Tinnitus – wie ich damit lebe und was mir hilft

Tinnitus – wie ich damit lebe und was mir hilft

Tinnitus – wie ich damit lebe und was mir hilft

Bei mir piept es – oft und ausdauernd und doch höre ich es meist kaum noch. Dabei war das am Anfang ganz schön anders. Was mir geholfen hat, wie mein Tinnitus entstanden ist und wie es sich heut so damit lebt- darum geht es heute hier. Auf Wunsch übrigens, denn nach euren Nachrichten scheine ich nicht die einzige  zu sein, die eine sanfte oder unsanfte Trillerpfeife im Ohr versteckt hat. Bitte beachtet jedoch, dass ich keine HNO Spezialistin bin, noch mir mega-krasses Fachwissen angeeignet habe. Dieser Post ist eher ein Erfahrungsbericht und ersetzt in keinem Fall den Besuch bei einem guten Spezialisten.

Wie alles begann

Es gab eine Zeit, da dachte ich, es sei eine ziemlich klasse Idee, neben meinem Teilzeit-Führungsjob und mit zwei kleinen Jungs, studieren zu gehen. Was toll war. Ich fuhr fast jeden Tag in die Nachbarstadt zur Universität, traf lauter wunderbar intelligente Frauen (ok, die Nicht-Wartesemester waren alle ein paar Jährchen jünger aber ebenfalls bezaubernd) und lernte lauter spannende Dinge. Klausurphasen kamen und gingen. Jobprojekte, Kinderkrankheiten und Alltagsärger ebenso. Ich brauchte mehr und mehr Urlaube und Wochenenden, um mich einigermaßen entspannen zu können. Und doch war diese Zeit wunderbar! Ich liebte die Abwechslung, das Jonglieren, die Erfolgserlebnisse. Und ich rannte.

Am Ende am Ende

Gegen Anfang des sechsten Semesters, nach all den Klausuren und mit nur noch ein paar Seminararbeiten und der Bachelorarbeit vor mir, war ich müde. Aufgeben galt für mich allerdings nicht, von daher wurde tapfer weiter durchgezogen. Kreislaufprobleme, Schwindel und Ohrpiepen waren die Folge. Irgendwann war ein Ohr so laut, dass ich doch meine HNO Ärztin besuchte. Da war die Bachelorarbeit allerdings schon abgegeben. Sie fragte nach meinem Befinden und ich begann zu weinen. Ich war einfach, denke ich heute, sehr sehr müde.

Therapien

Da das Piepen eine feine Lautstärke erreicht hatte, was Entspannung ebenso wie Schlaf ein wenig erschwerte, gab es verschiedenste Therapien. Infusionen, Nahrungsergänzungsmittel, Durchblutungsförderungs-Freiverkäufliche Tabletten halfen wenig. Der Krankenschein in der ersten Woche schon. Ich schlief und ruhte. Yoga wurde mir angeraten und ich fuhr mit Yogabüchlein in die Familienferien nach Italien.

Was half

Sonne, gutes Essen, die ersten Nicht-Fachbücher und lauter entspannte, süße Menschen helfen irgendwie immer und so auch mir in diesem Spätsommer. Der Ton wurde leiser. Ich begann Ashtanga Yoga zu üben. 2005 war das. Eigenregie anhand eines Buches. Ich kann heut echt nur den Kopf über mich schütteln – aber es hat mir gut getan. Das Atmen, die Bewegung. Zurück im Alltag stellte ich fest, dass an manchen Tagen der Ton unerträglich laut schien, während ich ihn an anderen fast vergessen konnte. Meine ganz persönliche Forschung begann.

Was mein Tinnitus sagt

Keine Ahnung, was bei anderen der Fall ist aber ich weiß heute mehr: Mein Tinnitus reagiert sofort auf Anspannung. Komme ich in Stress, überfordere ich mich, habe ich mein inneres „aufgeben gilt nicht“ an – wird mein Ton lauter. Ich werde ausgepfiffen, habe ich irgendwann gedacht. Massagen halfen, Akupunktur weniger. Toll blieb und bleibt bis heute Yoga, was erst Jahre später wirklich regelmäßig und fundiert in mein Leben fand. Zu fühlen, wie schnell mein Körper mir was sagt und was ihm alles nicht gefällt – dabei hat mir mein Ton auf jeden Fall geholfen. Er lehrt mich bis heute gut auf mich zu achten. Mahnt mich zur Pause, wenn alles zu viel ist. Lässt mich spüren, dass mein Ego vielleicht rennen will, mein Körper aber eigentlich gar keine Lust mehr hat. Er ist mein Freund, denke ich.

