Der Yoga Verhaltenskodex – wie du mit geheimen Wissen zum Liebling jedes Studios wirst

Der Yoga Verhaltenskodex – wie du mit geheimen Wissen zum Liebling jedes Studios wirst

Es gibt ihn,  den geheimen Yoga Verhaltenskodex  und es wird Zeit, dass du ihn kennst

Gehst du einfach so ins Yogastudio? Streifst die Schühchen ab, schlüpft in deine Leggings und schlürfst einen Tee? Meinst, außer dass du die Matte aus- und einrollst, gäbe es nichts für dich zu beachten? Tja, das dachte ich auch lange. Ich schlich ins Studio meiner Wahl, lächelte spätestens ab dem Parkplatz  milde und beendete meine Whats app Nachrichten stilsicher nur noch mit „Namasté“. Ich betrat die heiligen Hallen, namastete weiter vor mich hin und war eine folgsame Schülerin. Es war offensichtlich, dass ich wusste worauf es ankam. Ich saß im Kurs, ich kannte den Lehrer mit Namen und auch das Anfangs-Om konnte ich lautstark mitchanten. Ich war ein guter Yogi, von Anfang an und mein ehrgeiziges Ego strahlte heller als jedes meiner Chakras. Dabei, und das hatte ich echt nicht beachtet, gibt es einen Verhaltenskodex – unsichtbar, unausgesprochen und doch so gültig! Du bist überrascht? Der Yogitee wäre dir fast aus der Hand geglitten? Nun, zum Glück bin ich heut da, um Licht in das Dunkel der Regeln zu bringen. Zur Sicherheit atme noch mal tief in dein Herz. Alles ok? Gut, los gehts:

Erkenne deinen Weg.

Solltest du immer noch von der Arbeit zum Studio hetzen, um im Auto an der Ampel schnell den Sport-BH überzustreifen, dann ist ab jetzt damit Schluss. Der Yogaverhaltenskodex beinhaltet eine wunderbar beruhigende Klarheit: Dein Weg gilt nun der Erleuchtung. Dein Yogalehrer weiß das, ich weiß das.  Also am besten bittest du deinen Chef oder deine Chefin um einen Teilzeitvertrag. Erkläre selbstbewusst, dass dein yogischer Weg nun deine ganze Aufmerksamkeit braucht. Alles andere macht einfach keinen Sinn. Die Chefetage wird es verstehen und dich auf ihre Art unterstützen. Als kleines Trostpflaster kannst du vielleicht Entspannungsübungen in der Mittagspause anbieten? Yoga ist halt ein Lebensweg, du darfst andere Themen opfern und es wird Zeit, dass du das verstehst. PS: Ich empfehle deine Familie unbedingt mit im Studio anzumelden. Du brauchst dir nur auszumalen, wie schön das wird, wenn ihr das nächste Picknick im Freundeskreis mit ein paar munteren Acro-Yogaübungen aufpeppt. Hammer!

Arbeite an deinem Karma.

Lös dich bitte von dem Gedanken dein Studio wäre ein Ort des Kapitalismus. Eventuell bezahlen die Besitzer ihren Vermieter nicht nur mit selbstgerollten rohveganen Energiekugeln, aber bestimmt fast. Mieten und Preise sind viel zu bürgerlich für einen Ort des schuhbefreiten Hippietums, oder nicht? Und da du nun den Gedanken von Preis und Leistung ganz losgelassen hast, pack mit an. Ja, du hast diese Zehnerkarte gekauft, aber es geht um nichts weniger als dein Karma. Du kannst Tische abwischen und Teegläser zusammenräumen. Du bist Teil des Ganzen, kein Gast. Biete gerne deine Karma-Yogi Dienste aktiv bei der Studioleitung an. Es kommt immer gut, wenn man 10- 45 Matten mit Seifenlauge abwäscht. Extrapunkte gibt es, wenn du milde lächelnd die Gratisstunde als Lohn für deine Hilfe ablehnst. Die aktive Arbeit, soviel sei gesagt, zeichnet einen guten Yogi aus. Mach dir das bewusst, wenn du das Waschbecken durchwischst.

Jeder hat seinen Platz.

Du liegst gerne hinten links in der Ecke? Da wo man die Blumen auf der Terrasse und den Yogalehrer gleichzeitig gut sehen kann? Verständlich und richtig! Wenn wir einen Ort gefunden haben, an dem wir uns Zuhause fühlen, dann will uns das Universum etwas sagen. Eventuell fließen hier einfach genau die richtigen Energien nur für dich? Eben. Mach dir daher keine Sorgen mehr, wenn du etwas spät zur Stunde erscheinst und alle schon herumliegen, wo sie nicht liegen sollten. Auch geschlossene Augen sollten dich nicht abhalten, immerhin geht es um dein Yogaerlebnis und dieses ganze „Vor-der-Stunde-meditier-ich-schon-mal-bisschen“ ist doch sowieso verrückt. Du weißt, die Yogastunde beginnt, wenn der Lehrer anfängt. Also, ein freundlich auffordernder Satz und du wirst sehen, deine Ecke gehört dir.

Frag die Richtigen!

