Wechseljahre – Gedanken zur Lage

Wechseljahre – Gedanken zur Lage

Wechseljahre – Gedanken zur Lage

Ok, es gibt Momente, von denen wähnt man sich noch Jahre entfernt. Die erste Hitzewallung zum Beispiel. Gefühlt habe ich erst gestern Sohn Nummer drei zur Welt gebracht und wundere mich heute, dass er schon bald die Schule wechseln wird. Hm. Nun, selig sind die, die nicht ahnen, was los ist. Sie wissen nicht, dass etwas im Gange ist. Sie wähnen sich in Sicherheit. So jedenfalls ich, bis ich mit dem heimischen Supermann auf der Couch saß und es plötzlich unerträglich warm wurde. Ach, was sag ich? Stickig! Ich riss die Fenster auf (es war Dezember) und meckerte über die viel zu stark beheizte Wohnung. Socken flogen durch den Raum und der bezaubernde Mann an meiner Seite wunderte sich. „Mir ist nicht warm.“ kam es zögerlich und ich schimpfte auf die Angewohnheit im Winter T Shirts zu tragen.

Wenns warm wird

Nun kann es ja immer mal sein, dass der Göttergatter verfroren ist, während die Prinzessin hier schwitzt – ich weiß. Aber, was soll ich sagen? Es wiederholt sich. Alle frösteln, mir wird ganz plötzlich ganz irre warm. Wie eine kleine Welle schwappt die Hitze durch meinen Körper. Nicht jeden Tag, nicht jede Woche – immer mal wieder. Bei Welle zwei grinste der Man und ich begann mir Gedanken zu machen.

Älter werden

„Ich werde alt.“ war mein erster Gedanke – und er war nicht nur negativ. Es ist ein Privileg alt zu werden, darüber bin ich mir bewusst.  Gerne zitiere ich an dieser Stelle erneut meine weise Oma, die mit über 90 verkündet hat, dass sie sich immer noch wie 23 fühle und beherzt sagte: „Man wird nur außen alt.“. Yepp! Und doch bin ich ein eitler Mensch. Wie ist das, wenn da jetzt wild die Hormone ins Schwanken kommen? Ich finde meine immer grauer werdenden Haare waren schon ganz schön mutig. Sie gelassen ins Grau wachsen zu lassen war irgendwie etwas einfacher, als ich noch dachte, innen sei alles wie immer. Plötzlich ziepte mein Rücken – und ich kam auf die Frage: Wie stehe ich eigentlich zum älter werden?

Unsere Gesellschaft

ist einfach auch nicht so nett mit dem Alter. Was mich (ohne dass ich es will) beeinflusst, irgendwie. Da gibt es diese süßen Omis, die irgendwie ein wenig aus der Zeit gefallen scheinen und daneben, etwas jünger, die schicken „Best Agers“, die den nächsten Kurzurlaub planen. Ich fühl mich da (noch) nirgendwo zugehörig. Ich bin 47 .Gefühlt liegt (hoffentlich) noch viel Leben vor mir.  Also dachte ich: Ich halte mal Ausschau nach den schicken Wechseljahrsladies. Das hatte beim Projekt Going Grey ja schließlich auch so toll geholfen.

Auf der Suche nach Vorbildern

bin ich seitdem. Ich schaue auf den Straßen, in den Zeitschriften und sitze vor dem Fernsehen und sehe, neben einigen sehr tollen Frauen, viel glattgebügelte Haut. So zappte ich neulich (total zufällig) in eine dieser berüchtigten Promisendungen, in denen der Urlaub von Exmodertorin Schnicki* und die SchönheitsOP von DJane Schnuppi * gezeigt wurde. Und alle, ausnahmslos alle, hatten merkwürdig hohe Wannenknochen, eine sehr sehr (sehr) glatte Stirnpartie und ziemlich runde, äh, Lippen. Ist das der Weg, wie man alt werden sollte? So, dass man es möglichst nicht sieht?  Die Vorstellung, dass das Mode werden könnte, lässt mich schaudern.

