Schöne Beine, Kleine – warum Sexismus Sch…. ist

Schöne Beine, Kleine – warum Sexismus Sch…. ist

Schöne Beine, Kleine – warum Sexismus Sch….. ist

Samstag las ich in der Zeitung, dass  Frau Schwesig von der SPD den Sexismus bekämpfen will. Und ich hab so überlegt, wie ist das eigentlich bei mir und dem Sexismus? Wie ist das in dem Umfeld, das ich kenne und in dem ich mich bewege? Eigentlich, müsste man doch meinen, sind wir in Deutschland total weit was Frauenrechte, Frauenförderung, Frauen….wasweißich angeht?

Gar nicht so lange her

Und es stimmt ja, ich kann wählen und konnte meinen Beruf einigermaßen frei aussuchen. Eine Scheidung war gesellschaftlich ok (bis auf die gelegentliche sorgenvolle Anmerkung, dass ich „in meinem Alter“ und „mit zwei Kindern“ eventuell niemand vernünftigen mehr finden könnte). Ich kann sogar alleine eine Wohnung anmieten und darf bis heute ein Konto haben. Dass das hier erwähnenswert ist, ist das eigentliche Drama. Verrückt ist auch, dass wir das noch gar nicht so lange dürfen. Der Slogan „Menschenrechte sind Frauenrechte“ bewarb die Gleichstellung der Frau in den 70er Jahre. Erst seit 1977 gibt es das Partnerschaftsprinzip in der Ehe und keine gesetzlich vorgeschriebene Aufgabenteilung mehr. Say what?? Da war ich sieben und am Horizont glimmte auf, dass ich, zumindest aus Sicht des Gesetzes, später nicht nur Wäsche waschen würde. Dass Frauen und Männer gleichberechtigt, gleich gut, gleich wertig sind, ist also verglichen zu anderen kulturellen Rahmenbedingungen, noch relativ jung – und, nur damit wir uns richtig verstehen, dies ist keine Entschuldigung.

Womit es anfängt

Im Alltag erlebe ich einen ziemlichen Unterschied zwischen Frauen und Männern. Nicht, dass wir nicht unterschiedliche Schwerpunkte haben dürfen, dass wir nicht verschieden sein dürfen- mir geht es eher um die Rechte und den ( ja ich weiß, das Wort macht keinen Spaß) Sexismus im Alltag, denn mit dem fängt es an.

Blöde Witze und komische Komplimente

Bevor es einen Aufschrei gibt: Nein, ich habe keine bleibenden Schäden von den jovial-sexistischen Witzen behalten, bei denen sich meist ein Teil der Herren am Tisch (ein anderer Teil ist erfreulicherweise auch peinlich berührt) auf die Schenkel klopft. Ich bekomme noch nicht mal schlechte Laune, denn sie zeigen mir lediglich mit welcher Brille da jemand durch die Welt geht. Komplimente sind auch interessant, da sie schonmal der Wolf im fröhlichen Schafspelz sind. Ist das schonmal jemandem aufgefallen? Neulich hat ganz harmlos wirkender Mann beim ersten Blick auf meinen Blog gesagt „aha, Sex sells, ja?“ und mich angezwinkert. Er hatte ein Foto von mir in Yogaleggings gesehen und ich hab mich mal wieder gefragt: Im Ernst? Und: Wird das Männern in Joggingleggings auch gesagt?

Was es mit uns macht

Und, liebe Frauen, wir werden gedrillt auf all das. Achtet mal drauf, wie wir manchmal mit kleinen Mädchen sprechen oder sagt ihr kleinen Jungs genauso häufig sie sähen: „echt süß aus“ und das sei „eine wirklich hübsche Hose“? Wenn ich mich dabei erwische denke ich: Och nee, mitten im Klischee. Was nicht heißt, dass keine Komplimente erlaubt sind. Die Frage ist, wohin sie uns erziehen. Wir sollten also den kleinen Mädchen und den kleinen Jungs sagen, dass sie stark und klug sind, dass sie smart und wortgewandt sind, dass sie selbstbewusst und kühn sind – und meinetwegen auch hübsch. Aber das hübsch darf unkonfektioniert sein und unabhängig von Kleidergröße, Haarlänge, Farbwahl. Ob sie aussehen wie kleine Lilliefees oder wie ein Powerranger – wen kümmerts. Kleidung ist Ausdruck der Persönlichkeit und die gehört nicht zurechtgestutzt.

