alles Liebe & Namasté

Silja

PS: Das Lieblingsbuch wie versprochen:

Wie immer gilt: Im Lieblingsladen gern kaufen. Wer über den Link bestellt muss wissen, dass ich dann ein wenig profitiere.

PPS: Ein kleines Video für die Veränderung unseres Alltags, so dass mehr Magie und Freude rein darf (schon etwas älter):

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

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