Wie man es auch sehen kann

Lange Rede kurzer Sinn: Eines meiner Lieblingsbücher (s.u.) hat mich schließlich gerettet. „Das Klimaterikum“ schreibt die wunderbare Dr. med. Christiane Northrup „kann als eine Art „Frühling“ für die zweite Lebenshälfte gesehen werden„. Was gut tut. Immerhin habe ich, rein statistisch gesehen, noch ca. 40 Jahre vor mir. Es wird Dr. Joan Borysenko zitiert, für die die Jahre zwischen 42 und 49 die „Metamorphose der Lebensmitte“ darstellen, in der „Frauen ernsthaft beginnen, einen Rahmen zu schaffen, in dem sie ihre eigenen Vorstellung auch in ihren alltäglichen Aktivitäten ausleben. In dieser Lebensphase neigen sie mehr als vorher dazu, die Wahrheit zu sagen, und bemühen sich nicht mehr so sehr darum, Entschuldigungen für andere zu suchen oder Kompromisse einzugehen.“  Jippieh! Und Juchu! Hier find ich mich wieder.

Mehr als die Hülle

Die eigene Wahrheit leben, damit kann ich durchaus was anfangen, auch wenn es weiterhin ein Prozess ist. Vor allem kann ich etwas damit anfangen, das Alter als etwas Positives zu sehen. Ich will mich nicht glattbügeln müssen oder Spritzen in meine Stirn jagen (ich frag mich sowieso, ob das schlecht fürs Stirnchakra ist?). Ich will meine Falten willkommen heißen, diese Wärmewellen ebenfalls. Ich will umarmen, was da passiert. Ältere Menschen gelten in vielen Kulturen als weise, als Ratgeber, als Fels in der Brandung. Davon bin ich noch entfernt, und denke: Jedes Alter hat seine Berechtigung. Ich bin daher bereit dem Jugendwahn ein wenig zu trotzen. Wobei es auch schwer ist. Der eitle Teil von mir, will beharrlich weiter frisch und jugendlich sein, im besten Falle alterslos. Müde macht mich das – da will man gelassen sein und ist es doch nicht immer. Seufz.

Mach dich frei.

Darf man sich innen noch wie 23 fühlen? Darf man weiterhin x und y machen, tragen, tun? Jedes Alter kommt mit Konformitäten, die uns die Gesellschaft anbietet. Die Kunst ist, sich da frei zu machen, wo es das eigene Herz verlangt. Neben all dem, was in unserem Körpern vorgeht, neben der Vergänglichkeit, die dieses Leben hat – sind wir alle soviel mehr. Seelen, würd ich sagen, verbunden und einzigartig. Ich kann mir das am ehesten in der Meditation vor Augen halten. In der Stille, wenn das Herz aufgeht. Im Alltag, wenn ich mich unwohl fühle und unsicher werde, dann bleibt es zwischendurch schwierig. Also nach innen schauen. Durchatmen. Abschied nehmen von dem, was wir nicht sind und willkommen heißen, was wir sind. Keine Etiketten kleben und nicht hadern. Machen, was das Herz verlangt. Das gilt sowieso immer, egal wie alt wir sind.

Widerstand zwecklos

Es bringt nichts, gegen irgendwas kämpfen zu wollen. Einen Prozess aufhalten zu wollen. Das gilt auch immer. Alles kommt, wie es kommen soll. Alles ist, wie es sein soll. Wir gehen einen Schritt nach dem anderen und lernen mehr und mehr unserem Herzen zu folgen. Falten gehören dazu, sie zeigen, wann wir gelacht haben und wo wir unglücklich waren. Narben gehören dazu und die Lust, jede Sekunde dieses Lebens zu leben. Die guten Sekunden genauso wie die düsteren.  Wir sind hier, jetzt. Egal wie alt wir sind, egal, was gerade los ist. Immer zählt dieser Moment. Ich habe daher begonnen meine kleinen Wellen freudig zu begrüßen. Sie sind Teil von mir. Es ist spannend, was kommt. Immer. Ich halt euch auf dem Laufenden.