Sich selbst finden und auf den Mist sch……

Und auch wir erwachsenen Frauen sollten uns jeden Tag aufs Neue fragen: Wem will ich eigentlich gefallen? Es gibt Managerseminare für Frauen, da wird geraten möglichst wenig weibliche Kleidung zu tragen und so in der Männerwelt „erfolgreich“ mitzumischen. Im Ernst? Das kanns doch auch nicht sein. Sollten wir nicht lieber wissen, wer wir sind und für was wir stehen?  Ich finde, wir sollten unsere Kühnheit feiern, unseren Intellekt, Mut, unseren Freigeist und unser Talent. Wir sollten tragen, was uns gefällt und was aus unserer ganz individuellen Sicht unsere Persönlichkeit und unseren Geschmack unterstreicht – und auch zum Businesscode unseres Jobs passt meinetwegen. Wenn wir das tun, sind wir dann nicht freier, besser, klarer?

Sexismus im Alltag

sind all diese Witze, die kleinen Bemerkungen und die großen Ungerechtigkeiten. Wenn keine Frau in der Führungsetage sitzt und sich dann gewundert wird, warum keine Lust hat da einzusteigen. Sollte mal eine Frauenquote kommen, dann wird es spannend. Ob es überhaupt die kühnen, tollen, begabten Frauen sind, die Lust haben im Herrenclub mitzuspielen? Nicht, dass die Herren nicht nett wären – verstehen wir uns nicht falsch. Aber will man die sein, die „den Raum erhellt“ oder die, mit der coolen Idee? Haben wir Lust uns in ein Klischee zwängen zu lassen, gegen eins anzukämpfen?

Was ich sehe

sind Frauen, die jung sind und sich verunsichern lassen. Welche, die mich im Coaching fragen, ob ihr Kleidungsstil zu aufreizend sei, weil das ein Chef gesagt hat. Es sind Mädels, die vor anderen als „echter Augapfel“ vorgestellt werden, wobei eigentlich interessant ist, dass sie ihre letzte Fortbildung mit Auszeichnung abgeschlossen haben. Die nicht befördert werden, obwohl sie so gut sind. Ich sehe Mütter, die wenn sie zurück kommen freiwillig nur noch weniger verantwortungsvolle Jobs annehmen und mir erklären „dass man so viel Verantwortung mit Kindern nicht tragen kann“. Ich sehe Talente, die sich klein machen und welche, die keine Lust mehr haben sich beweisen zu müssen. Und ich bin es leid. Und nicht, dass wir uns missverstehen: Ich sehe auch das andere: Männer, die Gleichberechtigung leben und Frauen, die ihr Ding machen – aber in meiner Wahrnehmung sind das noch nicht genug.

Freiheit ist das Recht zu tun, was man will

Dies ist unser Leben. Deins, meins – und wir sollten alles machen können, was wir wollen – egal welches Geschlecht oder welche Hautfarbe, Herkunft, welches Alter oder was auch immer wir haben.

