Graue Haare rauswachsen lassen – ein Zwischenfazit

Graue Haare rauswachsen lassen – ein Zwischenfazit

Graue Haare rauswachsen lassen- ein Zwischenfazit

Ich kann wirklich nicht glauben, dass es nun schon ein Jahr her sein soll, als ich zum letzten Mal beim Frisör saß – mit einer Masse an Chemie auf der Kopfhaut. Es juckte und brannte ein wenig, es wurde gekurt und gebürstet, bevor ich meinen frisch erblondeten Kopf wieder an die Luft stecken durfte. Ich mochte meine blonden Haare sehr. Die Entscheidung grau zu werden, war also ein bisschen ein Prozess – nach über 20 Jahren stetigen färbens. Meine ersten Erfahrungen mit einem ungefärbten Ansatz findest du hier  und  hier. Heute gibts ein weiteres Zwischenfazit. Ein Jahr graue Haare rauswachsen lassen macht was mit mir – und zwischendurch hadere ich ganz schön.

Wie es aussieht

Nun, generell kann ich sagen: Es gibt gute und nicht so gute Tage – wie das immer schon bei mir war. Irgendwie hängt die Art meiner Selbstwahrnehmung zum großen Teil von meiner Stimmung und meinem Tagesablauf ab. An gehetzten, unausgeschlafenen Tagen kommt mir mein Haar (ach, was sag ich, mein ganzes Ich) irgendwie müde und schlapp vor. Kritisch beäuge ich dann den Farbunterschied und seufze, weil mir die Rauswachserei einfach nicht schnell genug geht. An guten Tagen scheinen mir die silbernen Strähnen elfenhaft und ich fühle mich im Lot mit dem, was da auf meinem Kopf los ist. All das sind kurze Momente, denn die meiste Zeit hab ich irgendwie anderes zu tun, als über die Veränderungen einer Haarfarbe nachzudenken.

Zum Glück

möchte ich kurz ausrufen, denn immer,  wenn ich beginne mich in den Oberflächlichkeiten der Koordinaten meines Aussehens zu verlieren, fühle ich mich meist schlechter als vorher. Automatisch vergleiche ich mich mit Hinz und Kunz, was in dieser verrückten Welt voller photogeshoppter Bilder keine gute Idee ist. Ansonsten mag ich mich schon ganz gerne, bin jedoch ein wenig genervt vom ewig dauernden Übergang.

Mein Umfeld

Und während ich mich dann manchmal so frage, wie alt ich wirken will und ob Grau mich irgendwie fahler wirken lässt, beantwortet mir mein Umfeld ungefragt weiter so einiges. Es bleibt mir, möchte ich an dieser Stelle kurz verlauten lassen, immer noch ein Rätsel, wieso Menschen, denen mein Äußeres eigentlich ziemlich egal sein sollte, ihre Gedanken mit mir teilen müssen. War übrigens schon in den Schwangerschaften so. Der gemeinere Teil meines Ichs hatte damals große Lust jenen Kollegen, die sich so lautstark Gedanken zu meiner wachsenden Leibesmitte machten, mit fröhlichen Kommentaren zu ihrem Fitnessgrat, Haarausfall, oder ähnlichem zu begegnen. Meine gute Erziehung hat das allerdings verboten. Schade eigentlich. Heute bin ich gelassener und kann bei Fragen wie „Machst du jetzt so ganz auf Öko?“, „Ist schon sehr weiß, oder?“ oder „Willst du das wirklich durchziehen?“ einigermaßen entspannt lächeln.

