Satya – von der Kunst, wir selbst zu sein

Satya – von der Kunst, wir selbst zu sein

Satya – von der Kunst, wir selbst zu sein

Auf die Frage: „Wer bist du?“ antworten wir meist mit mehr oder weniger klaren Informationen. Wir sagen unseren Namen, vielleicht unser Alter, manchmal unseren Beruf, Familienstand, die Zahl der Kinder oder Krankheiten. Wenn sich das Gespräch intensiviert berichten wir vielleicht noch von ein paar wirklich wichtigen Erfahrungen, positiv oder auch negativ und wie sie uns geformt haben. All das sind wir, scheint uns. Heut geht es in der kleinen Reihe über die Yogasutren um das Zweite der Yamas: Satya rät uns, wir selbst zu sein. Es geht um die Kunst ganz wahrhaftig und aufrichtig durchs Leben zu gehen – und das ist für die meisten von uns gar nicht so leicht.

Gestalter

Was daran liegt, dass wir Gestalter sind. Ob wir uns so fühlen, oder auch nicht. Wir treffen ständig Entscheidungen, bewusst und auch unbewusst, die dann unser Leben bestimmen. Doch noch viel mehr passiert: Dass, was wir täglich tun gestaltet die synaptischen Verbindungen in unserem Kopf. Nervenzellen kommen hinzu, andere sterben ab. Selbst unser Wahrnehmung ist hochgradig subjektiv. Wir sehen, was wir glauben und sorgen auch im Nachhinein dafür, dass die Erfahrungen zu unserem Welt- und Selbstbild passen. Wie also, können wir erkennen, wo wir uns was in die Tasche lügen?

Jenseits der Bilder

Wahre Authentizität liegt hinter all den Etiketten und Erklärungen, die wir über uns und die Welt gesammelt haben. Hinter all dem, was wir nicht so gerne sehen wollen, liegt unser Kern. Satya braucht Mut, denn Wahrhaftigkeit bedeutet ehrlich zu sein – zu allererst zu uns selbst. In dem Moment, wo wir aufhören uns etwas schönzureden, zum Beispiel. Oder der Moment, in dem wir anerkennen, dass wir einen riesigen Fehler gemacht haben. Wenn wir unsere Unsicherheiten anschauen und sie betrachten lernen, ohne sie verstecken oder kompensieren zu wollen – all das ist Satya.

Und der innere Frieden?

Ich finde das ganz schön schwer. Die kleinen Unehrlichkeiten sind meist dazu da, das Leben ein wenig leichter zu machen. Hier eine Notlüge, da ein kleines bisschen Selbst-Betrug und schon ist vermeintlicher Frieden da. Wieso also für Unruhe sorgen? Und doch wissen wir, warum. Nach einer Notlüge fühlen wir uns etwas schal, am nächsten Morgen dämmert meist der Selbstbetrug. Wir erkennen, dass wir nicht im Lot waren. Das Verstecken, unsere eigene Propaganda, die Masken und Rollen engen uns ein.

Der Weg zu uns

lohnt sich so sehr. In den Momenten, in denen wir in Einklang sind und uns trotz all dem annehmen können – in denen kehrt ein anderer Frieden ein. Kein oberflächlicher sondern eine innere Sicherheit. Wir haben einen wunderbaren, glückseligen, perfekten Kern, sagt die Yogaphilosophie. Wir werden nur zu ihm gelangen, wenn wir die Schichten drumherum abtragen. Was halt nicht mit schönreden, übersehen, zudecken klappt. Wohingegen hinschauen, annehmen, transformieren wunderbar funktionieren können. Der Weg zu uns führt  über unsere eigene Wahrheit. Wir sind mehr als all die Etiketten. So viel mehr.

Satya in der Yogapraxis

Hast du beim Üben schon mal ganz bewusst die Realität betrachtet, die du erschaffst? All die Gedanken, die uns durch den Kopf jagen? An welchen wir hängen bleiben? Wie sehr wir bewerten und versuchen reinzupassen? Oder rauszustechen? Die Yogamatte ist ein wunderbarer Ort das Beobachten ohne Bewertung zu üben. Anzuschauen, was da alles hochkommt und was auch nicht. Auch die Ruhe ist wunderbar. Wenn wir sitzen und dieses Chaos durch unseren Kopf jagt, wir atmen und wieder und wieder versuchen in die Stille zu finden. Wie wir uns aushalten lernen. Schau dir an, welche Realität du dir erschaffst – auf der Matte und im Leben. Frag dich: Wo eng ich mich ein und wo fliege ich schon frei?

Satya im Alltag

Nimm dir mehrmals am Tag einen Moment Zeit und schau, ob du im Lot bist. Lebst du deine Wahrheit oder flunkerst du herum, sucht den vermeintlichen „leichten Weg“ und hast dazu auch noch gute Erklärungen? Dann prüf dich: Je näher du deiner eigenen Wahrheit kommst, je mehr du dich traust du selbst zu sehen – mit all deinen Fehlern und all deinem Glanz – umso eher findest du dich wieder. Du kannst damit beginnen Nein zu sagen, wenn du Nein meinst oder den Mund zu halten, statt etwas schönzureden, was du nicht schön findest. Verkneif dir Notlügen, die dir das Leben vereinfachen sollen und werd noch ehrlicher. Und vor allem: Beginn dich selbst anzunehmen wie du bist! Wir sind perfekt – auf unsere eigene Art. Lass all dein Bemühen, all deine Anstrengungen nicht aus einem Gefühl von Mangel kommen. Schau hin wer du bist und beginn zu verstehen, dass du – genau so, wie du bist – immer schon genug bist.

Was für die meisten von uns eine Lebensaufgabe ist. Ich habe hier beim Schreiben wieder gemerkt, wie oft ich immer noch versucht bin, mich zu verstellen. Wie oft ich noch unsicher werde oder es mir einfach leicht machen will. Satya ist ein stetiger Prozess. Ein Ideal, das wir anstreben können. Ich wünsch uns allen ganz viel Kraft dabei und ich denke, wir können uns auf diesem Weg unterstützen. Zum Beispiel in dem wir unsere Andersartigkeiten feiern oder ein Nein nicht mehr persönlich nehmen? Ich bleib dran – und ihr?

Namasté & happy day,

Silja

PS: Das Foto hat die bezaubernde Miriam von Liebäugeln gemacht.

PPS: Mein Lieblingsbuch zum Thema Satya dreht sich um Verletzlichkeit und ist der Klassiker von Brené Brown:

Wie immer gilt: Gerne im Lieblingsladen kaufen! (Über den Link profitiere ich ein wenig. )

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

2 Kommentare

  1. Anne 3 Wochen vor

    Hallo Silja, ich unbedingt auch.
    Gibt es eine Zusammenfassung
    von den Yogasutren? Es sind so spannende Themen, Wege die Du aufzeigst. Und ich höre gerade von vielen Seiten, nur mit dem tägliche Üben komm ich weiter.
    Vielen Dank!

    • Autor
      Silja 3 Wochen vor

      Liebe Anne,
      ich kann dir das Buch ich.bin.jetzt (siehe Buchliste auf der linken Seite verlinkt) empfehlen. Da sind die Sutren sehr gut erklärt. Ansonsten einfach hier weiterlesen 😉 – liebe Grüße
      Silja

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