Wenn der Ton ganz weg bleibt

Abgesehen vom Tinnitus bleibt in Extremsituationen der Ton auch mal ganz weg. Für einen Moment und bisher erst zweimal in meinem Leben. Was ganz schön ernst ist. Ruhe ist angesagt und sofort (genau wie beim ersten Tinnituszeichen!) ein Arztbesuch beim Spezialisten. Je schneller man handelt, umso eher die Chance zu heilen, wurde mir gesagt. Bisher hat mir auch hier immer Ruhe geholfen Wobei ich sagen muss: Ich hatte auch Glück, der Ton in meinem Ohr kam innerhalb von ein paar Minuten zurück. Zum Glück. All das mahnt mich bis heute langsamer zu machen. Weniger Yang mehr Yin. Das Fließen-lassen zu lernen.

Lernen

Das Lernen ist sowieso so eine Sache. Ich bin der festen Überzeugung, dass uns unser Körper so einiges sagt. Meiner erinnert mich, denn ich neige zur Verausgabung, zur Selbstfürsorge. Unser Körper ist unser Freund. Wir sollten in uns hineinhorchen – gleich morgens. Uns fragen, was wir brauchen. Weniger funktionieren und wenn wir rennen, uns fragen: Wozu? Ich musste mir damals, mit diesem Studium, etwas beweisen. Da bin ich mir heute ganz schön sicher. Nicht das Studium oder all die Bälle in der Luft waren zudem mein Problem, sondern die Geschwindigkeit, mit der ich jonglieren wollte. All die Pausen, auf die ich verzichtet habe. Dieser Wille, mit den Vollzeitstudenten gleichzeitig fertig zu werden – all das hat mich so müde gemacht. Wenn unser Körper uns etwas sagt, dann wird es Zeit daraus zu lernen. Unser Wille mag sagen „Das geht schon“ – wenn unser Körper nicht mitzieht, dann ist das jedoch nichts wert.

Frieden schließen

Mir hat das Frieden-schließen mit meinem Tinnitus geholfen. Ihn als Freund zu sehen und zu verstehen, wann und warum er kommt. In lauten Zeiten meditiere ich also mehr, obwohl es gerade dann solche Überwindung kostet. Ich nutze außerdem gerne leise Entspannungsmusik, um in die Ruhe zu finden. Bemühe mich zu lesen und das Smartphone beiseite zu legen. Pausen zu machen. Es nicht „weghaben“ wollen, entspannt mich. Manchmal höre ich ihn gar nicht mehr.

Wie geht es euch? Hat noch jemand einen Ton im Ohr oder habt ihr andere körperliche Symptome, die ihr enträtseln konntet? Ich bin gespannt von euch zu hören. Teilt gerne das, was euch hilft und wie es euch geht im Kommentar – ich freu mich darauf.

Alles Liebe,

Silja

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Wie immer: Über den Lieblingsladen einkaufen! (oder über den Link bestellen, dann profitiere ich ein wenig)

PPS: Das Bild hat die wunderbare Miriam Dierks gemacht. Checkt ihre Seite hier. (Werbung)

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

10 Kommentare

  1. Britta Schmidt 4 Monaten vor

    Liebe Silja, vielen Dank für den wunderbaren Artikel. Mein Tinnitus begleitet mich seit der Geburt meines Sohnes 2001. Auch bei mir ist er in Stresssituation unerträglich laut, während ich ihn im Stall, beim reiten oder auf meinen Runden mit dem Hund überhaupt nicht wahrnehme. Wenn er mich mal wieder richtig auspfeift, versuche ich eine extra Runde mit Paul (dem Hund) einzulegen. Oft hilft das schon. Leider konnte der HNO Arzt nichts feststellen, er meinte ich bräuchte Ruhe… ich habe ja immer noch die Hoffnung das ich eines Morgens aufstehe und nie wieder dieses pfeifen höre.

