Individuelles Yoga – wie deine Praxis DEINE Praxis wird

Individuelles Yoga – wie deine Praxis DEINE Praxis wird

Individuelles Yoga – wie deine Praxis DEINE Praxis wird

Immer, wenn mich wider Erwarten nach der Yogapraxis ein kleines Ziehen im Rücken plagt oder ich nicht so glücklich und inspiriert von der Matte komme, denke ich: Es wird Zeit einen Schritt zurück zu treten und zu schauen, was ich hier tue. Eine gesunde Yogapraxis, individuell und auf meine Tagesbedürfnisse abgestimmt, ist ein Geschenk und gleichzeitig auch ein Weg für mich. Denn manchmal schleicht sich bei mir ein „das muss doch gehen!“ ein und der Leistungsgedanke macht sich breit oder ich höre nicht auf meinen Körper und bin einfach nicht so nah bei mir. Manchmal wiederum bin ich auch einfach nur abgelenkt und linse auf mein Handy.  Falls du das auch kennst und dir eine Praxis wünschst, die deiner Tagesform ganz entspricht, dann helfen dir vielleicht heute meine Lieblingstipps für ganz individuelles Yoga. Bei mir zeigen sie Wirkung – auch wenn es ein Prozess bleibt.

Mach was, tu was, schaff was

Zuerst gilt es dem Leistungsgedanken den Garaus zu machen. Dabei leben wir in einer Leistungsgesellschaft. Auch wenn der Trend nach Langsamkeit schon ganze Magazine erreicht hat (ich mag die Emotion Slow ja sehr gerne), regiert uns an manchen Tagen schlicht der To Do Zettel anstelle unserer inneren Stimme. Wie sehr ich mich selbst immer noch ein ganzes Stück über meine Leistung definiere, merke ich immer, wenn ich echt krank bin. Meine Güte, da hab ich vielleicht schlechte Laune und das nur weil ich gefühlt „nichts schaffe“. Zum Glück kriege ich diese bescheuerten Gedanken schnell wieder in den Griff! Was aber bleibt ist das Bewusstsein, dass hier eine Kraft in mir (mit-) herrscht, die mir nicht immer gut tut.

Leistungsyoga?

Dass ich auch bei meinem geliebten Yoga zu einem Leistungsfokus neige, habe ich in meinem ersten intensiven Ashtanga-Jahr gemerkt. Anfangs hat mich die klare Reihenfolge, diese feste Serie geerdet und mir jeden Tag gezeigt, was mit mir los ist. Doch mehr und mehr schlich sich ein „Wann kann ich das?“ ein und ich hatte Lust „endlich“ diese ganzen Asanas, die Kino immer turnt, auch mal nachturnen zu können. Der Leistungsgedanke hatte mich voll erwischt und ich fühlte es deutlich: Er tat mir überhaupt nicht gut. Er sorgte für Bewertungen statt Frieden und für eine ungesunde Intensität obendrein.

Das Feld wechseln und neu starten

war meine Medizin. Ich begann mich auf andere Yogaformen einzulassen: Langsames Yoga, dynamisches Yoga, Vinyasa Flow, Anusara – es gibt so viele Richtungen da draußen, so viele Menschen die üben – der Horizont ist unglaublich weit. Das hat mich umgehauen und glücklich gemacht. Die Vielfalt zu erkennen war außerdem mein erster Schritt zu einer heilsameren, individuellen Praxis. Ich dachte mir: Wenn es es so viel Verschiedenes gibt und alles irgendwie toll ist –  dann sollte ich nur noch das tun, was sich für mich gut anfühlt und mich aus dieser Vielfalt bedienen.

Fünf Schritte für individuelles Yoga und eine ganz eigene, wunderbare Praxis

Bist du bereit, deine eigene Praxis vom Leistungsvirus zu befreien? Dich mit mehr Genuss zu bewegen? Dein Ding zu machen? Dann wird es Zeit für ein paar entscheidende Schritte:

1.) Hab deine Haltung klar und pfeif auf die Regeln!

Was ist das, was dich am Yoga fasziniert? Was ist der Grund für dein Üben? Dein Ziel?

