Erschöpfung – 5 Gründe warum ich müde bin (und was ich dagegen mache)

Erschöpfung – 5 Gründe warum ich müde bin (und was ich dagegen mache)

Erschöpfung – 5 Gründe, warum ich müde bin (und was ich dagegen mache)

Neulich lag ich, nach einem Nachmittag im Schatten am See, erschöpft auf meinem Balkon. Ausgestattet mit Buch und Notizbüchlein war ich bereit, den Abend angemessen zu genießen. Zu lesen, ein wenig ins dunkler werdende Blau zu starren und tiefgreifende Gedanken (Optimistin, ich) zu notieren. Stattdessen döste ich, wie schon am Nachmittag an besagtem See, ein. Ich fühlte mich, ach was sage ich, ich fühle mich müde, ein wenig schlapp, irgendwie ausgepowert und das, obwohl ich seit langem mal wieder mehr als sieben Stunden Schlaf hinter mir habe. Erschöpfung fühlt sich komisch an und ich brauchte einen Moment, bis ich verstehen konnte, warum sie mich gerade jetzt, wo ich gerade noch so voller Motivation und Schwung war, übermannt.

Das, was war

Kennt ihr diesen Moment, wenn man vom Einkaufsbummel heimkommt, die Tüten abstellt und dann erst merkt, wie erschöpft man ist? Der Grund für meine (und ich glaube nicht, dass ich damit alleine bin) Müdigkeit ist, dass ich vorher gerannt bin. Dass ich immer wieder renne. Die letzten Tage im Job wollte ich so richtig gut machen. Perfekte Übergaben, Klarheit in allen Projekten erzielen, einen spitzenmäßigen Abschied und nachfolgend eine entspannte Party Zuhause hinlegen. Natürlich parallel eine tolle Mama sein, klasse aussehen und all die Projekte meiner Selbstständigkeit mit gelassener Präzision nach vorne bringen. Kompetent, cool, ach, irgendwie so eine Mischung aus Superwoman, Supermama und Vogue Business. Das Beste ist: Ich habe währenddessen nicht mal gemerkt, dass ich so verrückte Ansprüche hatte. Tse. Besuch aus Übersee war übrigens auch noch da. Und wen wundert es, wenn ich nun sage: Ich habe die letzten Wochen ganz schön viele Tüten geschleppt. 

Schlaf wird tendenziell überschätzt, oder?

Hinzu kommt die Sache mit dem Schlaf. Ein Evergreen. Irgendwo habe ich mal das Statement eines Arztes gelesen, der launisch anmerkte, dass wir zwar unsere Schritte, unseren Puls, unsere Kalorien zählen, nicht aber die Stunden unseres Schlafes. Was für die meisten (mich eingeschlossen) stimmt. Dabei ist Schlaf so wichtig, weshalb ich hier schonmal das Projekt #mehrschlaf starten wollte. Erwachsene sollten, so eine weitere Quelle die ich sofort wieder vergessen habe, nur knapp unter 50 Stunden Schlaf in der Woche liegen. Die Geister streiten sich ein wenig darüber, ob wir ihn nachholen können oder nicht. Ich hab das Gefühl, dass ein, zwei Tage mit wenig Schlaf oft mit einer langen Nacht tiefen Schlafs wettgemacht werden können. Was ich noch weiß ist, dass ich zuwenig schlafe. Mein Wecker klingelt, für diese ausgecheckte Morgenpraxis aus Ayurveda und Yoga, um 5:30 Uhr und oft schließe ich  trotzdem nicht vor Mitternacht die Augen. Ich will halt nix verpassen, was zuwenig Regenerationszeit für Körper, Hirn und Zellen bedeutet. Was mich vorraussichtlich schneller als andere alt, müde und langsam machen wird und somit zur momentanen inneren Gefühlswelt gut zu passen scheint. Das Projekt #mehrschlaf anzugehen, scheint  mir daher eine ziemlich klasse Idee. Gähn.

