Hängerjahr – eine Auszeit nehmen, um klar zu sehen

Hängerjahr – eine Auszeit nehmen, um klar zu sehen

Hängerjahr – wie eine Auszeit helfen kann klarer zu sehen

 

Heute schreibt Nina über das Glück und wie sie ihren Weg durch ein „Hängerjahr“ finden konnte. Manchmal ist eine Pause oder Auszeit einfach gut, um klarer zu sehen. Aber lest selbst:

Was du wirklich willst

Wer kennt dieses Gefühl nicht: Du sitzt im Unterricht und weißt genau, dass es wichtig wäre dem Lehrer zu folgen, aber irgendwie ist die Konzentration einfach nicht zu halten!? Mir ging es in meiner Schulzeit oft so – besonders während der Abivorbereitungsphase. Du schaust den Lehrer an und ermahnst Dich selber mit Gedankensätzen wie „ Es geht um Deine Zukunft“, „Lass Dich jetzt nicht so gehen“ oder „ Nicht mehr lange, dann ist es geschafft, einfach durchhalten.“ Das schwierige dabei ist nur, die Stimme zu ignorieren, die Dir sagt: „ Wozu wirst du in deinem Leben noch einmal die dritte Ableitung einer e-Funktion brauchen??“ oder „ Metren sind ja schön und gut, aber sowas wie Daktylus und Trochäus interessiert heutzutage doch niemanden mehr!“

Ich bin irgendwann an den Punkt gekommen, wo ich mich damit abgefunden habe, dass der in der Schule gelehrte Stoff nicht unbedingt als oberste Bedingung der Notwendigkeit und Nützlichkeit für das spätere Leben unterliegt, sondern vornehmlich in dem Buch „ Das muss MAN heute wissen“ oder wahrscheinlich viel mehr „ Das muss MAN heute mal gewusst haben“ steht. Aber obwohl ich seitdem ich die Schule verlassen habe nicht im entferntesten ein Gedicht auf Englisch analysiert habe oder mich mit jemandem über die allopatrische Artbildung unterhalten konnte, so bin ich doch irgendwie froh, von all dem einmal gehört zu haben.

Fragen über Fragen

Vermutlich hat mich diese Einstellung durch die Schule gebracht und letzten Endes konnte ich sie so auch mit einem ziemlich guten Ergebnis verlassen. Doch spätestens als ich die Abitururkunde in den Händen hielt, wurden mir Fragen gestellt wie: „ Weißt Du schon was Du studieren möchtest?“ , „Was planst Du jetzt mit Deinem Leben?“ oder der mir am meisten verhasste Satz: „Was möchtest Du jetzt werden?“. Entgegen all der großen Erwartungen, die an mich gelegt worden waren, kam von mir als Antwort: „ Nichts! Ich werde erstmal weder studieren, noch eine Ausbildung machen, nicht ins Ausland gehen und auch kein Freiwilliges Soziales Jahr machen!“. Sprachlosigkeit in den Gesichtern der Fragenden. Ja, ich habe mich dazu entschieden erstmal kein produktives Gesellschaftsmitglied zu sein, sondern ein Jahr lang neben arbeiten ein wenig die Seele baumeln zu lassen, den Kopf zu leeren und mir darüber klar zu werden, was ich für mich und mein Leben möchte.

So fing dann also an, was ich liebevoll „mein Hängerjahr“ taufte.

Doch entgegen des äußerlichen Scheins war dieses Jahr keineswegs eine Zeit- oder Möglichkeitenverschwendung, denn ich muss sagen, dass ich nach der Schule das Gefühl hatte, den Kopf einfach zu voll zu haben – voll zu haben mit Dingen, die ich für mein Leben nicht brauche. Damit möchte ich keineswegs sagen, dass man in der Schule nur Unnötigkeit lernt, aber oftmals ist es einfach ein universell auf jedes Kind gedrückter Unterrichtsstoff, der sich nur wenig durch die eigenen Interessen oder die eigene Individualität formen lässt. Deshalb hatte ich es zuletzt satt, mich von einem Menschen über etwas belehren zu lassen, was zwar durchweg interessant sein kann, aber einfach nicht zu meinem Leben passt.
Mein “Hängerjahr“ wurden mir so zur größten Freude, denn auch wenn es paradox klingt, ich merkte von Tag zu Tag wie sich all das Wissen aus meinem Kopf verabschiedete, was mich nicht interessierte. Zurückgeblieben ist dann nur, wofür mein inneres Feuer brennt und so konnte ich nach einer gewissen Zeit eine klare Stimme vernehmen, die mir immer deutlicher zuflüsterte, was ich mit meinem Leben anfangen möchte. Studiumstechnisch weiß ich jetzt, wo es für mich hingehen soll und das Lustige ist, dass ich es nach meinem “Hängerjahr“ kaum noch erwarten kann, vor einer Lehrperson zu sitzen, in einem Hörsaal Notizen mitzuschreiben und einfach neuen Input zu bekommen.