Um deine eigene Praxis zu definieren, ist ein Zugang zu deinen Sehnsüchten wunderbar. Wenn du klar hast, was Yoga für dich ist, dann wird auch klar, wo es hingehen wird. Pfeif auf das, was dir nicht gut tut und sich nicht gut anfühlt. Genau das ist auch Ahimsa, die viel gepriesene  Gewaltfreiheit. Wenn wir unsere Absicht und Intention klar haben und unsere Grenzen respektieren wird unsere Yogapraxis noch mehr unsere Praxis, was auch immer das bedeutet. Für mich wurde Yoga ein Weg zu mir selbst. Es wurde ein schonungsloser und doch liebevoller Spiegel, von dem was bei mir los ist. Es ist meine tägliche Übung, Lebenseinstellung und Leidenschaft. Yoga kann so vieles sein. Hab deine Haltung klar und verstehe was du brauchst, wenn du auf die Matte gehst, das alleine tut schon so gut.

2.) Fühlen – nicht nur tun

Bis ich gelernt habe in mich hinein zu fühlen, ist ebenfalls ordentlich Zeit vergangen. Ich musste lernen die Pausen auszuhalten, um zu verstehen, was da los ist, wenn ich praktiziere. Aushalten ist nicht so leicht. Da kommt man sich selber näher.

In dieser Pause zwischen Aus- und Einatmung zum Beispiel oder der Pause zwischen Asana und Asana.

Wenn ich alleine für mich übe und kein Video abspielen lasse, dann muss ich manchmal innehalten und überlegen: Was ist gerade los? Und dann: Was wäre jetzt schön zu tun? Gut für mich? Für Seele und Körper?  So entsteht eine Abfolge aus Asanas, die ich gerade auf irgendeine Art zu brauchen scheine. Mittlerweile nehme ich das Prinzip mit in den Alltag: Mehr fühlen statt tun. Keine schlechte Idee.

3.) Let the Ego go

Ja, das ist ein hohes Ziel und nein, klappt bei mir noch überhaupt nicht. Ich finde schick, wenn einen Moment lang der Handstand klappt und ich freu mich auch, wenn ich in irgendeinem Asana „mehr“ schaffe als beim letzten Mal. Ich fürchte all diese Freude ist nicht nur da, weil es sich gut anfühlt. Sie ist auch da, weil ich stolz bin – Egoalarm sozusagen. Ich melde daher: Leistung  ist noch nicht von Yoga getrennt. Also nicht vollständig, aber ich bin auf dem Weg! Echt jetzt. Manchmal, da kann ich all das Egozeug mit Leichtigkeit ziehen lassen. Dann kann ich über mich lachen, unperfekt sein. Eigentlich ist es so einfach: Es geht nie darum, was für ein Asana wir schaffen oder wie es aussieht. Es geht immer nur darum, wie es sich anfühlt, wie gut es uns und unserem Körper tut und wie gut uns der Prozess bis hierhin getan hat. Der Weg ist das Ziel, wusste meine schlaue Oma schon. Also, wenn du kannst, beobachte dich und dein Ego. Auch das hilft im Alltag! Plötzlich merke ich meine Eitelkeit, meinen Stolz, meine Scham und all das Zeug – und kann mich entscheiden einen anderen Weg zu gehen.

4.) Eine Schnellstraße in deine Gefühlswelt nutzen

Bei mir ist das eine Playliste, die genau zu diesem Morgen passt zum Beispiel. Dann kann ich mich bewegen, die Musik fühlen und mich tragen lassen. Ich spüre, wie sich Traurigkeit oder Wut oder was auch immer manchmal da ist erst kurz verstärkt, um dann zu verschwinden. Musik kann eine tolle Hilfe sein, ebenso wie Augen schließen finde ich. Den ersten Sonnengruß mache ich morgens oft mit geschlossenen Augen. Langsam und mit dem Fokus im Innen. Ich spüre dann sofort, was los ist und wonach mir ist.

5.) Geduld und Selbstliebe

Liebst du deine Praxis? Das was du kannst und nicht kannst? Deinen Körper mit all seinen kleinen Steifheiten und vielleicht auch seinen Wehwehchen? Den Dellen und Polstern und Muskeln? Kannst du all das annehmen? Unser Körper ist einzigartig und nicht immer gefällt uns das. Für Yoga aber brauchen wir Akzeptanz. Damit das Ego draußen bleiben kann und das Innen zählt, müssen wir lernen uns über das zu freuen, was geht. Müssen lernen den Weg irgendwohin als kostbaren Weg zu sehen.  Selbstliebe und Geduld sind eine tolle Basis.

