Der herabschauende innere Schweinehund

Der herabschauende innere Schweinehund

Der herabschauende innere Schweinehund und wie er in den Flow kam

Gastbeitrag von Sabrina Reuter

Dies ist die Woche der Freiheit und die liebe Sabrina war so frei für uns etwas zu schreiben über den nörgelnden Gesellen namens Schweinehund. Ist nämlich manchmal gar nicht so schwierig verbindlich an eigenen Zielen und am eigenen Wohlbefinden zu arbeiten. Aber lest selbst:

3, 2, 1… erleuchtet

Wenn man von Menschen liest, deren Leben sich durch Yoga gewandelt hat zu etwas ganz erfülltem und großartigem, hört sich das immer recht beeindruckend und gewaltig an. Sogar ein bisschen abschreckend vielleicht. Ehrfurchtsvoll denkt man, ob ich es auch dort hin schaffe? Und wenn bei mir gar nichts passiert? Keine Erleuchtung?
Man bekommt den Eindruck, die Menschen, die ihren Weg da beschreiben, haben mit Yoga von jetzt auf gleich die eine Sache für sich gefunden. Sie sind total begeistert, praktizieren regelmäßig und sind plötzlich die gelassensten, ausgeglichensten und glücklichsten Menschen überhaupt. Selten hört man von Zweifeln oder liest vom Überwinden des inneren Schweinehundes. Sind das vielleicht die selben Menschen, die tatsächlich regelmäßig ins Fitnessstudio gehen? Die soll es ja geben. Oder gibt es da beim Yoga doch irgendein Geheimnis? Ich wollte es wissen.

Willst du mit mir zum Yoga gehen? Ja, Nein, …vielleicht.

Auch ich war nach meinen ersten Yoga-Stunden Feuer und Flamme für diesen neuen Weg. Ich merkte wie gut mir die Yoga-Praxis tat. Mein Körper und Geist waren motiviert und wollten loslegen. Zunächst. Dann kam mein innerer Schweinehund ins Spiel und pfiff auf die Erleuchtung. Gerne nahm er eine Deadline im Büro zum Anlass, die Yoga-Stunde sausen zu lassen. So konnte er wieder gemütlich auf der Couch liegen. „Ich würde ja gerne total entspannt werden und auch was für den Körper tun, aber erst mal muss ich hier ein wenig relaxen. Ich bin grad viel zu aufgedreht und unter Stress für Yoga. Und am besten nehme ich auch erst mal ein paar Kilo ab und komme dann wieder. Dann kann ich den herabschauenden Hund auch besser halten, wenn ich weniger Gewicht hochstemmen muss. Und vielleicht bekomme ich das Bein dann auch endlich mal in einem Rutsch nach Vorne, wenn da weniger Bauch ist.“ Solche Endlos-Monologe von meinem inneren Schweinehund habe ich mir lange und gerne angehört. Manchmal wurde auch eine Diskussion daraus. „Ich höre jetzt auf darüber nachzudenken und gehe einfach hin.“ – „Aber heute kommt doch Grey’s Anatomy – erste Folge der neuen Staffel.“ – „Ach so, ja gut, schlechtes Timing. Könnte ich aber auch aufnehmen.“ – „Ja, aber guck mal, du bist doch eh schon so spät dran. Jetzt schaffst du’s eh nicht mehr pünktlich.“ – „Mmm, stimmt. Dann bleib ich hier. Na dann kann ich mir auch gleich ne Pizza bestellen, wenn ich für heute eh schon aufgegeben habe.“

Aufstand im Herzraum

Und Öffnen? Im Herzraum? Hallo? Was kann da alles passieren? Wenn man da aufmacht, wer und was kommt da alles plötzlich rein? Und dann kommt Veränderung. Muss das sein? Und wieso überhaupt? Ich wollte doch nur mal eben schnell lernen zu entspannen. Das liest sich in den ganzen Büchern immer so schön und einfach und erfüllend. Aber wenn man den Herzraum sehr sorgfältig und gewissenhaft zum Hochsicherheitstrakt ernannt hat, mit hermetischer Abriegelung, ist es nicht so einfach da mal eben loszulassen. „Du schaust mich an, als wolltest du mich gleich töten.“ sagte meine Yogalehrerin zu mir während eines Kurses. Aber da lag sie falsch. Ich kämpfte da innerlich mit mir selbst. Breche ich aus? Nehme ich den Fluchtweg? Das ist gefährlich und kostet viel Anstrengung. Hier in meinem Gefängnis ist es doch auch nicht zu schlecht. Ich hatte mich doch gerade so schön eingerichtet. Und überhaupt, ich möchte wieder zurück auf die Couch zu meinem Schweinehund. So!“

