Jobglück 2.0: Zeit für die Antikarriere ?

Jobglück 2.0: Zeit für die Antikarriere ?

Wie du dein Jobglück findest oder auch:  Die Antikarriere

In den Jahren meiner Berufstätigkeit gab es mehrere Phasen. Sie mündeten in der jetzigen Phase, die ich liebevoll die Antikarriere nenne. Anti deshalb, weil sie das Gegenteil von dem ist, nach dem ich lange gehechelt habe. Ich habe nämlich vor einiger Zeit angefangen nette Vorschläge für den Weg auf „die nächste Stufe“ abzulehnen und, was soll ich sagen, es fühlt sich fabelhaft an. Wenn du also auch manchmal am Hamsterrad des Alltags verzweifelst oder dich fragst, wo dein Weg hingehen soll: Vielleicht hab ich da eine Option für dich. Aber mal von Anfang an – und Achtung  – ich hole bisschen aus: 

Die Phasen meiner Berufstätigkeit

Meine Karriere hat nichts mit steil zu tun und das liegt sicher auch an den Phasen, die ich so alle durchlaufen habe. Angefangen von der Berufsausbildung in der Sparkasse meiner Heimatstadt, die ich bereits an Tag 3 abbrechen wollte. Den Überredungskünsten meiner Eltern ist zu verdanken, dass ich die drei Jahre doch überstanden habe. Es war dann auch eine teilweise sehr lustige Zeit. Befreit von dem Ehrgeiz der Abiturzeit habe ich lustige Comics in der Berufsschule gezeichnet und war auch sonst eher mäßig konzentriert auf das, was mich da acht Stunden am Tag beschäftigt hat. Die Ergebnisse waren entsprechend.

Das Durcheinander in den Zwanzigern

Was folgte, war eine eher lahme Zeit an der Universität mit einem netten Nebenjob und einem Studiengang, der auf meiner Lehre aufbaute. Hm. Frag mich mal einer heute, wieso ich das dann auch noch studieren wollte. Es schien mir damals (und ja, ich schäme mich ein wenig) irgendwie – logisch. Natürlich machte es mir keinen Spaß. Ich saß in BWL, VWL und Recht und fragte mich: Was mache ich hier? Zur Beruhigung meiner Nerven kamen glücklicherweise Sohn 1 gefolgt von Sohn 2 in mein Leben. Ich entdeckte, dass die Idee ein ungeliebtes Studium mit Kindern zu Ende zu bringen, nicht erfolgreich sein kann und vertröstete meinen Tatendrang mit Nebenjobs. Bis Anfang Dreißig eine innere Wende kam und ich das Gefühl hatte: Du musst was machen! Also richtig machen. Es mir nochmal beweisen. Loslegen. Karriere. Und ich fragte mich: Geht das überhaupt? Wer will eine Teilzeitmutti mit abgebrochenem Studium und eher durchschnittlicher Berufsausbildung?

Karriere 1.0

Das ServiceCenter (ok, andere würden hier böse Call Center sagen) einer Bank wollte mich und es passierte etwas Verrücktes: Ich hatte Spaß. Ich mochte das junge Team, die manchmal sehr lustigen Kunden, die flachen Hierarchien und das Tempo. Ich war engagiert und leitete bald Fachschulungen, wurde Führungskraft, begleitete Mitarbeiter. Verantwortung kam und Freiheit auch. Ich durfte entscheiden und gestalten und fing Feuer, wollte mehr, hatte Lust etwas zu bewirken. Ich wollte gute Arbeitsbedingungen schaffen die gute Leistungen ermöglichen. Ich begann parallel zu studieren, diesmal etwas, für das mein Herz brannte: Psychologie. Kein leichtes Unterfangen neben einem Job und mit zwei Kindern, aber dank einem Haufen an Unterstützung in meiner Familie schaffte ich die drei Jahre irgendwie.

Lernen, was Spaß macht

ist was völlig anderes, als sich zum lernen zu zwingen, hab ich dabei festgestellt. Für mich seit dem ein untrüglicher Indikator: Wenn ich mich für etwas wirklich begeistere, dann schaffe ich viel, bin konzentriert, bin mit ganzem Herzen dabei. Das zu spüren, damit hat angefangen, was bis heute wirkt.