Du bist du

Hast Lust bekommen noch individueller zu üben oder machst du das schon? Vielleicht hast du eigene Tipps, die du mit uns teilen kannst? Wenn du auch noch auf dem Weg bist, dann kann ich dir von ganzen Herzen raten:  Mach dich frei von all den Regeln und Vorschriften und hör auf dich. Vertrau deinem Körper und respektier deine Stimmungen! Wir sind alle unterschiedlich, wie könnte unsere Praxis da dieselbe sein? Unsere Individualität zu umarmen, zu feiern und mit einer passenden Praxis zu belohnen, tut richtig gut. Du bist du. Freu dich an deiner Einzigartigkeit.

Ich wünsch dir viel Spaß dabei, alles Liebe

Silja

PS: Demnächst gibts für alle, die sich zwar Freiheit aber ein Grundgerüst beim Yoga wünschen, das grobe Schema meiner Yogastunden und Home-Praxis. Stay tuned 🙂

PPS: Zum Thema individuelles Yoga bietet sich ja das kleine, aber feine Buch von Tara Stiles an – mit dem Motto: Mach dir deine eigenen Regeln!  Info für euch: Wenn ihr es nicht zum Buchladen um die Ecke schafft und über den Link bestellt, dann profitiere ich ein wenig.

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

6 Kommentare

  1. Gabi 1 Jahr vor

    Ach Silja, wie sehr ich gerade diesen Artikel genießen konnte. Stehe gerade an der Kreuzung GIB auf was Nicht gut tut und mach das was Dich glücklich macht( Ashtanga vrs. Sriram) und denke dauernd es ist nicht genug.. Und alles wird wieder schlapp. Selbst wenn der Körper streikt, weiter machen . Das sind die alten Muster. Ja der Weg auf die andere Straße ist gemacht und genau jetzt werden mir meine Muster um so bewusster und deshalb ist der LEICHTERE Weg gleichwohl herausfordernder?.. Dieses Muster ist tief in mir. Ich fange es an zu wertschätzen als meinen Ratgeber. Wenn ich ihn mal wieder ignoriere bekomme ich schnell vom Körper den Hinweis. Und trotzdem gibt es noch das Gefühl des Suchens nach dem „Richtigen“ .. Werde deinen Artikel jetzt noch ein paar mal lesen . Er scheint mich gerade sehr weiter zu bringen. Danke Dir

    • Autor
      Silja 1 Jahr vor

      Hallo liebe Gabi,
      oh das kenne ich! Danke dir für deine Worte und sehr gerne geschehen.
      Schau mal, ob du rausfindest, wo das Muster herkommt und was du damals gebraucht hättest. Vielleicht so ein Wissen, dass wir alle schon gut sind, so wie wir sind und dass Anstrengung nicht = gut ist. Dein Körper ist jedenfalls ein Top-Ratgeber würde ich sagen 🙂
      und drück dich.
      Bis bald,
      Silja

  2. Jessica 1 Jahr vor

    Guten Morgen, ein toller Beitrag.

    Ich bin gebeutelt mit einer starken Skoliose (spitzen Bogen 44 Grad) und Dank Yoga, weitesgehend Schmerzfrei 🙂 aber: ich bin auch der Typ „viel hilft viel“ – also fleissig gedehnt, tief in Übungen rein, eine Anatomie ist aber völlig anders und nichts an Ort und Stelle 😉 so das ich seit einem Jahr mit einer überlasteten Schuler rum mache. *seufz* 🙂

    • Autor
      Silja 1 Jahr vor

      Hallo liebe Jessica,
      ach das ist blöd und zeigt wieder, wie gut wir auf uns hören müssen. Hoffe deiner Schulter gehts bald wieder besser und drück dich!
      Liebe Grüße
      Silja

  3. Jan 1 Jahr vor

    Hallo Silja,

    vielen Dank für diesen Artikel. Der erste Punkt pfeif auf die Regeln (von anderen), da Yoga ein Weg zu sich selbst ist, gefällt mir besonders gut. Die Pausen auszuhalten ist auch gar nicht so einfach. Die Erklärung, dass dies so schwer ist, weil man sich da selber näher kommt, werde ich in meinen Kursen bestimmt mal verwenden.

    Liebe Grüße
    Jan

    • Autor
      Silja 1 Jahr vor

      Hi Jan,
      danke dir – ich freu mich 🙂
      hab einen schönen Tag und liebe Grüße
      Silja

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