Alles Liebe,

Silja

 

PS: *Name oben geändert (hätte keiner gedacht, oder?)

und PPS:

Das Spitzenbuch, in dem ich immer wieder lese:

Wie immer gilt: Im Lieblingsladen kaufen oder über den Link bestellen. Bei letzterem profitiere ich ein wenig.

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

12 Kommentare

  1. Kristin 11 Monaten vor

    Danke für diesen schönen Post zu einem Thema über das in unserer Gesellschaft meistens genauso negativ (im Sinne von Angst machend) geredet wird wie über Geburten.
    Herzliche Grüße,
    Kristin

    • Autor
      Silja 11 Monaten vor

      Liebe Kristin,
      ja verrückt oder? Schön, dass du das genauso siehst.
      Liebe Grüße
      Silja

  2. Sophia 11 Monaten vor

    ich bin jetzt bald 56 liebe Silja und ich walle auch ab und an so vor mich hin, auch mein Haar darf jetzt mal Grau bleiben, sich rauswachsen und weißt du was? Mir gehts gut damit, ich fühl mich wohl und ich mag meine Falten. Wallungen sind unangenehm, weil ich generell nicht so gerne schwitze, ich schlafe auch nicht sooo gut, aber auch das ist mir gleich. Im Gegenteil ich mag es, dass sich etwas ändert, ich lebe – mein Leben, es bewegt sich.
    Über diverse SchönheitsOP’s und dergleichen .. arme Mädels mag ich da nur sagen. Sie tun mir leid. Uniformierte, gleichaussehende Masken, naja, jede Seele ist anders, wir wollen ja nicht bewerten (und tun es dennoch immer noch).
    Ich wünsch dir weiterhin alles Liebe, noch ein paar liebe Fältchen dazu, sie machen uns aus.
    Ganz lieben Gruß
    Sophia

    • Autor
      Silja 11 Monaten vor

      Oh Sophia!
      So schön von dir zu lesen – danke dafür. Toll, wie gelassen du bist. Ich bin auch unterwegs 🙂
      Alles Liebe,
      Silja

  3. Stefanie 11 Monaten vor

    Liebe Silja,

    zu diesem Thema kann ich dir noch ein Buch empfehlen: „Aging as a spiritual practice“ von Lewis Richmond. Deutscher Titel ist glaube ich „Die Zeit ist ein großer Lehrer: Gelassen älter werden“.

    Ganz liebe Grüße und danke für diesen wundervollen Artikel 🙂
    Steffi

    • Autor
      Silja 11 Monaten vor

      Liebe Steffi,

      ganz lieben Dank für den tollen Tipp. Das schau ich mir an.