Emotionen strengen an

In wilden Phasen haben wir viele Gefühle oder besser: intensivere Gefühle. Wir bangen, sorgen, durchdenken, freuen uns und jauchzen. Unser Gehirn schüttet wild Hormone aus und unser Körper versucht die Flut der wechselnden Stimmungen zu verdauen. Ich hatte in den letzten Monaten eine Berg- und Talfahrt. Neben Tagen, an denen ich meinen ersten Tag als Selbstständige kaum erwarten konnte, mir ausgemalt habe, wie toll alles laufen wird, gab es Tage voller Ängste und Zweifel. Angefangen von existentiellen Erwägungen rund um Lebensunterhalt, Rentenversicherungspflichten oder Kontostände bis zu „Wird der Kuchen beim Abschied reichen?“ (ja!), war so ziemlich alles dabei. Und nein, auch meine sonst so heiß geliebte Meditationspraxis hat mich hier nicht retten können. Eschöpfung hat oft etwas mit Emotionen zu tun und hui, ja das macht Sinn.

Sommer in the City

Ein weiterer Grund für geballtes Gähnen ist leider ziemlich profan: Wem es noch nicht aufgefallen ist, Kinders, es ist heiß und das aus unterschiedlichen Gründen. Kommen wir zum ersten: Der Außentemperatur. Ich liebe den Sommer und habe mir bereits in der To Do Liste von Juli ausgemalt, wie ich am See liegen werde. Was wirklich  hilft, erstaunlicherweise jedoch nicht immer geht. Viel trinken, insbesondere lauwarmen Pitta-Tee, hat mir ganz gut geholfen. Ich verlink euch meine Lieblingssorte gleich unten (Werbung, selbstgekauft). Zudem können ir je nach Konstitution  mehr oder weniger gut mit der Hitze umgehen und ich habe entschieden, dass ich dagegen nicht ankämpfen werde. Viel See scheint mir einfach die einzige Lösung….

Sommer in mir

Wo wir gerade bei Hitze sind, lege ich gleich mit anderer Hitze nach, die nochmal einen eigenen Blogpost bekommen wird. Wie hier schon angekündigt, wallt die Hitze durch mich. 48 bin ich geworden und es scheint, als hätte mein Körper entschieden, dass nun hormonell einiges umzubauen sei. Folgende Tipps schon mal für alle, bei denen es auch wallt: Ein Fächer ist eine wunderbare Investition, eine Sprühflasche (für Pflanzen) mit kühlem Wasser ebenso. Der See hilft übrigens auch hier, aber ich denke, das war jedem klar, oder? Was übrigens nicht hilft ist, sich über dieses besondere Ereignis im eigenen Körper aufzuregen. Es ist eine Umstellung, nicht mehr, nicht weniger. So. Bäms. Und wo ist mein Fächer eigentlich?

Was hilft, wenn alles zuviel ist

Nun aber zu dem, was mir hilft, wenn ich so erschöpft bin. Und falls du bis hierhin gewartet hast und nun hoffst, dass ich dir 1000 gute Tipps gebe, um besser durchzuhalten? Mehr zu schaffen? Dieser Erschöpfung keinen Raum zu geben? Dann…nein. So läuft es nicht. Erschöpfung kommt, wenn wir erschöpft sind. Ist es ein Dauerzustand, solltest du Hormone, Nährstoffe (Blutuntersuchung, Arztbesuch) checken lassen- ist es ein Phase, dann frag dich: Was war los in meinem Leben? Schau dir an, was körperlich, emotional, geistig an Anstrengung zu wuppen war. Geistig sind es meist unsere Ängste und inneren Widerstände, die unsere Kraft rauben. Emotionale Reaktionen sind die Folge. Auch das Schwelgen in alten, unguten Erinnerungen, Groll, Wut, Frustration, kostet uns täglich Kraft. Je länger wir hier verweilen, desto „süchtiger“ werden wir außerdem nach diesen Zuständen, denn ganz unbewusst gewöhnt sich unser Gehirn daran.

