Disziplin bitte! Wie Yoga Zuhause funktioniert

Disziplin bitte! Wie Yoga Zuhause funktioniert

Yoga Zuhause und du kommst nicht so richtig aus dem Quark?

Ich übe Zuhause Yoga. Echt. Jeden Tag und das seit Jahren schon. Was allerdings weder ein Grund ist in ehrfürchtiges Schweigen zu verfallen noch mich als merkwürdigen Sonderling zu betrachten. Ich tue es einfach gerne. Andere Menschen haben andere Hobbys, rennen ständig im Kreis oder gehen mehrmals die Woche shoppen und ich, ich bin halt auf der Matte so oft es geht. Ich träume sogar von einer zweiten Einheit nach Feierabend. Nun ja, an Tagen wo noch mehr Zeit ist. Und obwohl ich so eine Lust auf Yoga habe, ist es mit einer ernsthaften Praxis Zuhause so ein Auf und Ab. Yoga Zuhause hat ein paar Besonderheiten, die ich umschiffen muss, sonst wird das nix bei mir. Vielleicht geht es dir ähnlich? Ich brauch ein paar Hilfsprogramme, zum Beispiel:

Man braucht Lehrer für eine gute Praxis.

Sie korrigieren und leiten an, sie helfen und assistieren, sie bringen Ideen ein und unterstützen unseren Weg. Darum fehlen sie natürlich Zuhause. Früher versuchte ich meine Lehrer-Lust an Tagen, an denen ich nicht ins Studio konnte mit einem Stapel Bücher neben der Matte zu heilen. Keine grandiose Idee, denn wer blättert schon gern mitten im Vinyasa Flow? Ich brauche also Zuhause für ernsthaftes Yoga ein vernünftiges

Lehrermangel-Kompensationsprogramm:

Immer, wenn ich heute danach lechze einen Lehrer im Wohnzimmer zu haben, dann nutze ich einen der vielen Onlinekanäle für gutes Yoga Zuhause. Ich hab auch ein paar DVDs, aber so ein fester Anbieter mit vielen Lehrern oder die vielen freien Videos auf den einschlägigen Plattformen sind noch viel abwechslungsreicher. Mir helfen diese virtuellen Lehrer ein wenig Disziplin und Ordnung in meine Praxis zu bringen. Außerdem kann ich mit Lehrern Yoga üben, die ich sonst nie sehen würde, wie Elena Brower oder Kathryn Budig. Das macht schon Spaß und hält mich bei der Stange und ich mache tatsächlich manchmal eine ganze Praxis von 90 Minuten, also manchmal, aber dazu später mehr.

Eine weitere Sache, die manchmal schwierig ist:

Man wird gestört.

Ehemänner, die ihre Handys suchen. Kinder, die wissen wollen, ob sie vorm Frühstück einen Apfel kleingeschnitten bekommen. Handys, die surren oder blinken. Telefone, die schellen und Postboten, die anklingeln. Es gibt Zuhause echt mehr Störungen als in jeder Yogastunde. Wenn ich nicht so rigoros wäre, dann hätte ich wahrscheinlich gar keine Praxis.

Meine Anti-Störungseinheit:

Es war nicht leicht, aber meine Praxis ist mittlerweile so gut wie ungestört. Und das klappt so:

  • Yoga üben, wenn alle noch schlafen. Morgens um 6 Uhr ist keiner auf und die, die schon auf sind, sind müde und träge und wollen mich gar nicht stören. Früh aufstehen ist der Hammer! Es sichert ungestörtes Yoga und außerdem ist man gleich ganz anders drauf bei so einem Start in den Tag.
  • Klare Bitten an die Lieben. Mittlerweile stört mich am Wochenende, wenn ich später auf der Matte turne, nur noch der Kleinste und das ist ok. Alle anderen wissen, dass ich irgendwann wieder raus komme und freuen sich dann über meine gute Laune.
  • Handy auf Flugmodus. Punkt. Es gibt nix zu diskutieren, wenn ich das nicht mache, dann schreibe ich beim Yoga SMS oder kommentiere ein Instagramfoto, schaue nach wie das Asana heißt und ob Freundin X jetzt schon online ist. Mein Handy muss aus sein. Ich bin sonst sowas von undiszipliniert und nicht bei der Sache.
  • Klingeln usw. lernen zu ignorieren oder zu delegieren (oder üben nach einer Störung wieder rein in die Praxis zu kommen) – das variiere ich. Wenn ich das wichtige Paket mit der neuen Leggings erwarte, dann beantworte ich jedes Türklingeln sowas von in Windeseile, da würdet ihr staunen. Ansonsten vertraue ich darauf, dass ich Pakete auch abholen darf und Briefe eingeworfen werden. Bei Telefonanrufen kann ich meist nicht widerstehen – hier bin ich noch im Lernprogramm, mal schauen wann da die Praxis über die Neugier siegt.

Zeit nehmen?