Die Eichhörnchen – Sache

Wobei mir die Eichhörnchen-Sache einfällt. In einem Seminar habe ich mal gelernt, dass alles, was mich an Kritik oder Gedanken wirklich trifft – also in mir etwas anrührt -auch etwas mit mir zu tun haben muss. Denn, sagt uns jemand „Du bist ein Eichhörnchen“ haben wir hierzu (sehr wahrscheinlich) keine starken Emotionen. Wir reagieren nicht. Zum Eichhörnchen gibt es bei den meisten keine Erinnerungen, keinen inneren Dialog, keine Meinung. Zum Altwerden, zur Konfektionsgröße, zum Karriere machen oder gar egoistisch sein (setz was für dich passt ein) schon. Was also in uns reagiert, ist die eigene Geschichte rund um das Thema. Kurz gesagt: Je mehr im Reinen ich mit mir bin, desto weniger fuchst mich, was andere zum wachsenden Grau zu sagen haben.

Entspannt Grau werden

Statt einem kleinen Ansatz habe ich nun ein ganzes Stück Grau auf dem Kopf und bleibe weiter dran. Ich mag, wie weich mein Haar sich hier anfasst und wie gesund es ist. Die Farbe ist auch schön. Nach all dem Färben bin ich immer noch überrascht, wie dunkel meine noch nicht ergrauten Haare nachwachsen. Verrückt, dass ich das nicht mehr wusste. Für meine innere Entspannung brauche ich regelmäßige Schnitte und sammele wie verrückt Kurzhaar-frisuren Bilder auf meinen Pinterest-Pinnwänden. Ob ich jemals zurück zum Kurzhaar gehe, weiß ich noch gar nicht. Aber irgendwie beruhigt mich die Sammlung.

Pflege

Bevor ich jedoch über radikale Schnitte nachdenke, mal was zur Pflege: Ich arbeite  nun seit einiger Zeit zweiteilig. Die unteren, noch blondierten Haare bekommen zwischendurch eine Kur, um nicht total störrisch zu werden. Das ganze Haupt wiederum wird in Silberspülung (s.u.) getaucht. Sie verhindert, dass mein Grau gelblich wirkt und gleicht die Farbunterschiede ein wenig an. Der unblondierte Ansatz fettet schneller als vorher nach, worum ich mich kümmern will, wenn alles Blond den Kopf verlassen hat. Momentan bedeutet es einfach das Gegenteil des No Poo Versuchs: Ich wasche jeden zweiten Tag.

Haare und Glück

An den müden Tagen bin ich meine Zweifel leid. Ich würde so gern immer selbstbewusst aus der Wäsche schauen und fest im Sattel meines Stilbewusstseins sitzen. Ich würde meine Haare, Frisuren, Figuren, Klamotten gern immer gut finden. Tu ich aber nicht. Es ist mein ein Ja/Nein-Wechsel. An den oberflächlich selbstkritischen Tagen erinnere ich mich dann schnell daran, dass mein Glück bisher nie (wieso auch?) etwas mit meinen Haaren oder sonst was zu tun hatte.  Wie es mir geht, ist die Folge von Selbstfürsorge, einem liebevollen Umfeld und der Lust den eigenen Weg zu gehen. Je mehr ich liebe, Spaß habe, lache, mich verwirkliche, ausruhe, austausche, rede, inspirieren lasse – umso besser geht es mir. Wenn meine Kinder mit mir lachen, ich eine Hand halten darf, mit lieben Menschen beisammen bin, in einem Buch versinken kann – dann ist all das Glück. In der Natur zu sein, die Sonne im Gesicht zu fühlen, etwas zu schreiben ebenfalls und die Liste ist endlos. Nirgendwo kommen Haare vor. Es ist daher verrückt, dass ich überhaupt soviel drüber nachdenke. Tse.  Besser ich mach jetzt was anderes.

Bis bald und alles Liebe,

Silja

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Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

14 Kommentare

  1. Tina Stute 3 Monaten vor

    Liebe Silja, Kevin Murphy hat meine Friseurin auch. Ganz großartige Produkte. — Meine – wenn noch wenigen – grauen Haare, lass ich noch färben bzw. vielmehr strähnen. UND JA, dann fühle ich mich jünger und frischer. All das, was ein gutes Gefühl gibt machen….gell? Es geht dabei eher um MEIN Gefühl und weniger darum, was andere denken 🙂

    Dein Grau steht dir sehr sehr gut, es passt so gut zu dir. Bei anderen finde ich das stets toll, bei mir selbst (noch) nicht.

