Eine Scheidung überleben

Eine Scheidung überleben

Eine Scheidung übersteht jeder anders, das hier hat mir geholfen

Mich hat eine Frage erreicht, die mich ganz schön ins Grübeln gebracht hat. Wie kann man eine Scheidung überleben? Wie ordnet man sein Leben neu, wenn man lange Zeit zusammen war? Wenn man eine Liebe hatte, die sich nun – aus welchen Gründen auch immer- verändert hat und verloren gegangen ist? Wenn man plötzlich dasteht vor den Trümmern des eigenen Lebens und sich neu sortieren muss?

Gar nicht so einfach so eine Frage und noch viel schwerer so ein Lebens-einschnitt. Meine Trennung und spätere Scheidung liegt nun schon eine ganze Zeit zurück – gute 12 Jahre. Trotzdem machen mich Gedanken an diese Zeit auch heute noch ein bisschen traurig. Auch wenn ich weiß, dass alles richtig war, so wie es war. Nun denn: Was kann man tun, um diese Zeit durchzustehen? Kann man das überhaupt pauschalisieren? Es ist eine sehr persönliche Zeit, eine sehr dünnhäutige dazu. Aber ich versuche mal das aufzuschreiben, was mir geholfen hat:

Die Gefühle…. sind da!

Es hilft nichts: Trauer, Wut, Ohnmacht ist da. Ist nicht zu leugnen, nicht zu vertuschen, nicht zu überspielen. Es geht nicht anders, glaube ich heute. Wie ein Prozess der Häutung, der schmerzhaft ist. Und das gilt für beide Partner: Ob man der ist, der geht (Schuldgefühle, Trauer und ein längeres „Ist das alles richtig?“ -Dilemma) oder der, der verlassen wird (Wut, Trauer und ein längeres „Hätte ich was anders machen sollen/können?“- Dilemma)  – beide Seiten trauern. Sehr!  Ich habe mich versucht zusammen zu reißen und es hat manchmal sogar funktioniert. Manchmal aber nicht – dann habe ich einfach getrauert. Allen guten Ratschlägen zum Trotz! Und glaube heute: Das war sehr gut so!

Sich um sich kümmern!

Wer so unter Stress steht ist in einem Ausnahmezustand und braucht beste Pflege. Leider sind wir selber meist die, die funktionieren wollen, die die eigene Schwäche nicht sehen wollen. Wann immer es mir gelungen ist, habe ich mich um mich gekümmert. Habe Kitschfilme geschaut, gutes Essen gekocht, Sport gemacht, Freunde gesehen, Unternehmungen gemacht, Urlaube…. ich habe mich versucht zu betreuen. Immer, wenn ich es zulassen konnte. Zum Krafttanken war das sehr wichtig und somit auch für die kleine Familie, für die ich verantwortlich war in dieser Zeit!

Professionelle Hilfe, wenn man sie braucht!

Scheidungen, Trennungen, sogar mit Kindern? Es gibt viele Stellen, die einem helfen. Wir waren bei der Caritas, die eine Beratung bei einem Rechtsanwalt zu allen Geldfragen rund um eine Scheidung angeboten haben – gegen eine Spende. Das haben wir gemacht. Wenn Kinder involviert sind gibt es verschiedene Stellen, die helfen und beraten. Das kann nicht schaden, um einen guten gemeinsamen Weg zu gehen – im Umgang mit den Kindern. Ich hatte sogar noch mehr Hilfe, denn irgendwann schien das Loch zu tief, was sich vor mir auftat. Und so habe ich einen guten (professionellen) Gesprächspartner gefunden und mir helfen lassen. Das hat gut getan. Denn da war jemand, der neutral war, der sich nur um mein Wohl gesorgt hat und der dabei keine eigenen Aktien im Spiel hatte. Gut!

Das Leben weiter leben!

Das Leben…geht weiter. Anfangs war ich hin und hergerissen zwischen: Das geht doch jetzt nicht! (entrüstet und verschämt, wenn ich glücklich war) und Carpe diem! (jetzt erst recht!). Irgendwann habe ich versucht einfach im Jetzt zu sein: Meinen Söhnen beim schlafen zuzuschauen und dabei Tränen der Rührung und des Glücks geweint. Die Sonne auf mein Gesicht scheinen lassen und die Wärme bis ins Herz gefühlt. In all dem Schlamassel muss man das Jetzt retten denke ich! Es zeigt, dass das Leben schön bleibt. Zeigt, dass man die Gleiche oder der Gleiche ist – im Kern jedenfalls

Sich verzeihen und den anderen auch!

In einer Trennung gibt es meist Schuld. Und das fühlt sich nie gut an. Entweder ist man der, dem übel mitgespielt wurde (das Opfer) oder der Täter, der böse war. Beide Positionen sind nicht gemacht zum glücklich-werden. Sich zu verzeihen, dem anderen zu verzeihen und zu akzeptieren, dass das der Weg ist, wie er sein soll. Das ist schwer. Aber wenn es irgendwann klappt, dann fallen mehrere Zentner – und zwar direkt vom Herzen!