Zu tun, wofür man brennt

ist seit dem das, was mich leitet. Ich wechselte den Job, um nur noch beraten und coachen, trainieren und begleiten zu dürfen. Ich begann zu bloggen, eine Coachingausbildung folgte, die Yogalehrerausbildung ebenfalls. Immer dann, wenn ich etwas tue, für das mein Herz schlägt, spüre ich ungeahnte Energie und Begeisterung in mir. Für mich zählt daher nur noch, dass ich das tun kann, wofür ich brenne. Es macht mich einfach glücklich.

Zu wissen, was man nicht will

ist die andere Seite der Medaille. Erfreulicherweise und trotz meines etwas kruden Lebenslaufs werden mir immer wieder Angebote gemacht: Neue Stellen oder gar Beförderungen waren schon dabei. Meine Anti-Karriere hat also richtig Schwung. Und ich sage gerne nein, denn, mehr Verantwortung hört sich erstmal toll an, klar, sie bedeutet meist Fachleute führen, den Einfluss in ein Unternehmen erhöhen, noch mehr bewirken. Aber ich weiß ja nun, was mich glücklich macht und entscheide immer nur noch danach, was ich gerne tue. Und ich weiß, was ich nicht will. Die Machtspiele, die ich in den Herrenclubs der Chefetagen erlebt habe, interessieren mich nicht. Sie rauben mir meine gute Energie, ich will da nicht mitmachen müssen. Ebenso interessiert mich das höher-schneller-weiter nicht mehr, es scheint mir eher absurd.

Lust auch nur noch zu tun, was du wirklich willst?

Mittlerweile überlege ich von Quartal zu Quartal wie und was ich arbeiten will. Was nicht heißt, dass ich meinen Job ständig wechsle. Meine letzte Aktion ist meine Arbeitszeit ein wenig zu kürzen. Ich will mehr Zeit für Familie und Blog, für Projekte und Kinderspielplätze. Wir haben gerechnet und es wird gehen. Ich freu mich. Ja und ich weiß, dass dies luxuriös ist, da ich nicht alleine für das Haushaltseinkommen verantwortlich bin.

Wie es auch immer bei dir aussieht: Ich kann dir empfehlen dein Leben danach auszurichten, was dir Spaß macht. Ob nun eine Antikarriere, in der du einfach die üblichen Schritte verweigerst und stattdessen tust und lernst, wonach dir der Sinn steht oder ob du die Schritte gehst, wenn sie zu dir passen: Was du dabei brauchen kannst, ist ein inneres Gefühl von Unabhängigkeit, ein Gefühl von Freiheit und Autonomie, egal ob du angestellt bist oder selbstständig.

„Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit aber ist der Mut.“

wusste schon Perikles. Ja, Mut braucht man, um ein wenig so zu leben, wie man will. Mir hat unter anderem geholfen das Ego ausschalten zu können und mich von Dienstwagen, dicken Bezügen und Titeln nicht locken zu lassen. Einen Moment kitzelt es immer und ich seh mich im Eckbüro sitzen und dann – ist es vorbei. Ich weiß, dies wird mir kein Glück bringen. Vielleicht würden meine Autos dicker und meine Urlaubsreisen luxuriöser, aber brauchen wir das für unser Glück? Ich würde meinen Jüngsten kaum sehen und hätte noch weniger Zeit für die Yogastunden und die Bücher, für diesen Blog und das ersehnte Faulenzen wäre noch weiter weg.

Die Frage des Tages ist also: Was brauchst du für dein Glück? Wahrscheinlich ist es, wie bei den meisten von uns, sowas wie Aufgaben, die Sinn geben und die du liebst und Themen, die dich interessieren und für die du brennst. Ein wenig Handlungsfreiraum, Anerkennung, Gestaltungskraft gehören oft auch dazu. Mit all dem kommt das Jobglück. Dazu brauchen wir den Mut nein zu sagen, um dann, mit der Freiheit die entsteht, ganz alleine entscheiden zu können wie es weitergeht.

Bei dir, bei mir – ich bin gespannt,

Silja

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

7 Kommentare

  1. Lothar 2 Jahren vor

    Im Grunde ist es eine Lebenseinstellung, denn ich habe immer gemacht, woran ich Freude hatte und das geht auch um Karriere zu machen, Nur drehe es einfach um, tue es weil du es gerne tust. Ich habe mir die Frage, ob ich es mit Freude machen kann immer vorher gestellt, denn es ist nicht so entscheidend, was du tust, sondern viel mehr – wie du es tust!