Durchatmen. Anhalten

Ist dann die einzige Möglichkeit. Und nein, wir müssen vielleicht nicht von 100 gleich auf 0 zurück schalten, aber uns die Pausen gönnen,  bedeutet anzuerkennen, dass wir nicht Superwoman (oder Superman) sind. Dass wir Schlaf, Müßiggang, Träumereien, Nichtstun genauso dringend brauchen, wie das Brennen für eine Sache oder ein Projekt. Unser Wachstum hängt nicht davon ab, wie sehr wir pushen und uns herausfordern. Das ist nur eine Seite der Medaille. Es hängt auch davon ab, wie viel Raum wir dem inneren Verdauen von all dem geben, was ist und war. Wie sehr wir vergeben, Widerstände aufgeben lernen, zulassen. Wie sehr wir es schaffen, einen Moment lang keine neuen Eindrücke reinzulassen und einfach still zu sitzen. Zu fühlen. Zu lauschen. Das neue Lied zu hören, was in uns klingt.

Ich wünsch daher allen Erschöpften und Müden da draußen viel Spaß beim ausruhen. Lehn dich an, leg dich zurück. Gib dir selbst die Erlaubnis einen Moment lang nichts zu müssen. Atme und tank auf. Das gehört genauso zum Leben.

Alles Liebe,

Silja

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PPS: Die schöne Fotoserie hat Martin gemacht. Lieben Dank (Werbung)

 

 

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

8 Kommentare

  1. Dani 5 Monaten vor

    Oh ja, das kenn ich nur zu gut. Nach meiner Krebserkrankung wollte ich unbedingt zeigen, dass ich wieder fit bin, wieder die Alte.
    Ergebnis war die Unzufriedenheit über meine Erschöpfung. Ich kam damit nicht klar, dauernd oder schnell erschöpft zu sein.
    Mir hat dann meine Achtsamkeitspraxis geholfen und das Wissen darum, dass ich nicht auf 120% laufen muss, nichts beweisen muss (weder mir noch anderen Leuten). Seit dem läuft alles auf ca. 80% und es ist gut.
    Die Erschöpfung ist zwar trotzdem da, aber ich verarbeite sie anders und verstehe früher, wenn sie heftiger wird und sorge dann früher besser für mich.
    Viel Erfolg für deine Selbstständigkeit.
    LG Dani

    • Autor
      Silja 5 Monaten vor

      Liebe Dani,
      oh das kann ich mir vorstellen. Irrsinn, was wir manchmal meinen beweisen zu müssen, oder? Und ja – Achtsamkeit hilft so sehr! Danke dir fürs teilen und deine guten Wünsche und liebste Grüße,
      Silja

  2. Johanna 5 Monaten vor

    Liebe Silja,
    Du sprichst mir so aus der Seele! Ich dachte schon, nur mir würde es zur Zeit so gehen…
    Ich fühle mich sowas von müde und schlapp. Auch ich muss jeden Morgen früh aufstehen und bin in der Regel nicht vor Mitternacht im Bett. Man hat einfach zu viel um die Ohren mit Vollzeitjob, Familie, Haushalt, nebenbei Fortbildung (zur Yogalehrerin :-)) usw.
    Versuche zwar, mit Yoga und Meditation (klappt momentan aber zeittechnisch auch nicht so , wie es soll) mir die nötige Ruhe zu gönnen, aber der Schlaf fehlt natürlich trotzdem.
    Ich sage mir zur Zeit: es kommen wieder ruhigere und bessere Zeiten (hoffentlich).
    Liebe Grüße und ein ruhiges Wochenende
    Johanna