      Alles Liebe,
      Silja

  4. Cathrin 11 Monaten vor

    Liebe Silja,
    Ich bin hier seit längerem stille aber sehr begeisterte Mitleserin. Aber jetzt muss ich mal aus dem Schatten treten. In vielen Blogs, auch und gerade aus der Yogaszene, betonen alle gern wie individuell und nicht mainstreamig sie unterwegs sind und wie wichtig es ist sich von den immer gleichen perfekten Instagramimages zu distanzieren und man selbst zu sein. Aber dabei verkaufen 95% von denen den gleichen selbstoptimierten Kram zu den gleichen Themen – etwas Astro, etwas Guru, die tollste Mikro-Makro-Superernährung und die teuren Ölchen aus Amerika ohne die inzwischen niemand mehr glücklich sein kann. Dazu Selbstoptimierungsprogramme und teure Ferncoachings. Mich nervt das und hinterlässt bei mir ein schales Gefühl weil ich da nicht mitschwingen mag und immer das Gefühl habe, dass das was mir da als super-authentisch verkauft wird doch oft glattgebügelter Fake ist.
    Bei deinem Blog habe ich dieses Gefühl überhaupt nicht und dafür möchte ich dir danken! Ich bin auch 47 Jahre, Yoga hat mir schon 1000x den Hintern gerettet und ich bin immernoch auf der Suche nach dem Glück in mir und bereit es in den kleinen Dingen zu erkennen. Du schreibst in deinem Wechseljahrspost, dass du auch der Suche nach Rolemodels für diese Zeit bist. Ich muss sagen, du bist eines für mich. Ich kann mich mit sehr vielen Deiner Gedanken identifizieren und erkenne diese Themen alle auch in mir. Und ich bewundere deinen Mut dich zu zeigen. Auch mit vermeintlichen Schwächen oder Unsicherheiten. DAS empfinde ich als wahre Stärke und etwas an dem ich für mich noch arbeite. Deshalb ist es so toll bei dir zu lesen, wie stark und schön es ist sich zu zeigen in all seinen Facetten. Eben wirklich authentisch zu sein. Dafür möchte ich die aus tiefstem Herzen danken. Einen wunderbaren sonnigen Montag und liebe Grüße
    Cathrin

    • Autor
      Silja 11 Monaten vor

      Liebe Cathrin,
      was ist das denn bitte für ein schöner Kommentar? Danke fürs raustreten aus dem Schatten und ich freu mich sehr über deine lieben Worte. Danke. Danke. Danke.
      Fühl dich umarmt,
      Silja

  5. Silke 11 Monaten vor

    Liebe Silja,

    so langsam bekomme ich das Gefühl, dass du mein blondes Alter Ego bist 😀 😀 :D. (Also halb blond, so wie ich halb brünett, bald dann beide ganz grau ;)). Vielen Dank für diesen offenen Post. Ja, mir fehlen auch die Role Models. Und ja, mir geht es genauso, meine Eitelkeit möchte, dass ich jung und knackig bleibe (oder wieder werde ;)) und trotzdem wünsche ich mir die Gelassenheit und Freude, älter zu werden. Ich freue mich schon auf deine nächsten Posts und schicke dir liebe Sonnengrüße,

    Silke

    • Autor
      Silja 11 Monaten vor

      Liebe Silke,
      na gut – bin ich gerne ;-)- und ich danke dir. Freu mich so, dass jemand meine Gedanken teilt.
      Alles Liebe,
      Silja

  6. Sabine K. 11 Monaten vor

    Von Christiane Nortrup gibt es übrigens ein eigenes Werk über die Wechseljahre. Hab ich mir auch gerade besorgt. “ Weisheit der Wechseljahre“ heisst es uns ist genauso dick.
    ❤ Ansonsten geht es mir sehr ähnlich. Ich bin auch 47, werde auch grau – habe mich aber doch wieder für Strähnchen entschieden…! Mit meinen Locken sehe ich sonst wirklich aus wie 60….! Das ist mir einfach noch zu früh – das ist aber auch das einzigste, was “ gemacht“ wird!
    Ansonsten teile ich Deine sämtlichen Absätze und Lieblingsautorinnen….! 😉
    Ich walle übrigens schon ganz ordentlich und bekomme meine Mens-Sinnflut mal nach zwei und mal nach zwölf Wochen – komplett unberechenbar! Ich bin gespannt auf weitere Berichte von Dir. Lese Dich sehr gern. Liebe Grüße, Sabine

    • Autor
      Silja 11 Monaten vor

      Liebe Sabine,
      danke dir. Uih, das hab ich noch nicht gesehen! Wird angeschaut. Danke für den Tipp und liebste Grüße,
      Silja
      PS: dann hoffe ich, auch das geht vorbei….

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