    Danke für deine vielen, nährenden, authentischen, ehrlichen, offenen Inspirationen.

    Tina

    • Autor
      Silja 3 Monaten vor

      Hallo Tina,
      ja das verstehe ich gut, ging mir auch lange so – war also irgendwie ein Prozess sich an das Grau zu trauen. Und ja! Die Produkte sind toll, ich mag sie und viele sind vegan, was ich auch super finde. Danke für dein liebes Feedback und liebste Grüße
      Silja

  2. Silke 3 Monaten vor

    Liebe Silja, es tut immer wieder so gut zu lesen, dass du dich so ähnlich fühlst wie ich 🙃. Mwine Haare sind allerdings im Laufe des Jahres des Grauwerdens tatsächlich inner kürzer geworden. Und jetzt kann ich es kaum erwarten, dass der letzte Rest Gefärbtes auch endlich verschwindet. Denn obwohl ich (natürlich) gerade vorne sehr weiß bin und ursprünglich mal fast schwarze Haare hatte, passt das Natürliche irgendwie viel besser zu meinem Gesicht und mir. Und das ist ein schönes Gefühl. Aber ja, es ist auch ein sehr schönes Gefühl, dass mir viele Menschen sagen, wie schön sie mich so finden 😍. Frei von Anerkennungswünschen bin ich bei aller Selbstliebe eben doch nicht… und deshalb: ich finde, dir steht das Grau sehr gut. LG, Silke

    • Autor
      Silja 2 Monaten vor

      Liebe Silke,
      ich glaube ernstgemeinte Komplimente tun uns allen gut. Also genießen und wie schön, dass du dich auch wohl fühlst.
      Ich wünsch dir weiter alles Gute und sage bis bald,
      Silja

  3. Ursula 3 Monaten vor

    Oh, sehr interessanter Bericht! Ich verstehe Deine „Zerissenheit“ die ab und an auftaucht…vor allem, weil ich Dein Gesicht noch sehr „jugendlich“ finde, und die grauen Haare da einen starken Kontrast bilden. Ich weiß jetzt nicht wie alt Du bist…?
    Ich selber habe vor ein paar Wochen aufgehört mit Färben, ich bin 48 Jahre alt und habe gefärbt seit ich 16 bin…immer schwarz, weil ich das schöner fand als meine Natur. Und nun entdecke ich mit 48 Jahren meine „Naturhaarfarbe“ und staune jeden Tag, wie facettenreich meine Natur ist…und finde es seeehr entspannt, nicht mehr Färben zu müssen und keine Ansatzsorgen mehr zu haben. Allerdings trage ich mein Haar seeehr kurz, so dass nach wenigen Monaten bereits alles „draußen“ war. Bei so langem Haar ist das schon eine ganz andere Herausforderung….
    Ich würde mich über weitere Berichte sehr freuen!

    • Autor
      Silja 2 Monaten vor

      Liebe Ursula!
      DAs geht mir auch so! Aufregend oder? So spannend zu sehen, wie man „in echt“ aussieht. Ich freu mich richtig darüber.
      Hoffe du hältst durch und ich schick dir liebe Grüße
      Silja

  4. Katja 3 Monaten vor

    Liebe Silja!
    Ich freue mich sehr darüber, auf dich und dein „Grau-werden-Versuch“ gestoßen zu sein! Ich bin vor kurzem 51 Jahre alt geworden und hadere seit längerem mit der ständigen Strähnchen-Färberei, bzw. eigentlich am meisten mit dem Rauswachsen des Ansatzes. Meine Haare sind „über Schulter lang“ und auch für mich ist Abschneiden noch kein Thema.
    Gegen das Grau-sein habe ich rein gar nichts, das Grau-werden ist halt so ein langer Weg….ich wünsche mir oft, morgens aufzuwachen und dann einfach komplett grau zu sein. Aber ich fühle mich durch deinen Bericht sehr angesprochen und motiviert, es von nun an einfach zu lassen mit der Farbe. Ich hoffe, dass du weiterhin Fotos veröffentlichst, die dein Grau-werden zeigen.
    Liebe Grüße, Katja
    P.S.: Ich bin etwas verunsichert, weil mir deine Seite als „nicht sichere Verbindung“ angezeigt wird.