    • Autor
      Silja 5 Monaten vor

      Liebe Johanna,
      das freut mich so sehr. Ich habe auf Instagram so viele Nachrichten bekommen – fast denke ich, wir alle sind gerade müde. Ist das nicht verrückt. Umso besser, dass du di rein wenig Zeit für dich nimmst. Ich drück dich und wünsch dir auch ein feines Wochenende,
      Silja

  3. Conny 5 Monaten vor

    Liebe Silja, das hast du wieder einmal so erfrischend geschrieben obwohl es um Erschöpfung geht! 🙏 Ich liege seit gestern mit Scharlach im Bett (habe mich vermutlich in der Kita in der ich arbeite angesteckt) und nachdem ich mich zuerst furchtbar aufgeregt habe und sehr traurig war, weil ich morgen mit lieben Freundinnen nach Barcelona fliegen wollte, bin ich heute demütiger geworden. Ich behalte noch einen letzten Funken Hoffnung in mir, ob ich nicht doch morgen früh mitfahren kann. Aber mein Körper funktioniert so super, reagiert mit Fieber und setzt alles zur Heilung an. Wahnsinn eigentlich. Ich merke wie sehr ich gewachsen bin in den letzten Monaten. Denn diese Einstellung es anzunehmen hätte ich da noch nicht gehabt. Zwischendurch möchte ich zwar noch Mitgefühl von außen haben, wie schade es ist, dass ich ausgerechnet jetzt so krank bin. Naja. Und wenn der Flieger morgen ohne mich losgeht werde ich vielleicht doch ein kleines Tränchen verdrücken, dann aber nach vorne schauen und mich freuen, ganz entspannt im weichen Bett liegen zu dürfen! Danke für deine Denkanstöße! Großartig und ganz viel Erfolg und Freude an deinen neuen Herausforderungen! 💕 Liebe Grüße Conny

    • Autor
      Silja 5 Monaten vor

      Liebe Conny,
      uih Scharlach – du Arme. Ich drücke alle Daumen, dass es vielleicht doch noch klappt oder du eine gute, ruhige Zeit zuhause hast und bald wieder fit bist.
      So schön, was sich bei dir schon alles getan hat. Super! Ich finde auch, wenn man einmal loslegt, gehen die Veränderungen ganz schön gut…

      Liebste Grüße
      Silja

  4. Ursula 5 Monaten vor

    Oh ja, müde und erschöpft….ich schließe einerseits gerade eine 2-jährige Fortbildung ab, und andererseits wechsle ich bald den Job….aber bei mir liegt es auch viel am schlechten Schlaf. Zur Zeit wache ich fast täglich um 4:45 Uhr auf weil es hell wird und die Vögel voll laut herumjohlen….ich schlafe dann zwar nochmal ein, aber nur sehr oberflächlich. Eine Schlafmaske hilft leider nur bedingt, und Oropax in den Ohren kann ich nach wie vor nicht leiden und nehme sie meistens unbewusst im Schlaf wieder raus…und Fenster zu will ich auch nicht, dann habe ich das Gefühl ich ersticke. Hmpf. Und so wächst meine Erschöpfung von Tag zu Tag mehr an, mein Kopf fühlt sich langsam an wie Watte, ich bin antriebslos und beim Lernen bleibt fast nichts hängen…
    Mit meinem Leben und meinem Tempo bin ich sonst eigentlich zufrieden. Vielleicht machst Du wirklich bald diese Schlafchallenge und ich nehme dann daran teil?

    • Autor
      Silja 5 Monaten vor

      Liebe Ursula,
      dann hoffe ich, dass du bald besser schläfst. Ich versuch immer bewusst an etwas Schönes zu denken. Für was ich alles dankbar bin oder worauf ich mich freue. Das geht ganz gut und ich habe das Gefühl ich schlafe irgendwie erholsamer. Zur Challenge: ich will einfach versuchen mehr zu schlafen. Ausgeklügelter ist der Plan noch nicht. Aber ich denk mal drüber nach.
      Liebe Grüße und ich wünsch dir richtig viel Schlaf 🙂
      Silja

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