    • Autor
      Silja 4 Monaten vor

      Liebe Britta,
      danke dir für den Einblick! Und verrückt, dass wir Situationen haben, wo er kaum zu hören ist, oder? Vielleicht hat der Arzt recht? Das Leben zu endschleunigen scheint für einige von uns eine Lebensaufgabe zu sein 😉 – mich eingeschlossen.
      Ich wünsch dir auf jeden Fall viele ruhige Tage und schicke einen lieben Gruß
      Silja

  2. Jessica 4 Monaten vor

    Liebe Silja,

    „alles in mir, darf jetzt da sein. Ich bin bereit es jetzt zu fühlen (…)“ – Meditationen von Robert Betz helfen mir so gut wenn ich hardere. Mit Magenschmerzen (mein Pfeif-Organ, könnte man sagen 😉 ), Ängsten, Unzufriedenheit – oder was auch immer.

    Für mich ist gute Ernährung wichtig, besonders für den Magen. Kleine Portionen – gelingt nicht immer und wird hin- und wieder bestraft. ZUM GLÜCK, sage ich mittlerweile, denn ich würde es Maßlos übertreiben. Mein Körper ist mein Freund geworden und ich bin sehr dankbar, das ich das Glück habe, in mich hineinhören zu können und vorzeitig reagieren kann, wenn es hakt. Ich nicht mehr mit Scheuklappen durch mein Leben laufe, sondern achtsam. 🙂 Diese Erkenntnis hat aber 3-4 Jahre gedauert.

    • Autor
      Silja 4 Monaten vor

      Liebe Jessica,
      ich weiß genau was du meinst – und ja! Geht mir ganz genauso!
      Ich wünsch dir weiter alles Gute für den achtsamen Weg und danke für den Meditationstipp!
      Liebste Grüße
      Silja

  3. Martin Thörmer 4 Monaten vor

    Guten Morgen Silja,

    Morgens nach dem Aufstehen schaue ich gerne auf Deinen Blog. Vielen Dank für Deine vielen wunderbaren Beiträge.

    *Depression*
    Ich habe keinen Tinnitus. Jedoch ging ich im Januar 2017 zum Arzt, da ich mit mir und meinem gefühltem anstrengendem Leben überfordert war. Eine leichte bis mittelschwere Depression wurde festgestellt. Ich begab mich in Therapie, über die ich bis heute sehr dankbar bin.

    *Das Trauma meiner Kindheit | Alkohol in der Familie*
    Richtig bewusst was mit mir los war bzw. warum ich so bin wie ich bin und manchmal nicht aus meiner Haut kann, obwohl ich mich gern anders verhalten würde, wurde mir im Sommer desselben Jahres. Eine Freundin empfahl mir das Buch „Familienkrankheit Alkoholismus – Coabhängigkeit“, da sie von meinem Aufwachsen in alkoholkranker Familie wusste und ebenso ein ähnliches Schicksal teilte. Ich konnte es nicht am Stück durchlesen, es war zu heftig, es zog mir buchstäblich die Socken aus. Schließlich schaffte ich es und heute geht es mir besser als je zuvor.

    Die körperlichen Auswirkungen von psychischen Belastungen sind vielfältig. Auch ich bin nur gerannt und wollte produktiv und nützlich sein. Nur so verstand ich Wert und Liebe. Jahrzehnte langer schlechter Schlaf, Überfutterung und die immer häufigere Betäubung durch Alkohol waren bei mir die Folgen. Vielfältig können auch Gelenk- und andere Körperschmerzen auftauchen.

    *Mein Weg der Genesung*
    Ich verstand Alkoholismus immer mehr als Familienkrankheit und wie sich dies auch auf mehrere Generationen auswirkt. Die Al-Anon Familiengruppen für Angehörige von Alkoholkranken sind ein wesentlicher Bestandteil meiner persönlichen Genesung. Ich habe keine Kontrolle über den Alkoholiker in meinem Leben, ich habe nur Kontrolle über mein eigenes Leben und meine eigene Einstellung.