Was frei sein heißt ist eine persönliche Sache

Egal was du tun willst, du solltest es tun können. Für mich heißt das: Ich will meinen Kinder sehen und manchmal den Kleinsten aus der Schule abholen können. Ich will einen verantwortungsvollen Job und trotzdem einen Nachmittag auf dem Spielplatz. Ich will kochen können und meinen Mann zum Essen einladen. Ich will, dass mir eine Tür aufgehalten wird und ich eine aufhalten kann. Ich will eine gute Idee belohnt bekommen, weil es eine gute Idee ist und nicht weil es überraschend frisch ist, wenn einen nette Blondine sie präsentiert. Ich will lachen und weinen dürfen und trotzdem auch tough sein können. Ich will nicht zickig genannt werden, sondern durchsetzungsstark. Ich will keine blauen Anzüge, die mich verkleiden, ich will Kleider tragen können, genauso wie Hosen und zwar ohne, dass das irgendeinen Unterschied macht.

Freiheit ist, wenn wir tun, was wir wollen, solange es niemanden anderem schadet – und zwar ab jetzt.

Von der Freiheit nicht mitzumachen

Darum habe ich hier auch schonmal geschrieben, dass ich glaube ein großer Teil der coolen Frauen macht bewusst eine Antikarriere. Einfach, weil wir es können. Weil wir weder den Präsentismus leben wollen, noch gegen den Quatsch, der da an Klischees und Gedanken in den Köpfen herrscht, ankämpfen möchten – auch das ist Freiheit, für Männer wie für Frauen.

Lass dich nicht anstecken

Nicht mitmachen heißt aber auch all diesen blöden Alltagssexismus zu erkennen und sich von der Gehirnwäsche nicht anstecken zu lassen. All die räkelnden Bikini-Mädels in der Werbung und wir kaufen Anti-Cellulite-Creme. Der nächste Beach-Body ihr Lieben, ist hoffentlich der Body, in dem wir uns wohlfühlen – egal ob Frau oder Mann. Nicht das, was die Werbung uns suggeriert, sondern das, was sich richtig anfühlt. Stark sein vielleicht oder wie auch immer du dich wohl fühlst. Nicht mitzumachen ist wichtig, sonst wird das nichts mit der Freiheit. Und es ist nicht so leicht. Der Mist lauert überall. Jede Zeitung, jeder Werbeclip, jedes Video ist voll davon.

Liebe Herren,

die von euch, die hier lesen und mit all den blöden Witzen und kleinen Bemerkungen nichts am Hut haben: Schaut weiter hin was passiert. Vielleicht bekommt ihr Lust mal was zu sagen – nicht als Retter, aber als Gegengewicht. Macht nicht mit, wenn im Herrenclub über die Attraktivität von Kollegin X gesprochen wird oder dass Kollegin Y seit der Schwangerschaft leider nicht mehr diesen geilen Hintern hat. Stellt euch vor, es würde um eure Mutter/ Schwester/ Tochter gehen. Was würdet ihr wollen? Wie sollte geredet werden? Keine Urteile nur auf Grund von Absatzhöhe oder Lidschattenmenge, keine Vorurteile – das wäre toll.

Gleichberechtigung entsteht da, wo wir keinen Unterschied mehr machen und unsere Andersartigkeit akzeptieren. Egal ob Frau oder Mann, ob hetero oder homosexuell, ob alt oder jung, deutsch oder zugewandert.

Liebe Damen,

wenn wir wollt, dass es aufhört, dann macht auch nicht mit. All das Lästern über die anderen Mädels, der abschätzige Blick auf die roten Nägel von Frau Y und das kurze Röckchen von Frau Z – auch das ist Mist. Was, wenn jede von uns tun dürfte, was sie will? Was wenn wir alle unsere Persönlichkeit frei ausdrücken würden? Was, wenn wir alle genauso, wie wir sind, perfekt wären? Je mehr ihr auf andere schaut und kritisch seid, umso mehr werdet ihr kritisch mit euch selbst sein. Also, umarmt all das, was ihr seid, hört auf perfekt reinpassen zu wollen, strafft die Schultern und fangt an all den kleinen Sexismus unbequem werden zu lassen. Jeden Tag. Reicht den anderen die Hand, statt den Kopf zu schütteln. So beginnt Freiheit, Respekt, Gleichberechtigung.