    • Autor
      Silja 2 Monaten vor

      Liebe Katja,
      ich hoffe deine Unsicherheit hat sich gelegt? Keine Ahnung warum das so angezeigt wird – aber ich freu mich, dass ich dich trotzdem ein wenig inspirieren darf. Und ja, ich wäre auch gern einfach – zack- grau. Ist wie mit Haaren wachsen lassen oder so. Aber am Gras ziehen bringt auch nichts, den Prozess lieben lernen schon mehr.
      Ich schick dir ganz liebe Grüße
      Silja

  5. Kerstin 3 Monaten vor

    Liebe Silja, danke für deine Anregung. Ich habe schon länger überlegt, zu meinen Haaren zu stehen. Und seit ich das mache, sehe ich Imme mehr sehr schöne Frauen in meinem Alter, die zu ihrem Grau stehen. Du gehörst dazu! Seit November färbe ich auch nicht mehr, immer im Hinterkopf den Spruch meiner Friseurin – „wenn du es gar nicht mehr erträgst, gefärbt ist schnell wieder“. Aber – obwohl sie ein junges, tätowiertes Mädchen ist – bestärkt sie mich darin und ich bekomme gute Tipps zum Thema wie Lippenstift, Augenbrauenpflege und etwas mehr Farbe im Gesicht meine grauen Haare strahlen lassen :-). Also danke, und danke auch, dass du deine Zweifel mit uns teilst.

    • Autor
      Silja 2 Monaten vor

      Liebe Kerstin,
      deine Friseurin gefällt mir! Danke, dass du das mit uns teilst und für deine lieben Worte auch 🙂
      ich schick dir liebste Grüße und sage bis bald,
      Silja

  6. Kerstin 2 Monaten vor

    Ich lese Deine grauen Einträge mit großem Interesse, da ich nun (40) es auch leid habe mit aggressiver Chemie gegen das Ergrauen/ mich vorzugehen.
    Deine Beiträge sind sehr bereichernd und ich hoffe Du bleibst bei Deiner Haarlänge.
    Es ist erschreckend wie viel sich Menschen bei Oberflächlichkeiten einmischen und wie wenig bei ernsthaften Dingen.
    Ich arbeite als Krankenschwester und kann nur eines feststellen: es gibt Zeiten, da würde man es sich wünschen, die Lebenszeit sinnvoller gestaltet zu haben. Was für ein Irrsinn wegen einer Farbe. Dabei gibt es wundervolle Vorbilder. Meine Oma oder andere starke schöne Frauen. Warum dürfen Männer attraktiv ergrauen und Frauen nicht?
    Mach weiter so, Du siehst toll aus und gibst mir Mut und Du strahlst.

    Kerstin

    • Autor
      Silja 2 Monaten vor

      Liebe Kerstin,
      danke dir für deine lieben Worte. Ich bleibe gerne dabei. Es tut gut. Meiner Kopfhaut, mir. Und ich mag die Farbe. Anders aber schön.
      schick dir ganz liebe Grüße und sage bis bald,
      Silja

  7. Katja 2 Monaten vor

    Liebe Silja!
    Danke für deinen schönen Satz:
    *Am Gras ziehen bringt auch nichts, den Prozess lieben lernen schon viel mehr.*
    Der passt so gut, als hättest du ihn für mich „erfunden“ 😉
    Den werde ich mir auf die Stirn und hinter die Ohren schreiben 😊
    Ganz liebe Grüße, Katja

    • Autor
      Silja 2 Monaten vor

      Liebe Katja,
      das freut mich sehr – da steht er bei mir auch 😉
      Liebe Grüße
      Silja

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