    Beste Grüße und danke für diesen Artikel über das ‚Nicht-Rennen‘,
    Martin

    • Autor
      Silja 4 Monaten vor

      Lieber Martin,
      Danke dir für deine offenen Worte. Was für ein Weg! Du hast ja schon so viel geschafft. Das finde ich ganz wunderbar. Ich hoffe, dein Kommentar hilft anderen in ähnlichen Situationen.
      Ganz liebe Grüße
      Silja

  4. Christa 4 Monaten vor

    Liebe Silja,

    so oft finde ich mich in deinen Texten sehr persönlich angesprochen , so auch heute. Einen Tinnitus habe ich seit meinem 21. Lebensjahr, eine Schwerhörigkeit bestand schon zuvor (heißt: manchmal höre ich es piepen und sonst nix – da hilft die digitale Hörgerätetechnik inzwischen ganz gut) und schon mehrmals hat mein Körper über gravierende gesundheitliche Einbrüche signalisiert: „Mach mal langsam“. Aber auch ich renne immernoch viel zu oft – anregender, aber anstrengender Beruf in Führungsposition, Familie, Ehrenamt….

    Yogas chitta vrtti nirodhah – Yoga ist das Zurruhebringen der Gedanken im Geist. Das rettet mich. Jeden Tag. Auch ich habe nach und also durch meinem Tinnitus zum Yoga gefunden, das ist nun schon mehr als ein Vierteljahrhundert her. Was für ein Geschenk, so gesehen.

    Liebe Grüße

    Christa

    • Autor
      Silja 4 Monaten vor

      Liebe Christa,
      ja Yoga hilft, oder? Auch nach und nach das Leben ein wenig umzustellen. Ich wünsch dir auf deinem weiteren Weg alles Gute. Pass gut auf dich auf und danke dir fürs hier-vorbei-schauen und deine lieben Worte,
      Silja

  5. Verena 4 Monaten vor

    Liebe Silja,
    ein wirklich toller Artikel. Vielen Dank.
    Auch bei mir kommt es gelegentlich zum Fiepsen im Ohr. Zu meinem Glück genügt es, die Augen zu schließen, alles auszublenden und eine Zeit lang einfach nur tief durchzuatmen, damit das Fiepsen wieder verschwindet.
    Auch ich sehe es wie du als eine freundliche Ermahnung, wieder mehr Ruhe ins Leben zu bringen.

    Es gab Zeiten im Leben, da fiepste es alle paar Tage, da ich mit dem Job, zwei kleinen Kindern, einem depressiven Mann und meinem eigenen Perfektionismus jonglierte. Seit das Yoga aber mehr Platz in meinem Leben hat, die Kinder etwas größer sind und ich mir sagen kann: „Warum muss das heute erledigt werden, die Arbeit läuft ja nicht weg. Sie ist auch morgen noch da.“ werde ich nur etwa einmal im Monat daran erinnert, das Hamsterrad zu verlassen.

    Mein Körper hat noch eine andere Art, mit mir zu sprechen und das ist der Hals. Seit einem Jahr werde ich etwa einmal im Monat mit einer Mandelentzündung beglückt. Um Weihnachten rum sogar im 2-Wochen-Rhytmus. So ganz sicher bin ich mir noch nicht, was genau mein Körper mir damit sagen möchte. Obwohl ich schon viel für mich mache, halte ich mich trotzdem noch sehr oft im unachtsamen Hamsterrad auf. Auch eine Depression in der Familie ist eine enorme Herausforderung. Vielleicht sind es auch Entscheidungen für die Zukunft, die schon lange im Raum stehen und getroffen werden müssen…
    Ich werde mir aber ein Beispiel an dir nehmen und mit mal eine Art Tagebuch machen, um die Halsschmerzen zu analysieren.
    Vielleicht wird dadurch etwas klarer, was mein Körper mir sagen möchte.

    Liebe Grüße,
    Verena

    • Autor
      Silja 4 Monaten vor

      Liebe Verena,
      danke dir für die Offenheit. Es ist schon verrückt, was unser Körper macht oder? Bei Mandelentzündungen muss ich immer gleich ans Halschakra denken. Hast du den Post dazu mal gelesen? Schau hier:
      http://gluecksplanet.com/die-chakra-serie-das-halschakra-wahrheit-klarheit-kommunikation/
      vielleicht klingelt da was? Ich gehe mal davon aus, dass du ärztlichen Rat bereits eingeholt hast und drücke dir die Daumen, dass du bald klarer siehst.
      Ganz liebe Grüße
      Silja

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