Braves Hündchen im Schaffensrausch

Irgendwann hab ich dann einfach aufgehört mir und dem Schweinehund zuzuhören und hab einfach mal gemacht und geschehen lassen. Inzwischen habe ich für dieses possierliche Tierchen zwar kein neues Zuhause gefunden, aber ich habe geschafft, es zu dressieren. Ich nenne ihn jetzt meinen herabschauenden Schweinehund. Er ist recht versöhnlich geworden, seit er gemerkt hat, ich lasse nicht locker und setze mich durch. Mittlerweile lässt er mich grummelnd meine Yoga-Praxis durchziehen. „Jaja, du hattest Recht. Nach dem Yoga fühlen wir uns immer total gut und entspannt und glücklich. Und inzwischen sogar auch während des Yoga.“ Mein Hündchen war im Flow. Es erlebte (um es mit Wikipedia zu sagen) das beglückende „Gefühl eines mentalen Zustandes völliger Vertiefung und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit, die wie von selbst vor sich geht […]“ Das war also das ganze Geheimnis. Ich musste mich plötzlich nicht mehr aufraffen, sondern freute mich auf die Yogastunde. Freute mich auf das, was die Praxis mit mir machte.
Der geöffnete Herzraum lässt sich auch nicht mehr verschließen. Zu viel Betrieb. Und zu schön ist auch das Glücksgefühl, das herein- und herausströmt, seit er 24/7 geöffnet hat.
Also, um zur Eingangsfrage zurückzukommen: Und wenn bei mir gar nichts passiert? Keine Erleuchtung? Das da etwas passiert ist, kann ich definitiv nicht leugnen, daher bin ich in Bezug auf die Erleuchtung recht optimistisch.

Viele Grüße,

Sabrina

PS: Dies ist der erste Post von Sabrina, die uns so wunderbar offen über ihre ersten Erfahrungen mit Yoga berichtet. Sabrina hat schon geträumt vom Geschichtenschreiben, seit sie einen Stift halten konnte. Nach dem Germanistik- und Anglistikstudium und einem Jahr in Australien hat sie ihren Stift erst mal aus der Hand gelegt und sich mit anderen Dingen wie Zahlen, Projektplänen und Präsentationen ausgetobt. Inzwischen hat sie ihren Stift wieder fest im Griff und schreibt über alles was sie umtreibt, mutig, frei und glücklich macht.

Sabrina

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

11 Kommentare

  1. Sandra 2 Jahren vor

    Ein fabelhafter erster Post! Ich freu mich sehr auf mehr…! ?❤️

    • Autor
      Silja 2 Jahren vor

      Find ich auch. Sabrina ist klasse. Ein Post kommt auf jeden Fall noch! Vielleicht hat sie sogar Lust auf mehr…wer weiß….

  2. Bastienne 2 Jahren vor

    Das ist ja schön geschrieben 🙂 Geht ans Herz und die Lachmuskeln, also gerne mehr davon 🙂

    • Autor
      Silja 2 Jahren vor

      Finde ich auch! Danke dir Bastienne, Sabrina wird sich sehr über deinen Kommentar freuen. Und ich mich auch 🙂

  3. Claudi 2 Jahren vor

    Großartig, Sabrina! Du machst mir Mut, dass mein Schweinehund auch dressiert werden kann. ?

    • Autor
      Silja 2 Jahren vor

      Hallo Claudi, ja das tut sie! Wir bekommen alle noch unsere kleinen Schweinehündchen in den Griff…bin mir sicher. Liebe Grüße Silja

  4. Sabrina 2 Jahren vor

    Danke, ihr Lieben! Das freut mich sehr, sehr, sehr. Bin ganz gerührt von dem vielen tollen Feedback.❤️ ?

  5. Sabrina 2 Jahren vor

    Und liebe Silja, danke nochmal für die Unterstützung. Und wie ich Lust auf mehr hab. ? Hatte heute just beim Yoga ne neue Idee. ??

    • Autor
      Silja 2 Jahren vor

      Na dann los und raus damit 🙂
      Ich freu mich drauf!

  6. Antje 2 Jahren vor

    Habe mich wieder erkannt 🙂 Danke fürs auf-den-Punkt-bringen! Ein schöner und motivierender blog! Herzlichen Gruß* Antje

  7. Autor
    Silja 2 Jahren vor

    Hallo Antje, lieben Dank! und viele Grüße zurück!

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