Es wird Zeit.

Alles Liebe,

Silja

PS: Vor einiger Zeit hat einer meiner Lieblingsblogs DARIADARIA über Sexismus geschrieben – lesenswert und hier zu finden.

PPS: Foto von Fotodesign Martin Giebel

 

 

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

5 Kommentare

  1. Martin 1 Jahr vor

    Bezogen auf den Alltag glaube ich, dass da auch viel selektive Wahrnehmung der Frauen drin steckt. Wer mag, kann sich auch als Mann hervorragend von der Werbung und male models in Unterwäsche unter Druck gesetzt fühlen. Hallo? So sieht man nur aus, wenn man viele Hundert Stunden mit Krafttraining verbracht hat und eine entsprechende Ernährung dies begleitet. Sprüche gibt es von den Frauen genauso wie von Männern. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass sich da Frauen mehr trauen als Männer, weil kaum ein Mann mit so einem Thema zum Betriebsrat oder Chef rennt. Die beschriebene Altherrenclub Mentalität kenne ich aus meiner Firma überhaupt nicht. Ich kann mich nicht erinnern, dass da jemals irgendwo ein Vorgesetzter in 14 Jahren eine unpassende Bemerkung gemacht hätte. Vielleicht habe ich da aber auch einfach Glück gehabt.

    • Autor
      Silja 1 Jahr vor

      Hallo Martin,
      ich glaub wirklich, dass es die verschiedensten Kulturen diesbezüglich gibt. Gut, wenns bei euch anders ist. Ich kenn beides . Merkwürdige Sprüche und genauso guten Support, der sich auf Leistung gründet. Mich frustrierts eher, wenn sich Frauen auf Grund von manchen Strömungen, wie klein oder groß sie sein mögen, so verunsichern lassen.
      Liebe Grüße und bis bald,
      Silja

      • Martin 1 Jahr vor

        Hallo Silja,

        absolut, das ist im wesentlichen eine kulturelle Frage. In einer Umgebung, in der Kunden abfällig behandelt werden, Gesetze gebrochen und die „Wahrheit verlängert“ wird, kommt es fast zwangsläufig zu fehlender Wertschätzung untereinander. Vornehmste Führungsaufgabe ist es genau diesen kulturellen Rahmen zu schaffen und zu etablieren. Blöd nur, wenn das der Führungsetage nicht bewusst – oder schlimmer – egal ist.

        LG
        Martin

  2. Mareike 1 Jahr vor

    Liebe Silja,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Interessant, dass sich bisher lediglich ein Mann zu einem Kommentar hat hinreissen lassen… Wo doch Sexismus und Genderklischees allgegenwärtig sind. Eben gerade hörte ich von einer jungen Kollegin, die sich hat versetzen lassen. Ihr Vorgesetzter hatte ihr mitgeteilt, sie sei unter dem Schreibtisch besser aufgehoben als dahinter. Unfassbar. Auch mir ist schon beim aus der Tür geleiten an den Hintern gefasst worden. Und hier muss ich dem Vor-Kommentator leider widersprechen: es geht hier nicht um Stereotypen und gutes Aussehen. Es geht um sehr viel mehr des täglichen Umgangs miteinander, der mich immer wieder sprachlos macht. Und leider bin ich dann doch nicht schlagfertig genug, um gleich etwas zu sagen. Denn: vielleicht war es doch ein Versehen oder ein falsches Gefühl meinerseits? Doch die Versehen häufen sich im Laufe des Termins und auf dem Heimweg ärgert frau sich. Und darum: vielen Dank Silja für deine Worte!!!
    Liebe Grüße,
    Mareike

    • Autor
      Silja 1 Jahr vor

      Liebe Mareike,

      Danke dir und au weia! Manches geht echt gar nicht. Zeit dass wir was sagen immer wenn’s nervt und uns gegenseitig supporten ?
      Ich schick dir liebe Grüße
      Silja

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