Sich neu sortieren!

Nach der Trennung musste ich mich zwangsläufig neu sortieren. Hinter mir lagen 11 Jahre des gemeinsamen Lebens, 10 Jahre des Zusammenlebens. Viele Rituale, viele kleine Gewohnheiten, die sich ohne den ExPartner plötzlich leer anfühlten. Das Ganze hatte aber auch was von „ausmisten“ (und das meine ich ohne despektierlich klingen zu wollen). Fragen wie: Was ist mir wirklich wichtig? Wie ist mein Alltag? Anfangs war ich wie ein Pendel: Entrümpelt oder alles so gemacht wie vorher….aber langsam und stetig hat sich mein eigener Rhythmus, meine eigenen Prioritäten eingeschlichen – und ich habe mich mehr entspannt. Das wurde dann aber auch Zeit kann ich euch sagen!

Neue Rituale entwickeln und alte bewusst pflegen!

Wenn dann mal alles ein wenig sortiert ist, dann gibt das Halt. Viel Halt. Alles, was bleibt wie es ist (und schön ist) ist ein schöner Anker und hilft sich nicht ganz ohne Hafen und Heimat zu fühlen. Also Rituale pflegen ist wichtig! Unsere kleine Wohnung hatte natürlich einen Weihnachtsbaum, auch wenn die Wohnzimmer-Küche sehr klein dafür war! Und ich habe mein Erspartes ausgegeben um in die Sonne zu fahren, denn Urlaube waren mir immer wichtig. Keinen Garten mehr zu haben  – ich habe den sehr kleinen Balkon sehr bepflanzt. Jeder hat da sicher andere Prioritäten, aber das festzuhalten/ das zu „retten“ was auch glücklich gemacht hat, das hat mir geholfen. Sehr.

Die Kraft nutzen!

Anfangs war ich wie ferngesteuert. Habe meine Trennung „abgearbeitet“. Die vielen neuen Eindrücke haben mich überfordert, denke ich heute. Ich habe funktioniert, war traurig oder glücklich (im schnellen Wechsel!). Irgendwann trat dann diese wunderschöne Zeile „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne..“ aus Hesses „Stufen“ aus dem Schatten. Ich habe so viel Kraft entwickelt. Heute finde ich das unglaublich! Ein Jahr nach meiner Trennung habe ich nebenberuflich Psychologie studiert, einen Teilzeit-Führungsjob bewältigt und, gemeinsam mit meinem Exmann,  meine beiden tollen Söhne betreut.

Neue Liebe zulassen!

Ich war verliebt und gleichzeitig traurig, weil meine Ehe vorbei war. Schräg, oder? Aber so war das. Mir hat es gut getan mich neu einzulassen. Es hat mir sogar sehr geholfen. Für den neuen Mann war es nicht leicht, denn ich war alles andere als ausgeglichen. Jeder wird hier anders drüber denken, bei mir war es so. Ungeplant aber richtig – und schön.

Was also rät man jemandem, der da gerade selber durch muss? Alles fühlt sich nach Plattitüden an! Letzten Endes ist man in der Zeit nach einer Trennung in einem Zustand großer Instabilität und darum kann ich nur sagen: Wer auch immer da draußen sich gerade neu sortiert oder sortieren muss:
Kümmer dich gut um dich! Lass dir nicht erzählen wie es nun zu laufen hat – jeder ist anders! Und vertraue darauf: Auch dies wird vorüber gehen!
Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

6 Kommentare

  1. Amelie 4 Jahren vor

    Danke! Wirklich, Danke!

  2. Silja 4 Jahren vor

    Gerne 🙂

  3. Jäckel 1 Jahr vor

    Danke, hat mir gut getan!

    • Autor
      Silja 1 Jahr vor

      Gern geschehen. Liebe Grüße

  4. Johanna Lindner 5 Monaten vor

    Auch 4 Jahre später, seitdem Sie diesen Artikel geschrieben haben, tun Ihre Worte gut. Ich dachte, bereits alles soweit gut überwunden zu haben, bis…ja, bis eine Welle kam. Dank Ihres Artikels weiss ich nun, dass ich noch in der Phase stecke, in der ich mich gut um mich kümmern muss…danke, dass Sie so offen und ehrlich schreiben. Das Thema „zerstörte Liebe durch Trennung/Scheidung“ wird in der heutigen Zeit zu oft als Normalität betrachtet (s. Scheidungsraten) mit der Konsequenz, dass die psychischen Herausforderungen der folgenden Zeit herunter gespielt werden. Heute ein Urlaubstag zwecks Scheidungstermin und ab morgen funktioniert man wieder wie immer…also danke! Und bitte gerne öfter!

    • Autor
      Silja 5 Monaten vor

      Hallo und so gerne liebe Johanna,
      ich freu mich sehr, dass dir die Worte geholfen haben. Ich hatte auch mehrere Wellen unterschiedlichster Gefühle bis richtig tiefe Unbeschwertheit zurück kam. Alles fließt und das ist gut so.
      Lieben Dank für dein Feedback und bis bald,
      Silja

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