Zum Unterricht in ein Studio zu gehen ist eine Entscheidung. Für den Weg, den Beitrag, die Zeit. Es ist eine Verabredung mit mir selbst und die Zeit ist damit belegt. Zuhause ist das zumindest bei mir was anderes. Ich sehe meine Zehen beim Yoga und überlege ernsthaft mal ganz kurz mit dem Nagellack diese zwei kleinen Stellen auszubessern. Außerdem sehe ich den Staub auf dem Tisch gegenüber und den könnte ich doch mal eben kurz abwischen…dauert ja alles nicht lange, ne? Mal abgesehen davon, dass ich im Yogastudio meiner Wahl nie Lust haben werde irgend etwas abzuwischen, stören all diese Gedanken meine Konzentration auf das, was hier eigentlich gerade passieren sollte: Yoga. Am schlimmsten sind die Gedanken an das, was ich nach der Praxis mache. Uaaaaah. Da hilft nur:

Kleine Kopf-abschalte-Hilfe:

Lass die Störung deinen Lehrmeister sein. Klappt bei mir mal mehr mal weniger wunderbar. Am besten wäre es so: Gedanken bemerken, nicht urteilen (Das ist am schwersten! Besonders wenn ich bemerke wie profan meine Gedanken sind) und einfach ziehen lassen. Ich atme dazu tief ein und langsam durch den Mund aus. Früher klappt das überhaupt nicht und ich hüpfte los, holte einen Lappen und beendete das entspannte Leben von mir und dem Tisch-Staub. Mit dem Erfolg, dass ich kurz danach den Staub auf der Fensterbank, die trockene Topfpflanze und die abgebrannte Kerze bemerkte. Irgendwie wurde ich nie fertig. Seit ich das gecheckt habe (und hat nur so pfeilschnelle 1-2 Jahre gedauert) ist es ruhiger geworden. Ich bin konzentrierter. Amen. Woran ich allerdings noch arbeiten muss, ist mir die Zeit zu  nehmen. Meist übe ich Zuhause selbst am Wochenende nur 45 oder 60 Minuten. 90 Minuten machen mich noch unruhig, meine To Do Liste ruft dann. Ich bleib aber dran, das klappt auch noch irgendwann.

Was man geschenkt bekommt

Seit ich mir ein wenig Mühe gebe und meine Yoga-Nische gefunden habe zwischen all meinen lieben Menschen, To Dos und dem, was anders ist als im Studio – seit dem entfaltet sich die Magie der Praxis Zuhause. Es ist so friedlich, dass man sich ganz auf sich konzentrieren kann. Was will mein Körper gerade? Was will mein Geist? Welche Sequenz will ich mal zusammenbauen und ausprobieren? An welchem Asana für mich feilen? Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Man bekommt viel geschenkt, wenn man sich einmal eingelassen hat auf die Verpflichtung. Wenn man der Disziplin ein wenig Raum gibt und die Ablenkungen zur Seite schiebt. Täglich ein wenig Yoga zu üben ist eine wunderbare Routine, eine tägliche Reise. Wer sich einlässt, wird belohnt.

Wenn du Lust bekommen hast und noch nicht ausgestattet bist: Hier kommt bald ein schöner Yogamattentest. Ich bin schon dabei ständig auf anderen Matten rumzuturnen und werde berichten, wie sich das anfühlt. bis dahin:

Namasté

Silja

PS: Wer doch mal Zuhause was lesen will, dem kann ich das schicke Buch von Frau Noh empfehlen:

 

 

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

6 Kommentare

  1. Sandra 2 Jahren vor

    Hallo liebe Silja,
    beim Lesen Deiner Zeilen über die Yoga-Praxis Zuhause, musste ich gerade sehr schmunzeln und habe mich selbst wieder entdeckt. Ich übe auch täglich, morgens um 4:30 Uhr Yoga – da da wirklich alle noch schlafen und ich nur mit mir, ab und an meinem Kater, bin. Heute früh, während dem Krokodil, schaute ich Richtung Fenster und bemerkte doch eine doch schon ziemliche Verschmutzung der Glasscheiben – ich war kurz davor aufzuspringen, dass Fenster zu öffnen und das Gröbste schon einmal zu entfernen. Habe ich natürlich nicht getan, aber so ist es leider öfters.
    Namaste
    Sandra

    • Autor
      Silja 2 Jahren vor

      Hallo Sandra,
      da bin ich ja erleichtert, dass nicht nur ich so merkwürdige Hausfrauen-Züge an den Tag lege…dabei bin ich sonst gar nicht so ein Putzteufel..macht wahrscheinlich die Entspannung 😉
      Gut, dass du widerstehen konntest.
      Liebe Grüße
      Silja

  2. Jessica 2 Jahren vor

    Hallo Silja,

    mir geht es auch so, der alte Putz-Teufel kommt dann raus. Staub … steht die Deko richtig … die Garderobe ist aber chaotisch. Schlimm ist das. Wenn ich es von Dir lese, allerdings sehr lustig.

    Liebe Grüße, Jessica

    • Autor
      Silja 2 Jahren vor

      Hallo Jessica,
      ich bin so froh, dass ich nicht die einzige bin 🙂
      Wir putzen und atmen halt – oder machen Yoga…immer wie es klappt.
      Liebe Grüße
      Silja
      PS: Meine Garderobe auch….

  3. Hallöchen,

    ich verfolge dich bereits auf instagram 😉 und mich interessiert einfach brennend, welche Meditationskarten du täglich benutzt…? Ich hätte unglaublich gern auch solche Karten und nunja, Deine gehen mir da nicht mehr aus dem Kopf 😉

    Liebste Grüße und noch eine wundervolle Woche
    Marina (auch Yogalehrerin / überwiegend Kinderyoga)

    • Autor
      Silja 1 Jahr vor

      Hallo liebe Marina,
      wie schön eine Kollegin hier zu sehen 🙂 freu mich dass du vorbei schaust. Momentan benutze ich das Art of Attention Deck von Elena Brower. Kommt auch in den August Shopping Guide. Die sind wirklich wunderschön. Davor habe ich das crazy sexy love notes von Kris Carr genutzt. Auf jeden Fall Karten besorgen. Sind so schön nach der Meditation zu ziehen und sich noch mal eine kleine Ausrichtung für den Tag zu holen 🙂 Dir auch eine tolle Woche,
      bis bald,
      Silja

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