    Denn, darum werden dich die Menschen beneiden!

    • Autor
      Silja 2 Jahren vor

      Hallo Lothar,
      wie toll, dass du den Mut hattest, dich von Anfang an daran auszurichten. Ich hab da echt ein bisschen gebraucht. Aber ja, es ist das was zählt: Wie viel Freude wir haben. Ich bin dann nicht nur motivierter sondern auch besser hab ich das Gefühl.
      Liebe Grüße
      Silja

  2. Katrin 2 Jahren vor

    Hallo Silja,
    danke für diesen Artikel. Auch ich habe eine totale Antikarriere gemacht und einen Lebenslauf, von dem ich dachte, naja, damit kommst du auf keinen grünen Zweig mehr. Bleibt also nur die Selbstständigkeit…. Was dann auch nicht soooo einfach ist, denn die Kunden kommen erstmal nicht automatisch. Aber ich brenne für das was ich tue. Ich bin Familien- und Hochzeitsfotografin und es macht mir total viel Spass.
    Und ich erkannte, ja, Spass ist das eine, finanzielle Sicherheit und Spielraum das andere. Ich habe 4 Kinder (und einen tollen Mann) und immer nur rechnen müssen geht dies noch, können wir uns das noch leisten??? Ich entschied mich also vor 2 Wochen es wieder in meinem Beruf als Altenpflegerin zu versuchen, aber zu MEINEN Bedingungen. Denn nach vielen Jahren in der Pflege (und vorher hatte ich schon eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen) weiß ich sehr genau was mir Spass macht und was nicht. Und jetzt habe ich einen Job bekommen, von dem ich kaum zu träumen wagte. In einer renommierten privaten Rehaklinik auf der Intensivstation. All mein Fachwissen und meine Neugier auf medizinisches Wissen kann ich dort einbringen. Und das, obwohl ich keine Krankenschwester bin, was mich im Kopf immer blockiert hat…. Und im Gespräch ergab sich noch eine zweite Chance für mich. Nämlich vielleicht sogar im nächsten Jahr als Teamleitung anzufangen und dann selbst für meine Region Bewerbungsgespräche zu führen und mit Kunden zu verhandeln.
    Warum? Weil ich so ruhig und seriös auf den Chef wirkte, der meinen Lebenslauf garnicht so schlimm fand.
    Und meine 2. Leidenschaft lebe ich nebenbei weiter. So wie es in mein Leben passt. Denn für Fotos kann ich die Termine ja so legen wie es passt. Ich muss also auf nix verzichten… Alles ist wunderbar geworden. Und ich hätte sogar noch bei 3 weiteren Arbeitgebern mich vorstellen können.
    Das hat mir gezeigt, wenn sich einer im Kopf blockiert, (mich will keiner) dann nur ich selbst.

    Und ganz nebenbei, meine wichtige Zeit für mich selbst, habe ich auch noch 🙂 Weil ich die Stelle auf der Intensiv zu MEINEN Bedingungen bekommen habe und so immer 3 Tage die Woche komplett frei habe. Geht doch.

    Dir alles gute weiterhin.
    Liebe Grüsse
    Katrin

  3. Autor
    Silja 2 Jahren vor

    Liebe Katrin,
    danke dir fürs Teilen deiner Geschichte und herzlichen Glückwunsch. Das sind ja super Neuigkeiten! Wie toll, ich freu mich sehr für dich. Alles wird gut, da sieht man es wieder.
    Hab eine gute Zeit und bis bald,
    Silja

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  1. […] habe ich hier auch schonmal geschrieben, dass ich glaube ein großer Teil der coolen Frauen macht bewusst eine […]

  2. […] wieder lange da sind – dann such dir eine neue Firma oder entscheide dich bewusst für eine Antikarriere. Das Leben ist kurz, besser du achtest gut auf […]

  3. […] musste tief seufzen. Wofür wir uns auch immer entscheiden, welche Wochenstundenzahl, Karriere oder Antikarriere, selbstständig oder angestellt -wichtig ist, dass wir das Leben so leben, wie wir es uns […]

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