Ja, du hattest da diese schwere Knieverletzung und der Bandscheibenvorfall ist akut? Gut, dass du deinen Yogalehrer fragen kannst. Dein Facharzt kennt schließlich nicht die Wirkung eines Asanas aufs jeweilige Chakra, daher macht es Sinn ihn außen vor zu lassen. Ich könnte mir eher vorstellen, dass du künftig auch deine Röntgenbilder mal mitbringst, um vor der Klasse (sei einfach 2 Minuten vorher da) kurz zu besprechen, wie ihr jetzt vorgehen wollt. Sollte dein Yogalehrer noch in seinen Anfängen stecken und dir Dinge raten wie „Fühl selber in dich hinein, was dir gut tut“ oder noch schlimmer „Frag deinen Arzt“, dann ist ein Wechsel angesagt. Irgendwie war dir doch von vorne herein klar, dass dieses Studio nichts taugt, oder?

Verstehe, wofür wofür dein Yogalehrer lebt.

Du hast am Wochenende eine Frage und durch Zufall die Telefonnummer deines Lehrers bekommen? Bestens. Auch hier will das Universum dich auf deinem Weg unterstützen. Dein Yogalehrer liebt und lebt seinen Beruf mit jeder Pore. Er oder sie machen nie etwas anderes. Frei von allen Verpflichtungen, von allem Stress schweben sie durch die Welt, um dir den Weg zur Erleuchtung zu ebnen. Also, pflück eine Blume und sprich mit deinem Lehrer darüber, was die Blume mit dir macht und wie du sie in deine Meditation einbauen kannst. Ruf ihn ruhig öfters an,  um dir das mit diesem  Pranayama erklären zu lassen oder auch wenn du den Yogaartikel in der Gala, äh im Yoga Journal, nicht ganz verstehst. Yogalehrer sind für dich da. Alle. Immer. Sie kennen sich aus. Sie wissen, was du essen musst, kennen die Bedeutung jedes Sanskritwortes und suchen gern dein Yoga-Tattoo mit dir aus, vertrau darauf!

Setz Prioritäten!

Du hast nachher einen wichtigen Termin? Natürlich einen, der dich auf deinem Yogaweg Meilen weiter bringen wird? Dann mach dir keine Sorgen. Du kannst kommen, wann du willst. Dein Yogastudio ist ein Ort der Toleranz und Gelassenheit. Hier wird keiner diese merkwürdigen Vorstellungen von Pünktlichkeit und Respekt haben. Komm, wann du bereit für Yoga bist. Auch in der Stunde gilt: Du kannst einfach aufstehen, wenn du los musst. Die anderen liegen noch im Savasanah? Nicht schlimm, denn sie wollen ja auch üben ihre Sinne nach Innen zu fokussieren. Du hilfst ihnen also, wenn du ein wenig liebgemeinte Irritation in die Endentspannung bringst. Sei milde mit denen, die noch nicht so weit sind und denen du den Ärger anmerkst. Lächle sie an. Du weißt, sie haben noch Weg zu gehen.

Überrasche deinen Lehrer: Bring eine Schüssel Wasser mit!

Ok, bis hierhin war das ja alles klar und offensichtlich. Jetzt aber kommen wir zu einem der bestgehütetsten Geheimnisse und ich kann nur sagen, ich war selber von den Socken (buchstäblich!). Es gibt viele, wirklich viele, Yogalehrer, die von einem gemeinsamen Ritual vor deiner Stunde träumen. Stell dir folgendes vor: eine lange Bank auf einer schönen Wiese, eine große Wanne und jede Menge Füßchen, die unten aus bunten Leggings herausragen und gemeinsam im Wasser plätschern. Idyllisch, oder? Es ist verrückt, aber jeder Yogalehrer träumt früher oder später von einer Fußwaschung. Könnte an den katholischen Wurzeln des ein oder anderen liegen, oder? Sonst fällt mir echt kein Grund ein.

Lieber Yogi, nun weißt du Bescheid. Du kennst dich aus. Teil dein Wissen mit anderen und sorg dafür, dass es endlich so läuft, wie es laufen sollte. Deine Yogalehrer werden es dir danken.

Namasté

Silja

 

 

 

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

8 Kommentare

  1. Kathi 1 Jahr vor

    Super witzig! Danke für den erfrischenden Start in den Tag?

    • Autor
      Silja 1 Jahr vor

      Huhu Kathi, sehr gerne! Liebe Grüße Silja

  2. Christina 1 Jahr vor

    Ja, ja, ja! Wundervoll! Genau so soll’s laufen! ???

    • Autor
      Silja 1 Jahr vor

      Danke dir Christina 🙂

  3. Natascha 1 Jahr vor

    Huhu, das ist aber ein süßer Artikel. Und ich muss sagen, dass ich den größten Teil davon schon erlebt, oder gemacht habe. Und ich find’s toll. Diese schrullige , liebevolle und doch ein wenig intolerante Yogawelt ist wunderbar….

    • Autor
      Silja 1 Jahr vor

      Ja hihi. Find ich auch. Liebe Grüße Silja

  4. Ich würde es ja auch witzig finden, vor allem wenn ich im Auto den Sport-BH meiner Frau anziehe?

    Mädels, ich liebe euch alle.
    Aber denkt doch bitte ab und an auch daran, dass es auch männliches Wesen gibt die gern Yoga betreiben.

    Lieben Gruß

    Thomas
    (der Qotenyogini?)

    • Autor
      Silja 1 Jahr vor

      LIeber Quoten-Yogi,
      recht haste! Hab ich dich in diesem Beispiel vergessen. Aber beim Rest kannst du mitmachen, oder?
      Vielleicht fängst du mit dem Waschbecken-auswischen an. Das ist so schön geschlechtsneutral
      Ich gelobe derweil Besserung und wünsch dir ein spitzenmäßiges Wochenende,
      bis bald
      Silja

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