Warum ein “Hängerjahr“ gut ist

Wenn Du an Dir oder Du an Deinem Kind also merkst, dass der weitere Lebensweg noch nicht klar vor Augen liegt oder der Kopf einfach zu voll ist und brummt oder man einfach noch etwas Zeit braucht, um sich über seine Wünsche klar zu werden, so kann ich jedem Schüler nur ans Herz legen, ein “Hängerjahr“ nach seinen Vorstellungen zu beginnen und die Eltern möchte ich dazu ermutigen, ihr Kind darin zu unterstützen. Denn entgegen meiner obigen Aussage, man sei vorerst kein produktives Gesellschaftsmitglied, möchte ich nun sagen: wir dienen der Welt am meisten, wenn wir etwas mit Hingabe und echtem Interesse tun und da manche von uns vielleicht etwas länger brauchen, um diese Attribute zu finden, sind wir die vorbildlichsten Gesellschaftsmitglieder, wenn wir uns die Zeit nehmen, das zu entdecken, was wir unser ganzes Leben lang mit Freude tun könnten.

Ein guter Rat

Also liebe Eltern, macht euch bitte keine Sorgen, wenn euer Kind nicht direkt eine Karriere starten möchte oder kann, denn die Besorgnis, die hinter der Frage „ Was möchtest Du werden?“ steckt, ist komplett unbegründet: unabhängig davon welchen Berufsweg man wählt, man braucht nichts zu werden, weil man schon etwas ist- und sei es “nur“ ein lebender Mensch mit viel Potenzial.

Viele Grüße,

Nina

PS: Dieser Artikel wurde von Nina geschrieben, mit der ich in einem fabelhaften Restaurant über ihre persönliche Auszeit ins Gespräch gekommen bin. Als Mutter eines 18 jährigen, den ich ständig mit der Frage „Was willst du werden?“ nerve, war es beruhigend für mich zu hören, wie positiv eine Auszeit wirken kann.  Und : Nina hat ihr Hängerjahr genossen. Nun ist sie 20 Jahre alt und freut sie sich auf den Oktober, denn dann fängt ihr Deutschstudium an. Neben ihrer Arbeit als Kellnerin ließt sie mit Freuden alte Bücher und besucht Poetry-Slams, denn sie liebt das Spiel mit der Sprache und die Kraft der Worte.

Nina Hängerjahr

Und wer wissen will, was das für ein Kalender auf dem Bild ist: Es ist das Daily Greatness  Yoga Journal – zu bekommen hier:

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

3 Kommentare

  1. Sabine 1 Jahr vor

    Liebe Nina, vielen Dank für deinen tollen Artikel! Ich bin zwar raus aus dem Alter aber ich finde es sehr wichtig, dass sich junge Menschen eine Auzeit zu Orientierung nehmen. Meine eigentliche Frage ist: Was ist das für ein toller Kalender???

    • Autor
      Silja 1 Jahr vor

      Hallo Sabine,
      danke dir für dein Feedback und ich war gleich fleißig – recht hast du: Den Link zum tollen Daily Greatness Yoga Journal siehst du oben. Ich mag es sehr. Liebe Grüße
      Silja

  2. Frank 1 Jahr vor

    Hallo Nina,
    so sieht bzw. liest man sich wieder ;o). Ein toller Artikel!! Es sollten sich viel mehr Menschen die richtigen Gedanken zur richtigen Zeit machen, genau wie du es getan hast.
    Viele Grüße und weiterhin alles Gute auf deinem Weg!
    Frank

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