Dazwischen.

Dazwischen.

Dazwischen – über das Losgehen und noch nicht ankommen.

Als ich neulich einen Instagram Post über die Twilight Zone in meinem Leben geschrieben habe, ließ mich der Gedanke nicht mehr los: Dazwischen. Statt loszugehen, um kurz darauf wieder anzukommen, sind wir im Leben ganz schön oft dazwischen. Das Leben, habe ich mir gedacht, findet irgendwie auf dem Weg statt. Es ist selten, dass wir gerade ankommen – und wenn, dann sind wir schon längst woanders wieder losgegangen. Einfach, weil es weiter geht. Oder, weil wir was wollen? Weil wir wohin wollen?

Wohin und wozu?

In einem Seminar wurde mir mal sehr penetrant die Frage „Wozu“ und „Um was?“ gestellt, die äußerst spannend ist. Ich behaupte seitdem kühn: Alle bewusste Handlungen haben ein Wozu. Es gibt einen Grund, wieso wir was tun. Diesen Grund zu erkunden wiederum, kann ganz schön gut tun. Wozu beispielsweise einen neuen Job suchen oder diese Fortbildung machen? Um was zu sein – und um was nicht zu sein? Um was zu können oder was zu vermeiden? Die Antworten, das sei verraten, sind nicht immer nur schmeichelhaft. Mich hat mein Wozu schon diverse Male auf ein paar nicht so rühmliche Beweggründe gestoßen. Manches tue ich beispielsweise, um mir selbst Bedeutung zu geben – nicht nur (wie ich es mir gerne ehrenvoll vorstelle) für die Ergebnisse. Anderes, um aufzufallen oder um nicht langweilig zu sein. Nach und nach schält die Frage Wozu heraus, um was es uns auch manchmal geht (wenn wir uns trauen hinzuschauen).

Die eigenen Möhren

Oder dass man manchmal rennt, weil man denkt „wenn ich erst… – dann …“. Wie so eine Möhre, die wir uns selbst an die Stirn geheftet haben und die nun vor uns hängt. Auch die Wenn- danns zu entschlüsseln, hat was zum Dazwischen beigetragen. Ich renne manchmal direkt weiter, weil das, was ich dachte, was hier am Zwischenziel warten würde, nicht da ist. Eine Illusion war. Die Möhre hängt immer noch vor meinem Kopf. Also weiter jagen, diese eine Möhre kriegen. Dass die Möhre meine Sehnsucht zeigt und dass genau die etwas mit dem Jetzt zu tun hat, ist mir erst viel später im Leben aufgegangen – und ich muss mich immer wieder daran erinnern.

Das Haar-Dazwischen

Neben den Möhren, die mich vom Jetzt weglocken, gibts auch Äußerlich einiges an Dazwischen. Die Haare sind das beste Beispiel: Ich bin noch nicht ganz grau,  aber auch nicht mehr so richtig blond zum Beispiel. Als ich aufgehört habe, mir die die Haare zu färben, war es erst ein Experiment. Ich habe über das lange Haar-Dazwischen gar nicht so richtig nachgedacht. Nun aber, wo die 12 cm am Ansatz wunderbar weich sind und ganz andere Bedürfnisse haben, als der störrische, gefärbte Rest, scheint mir das Dazwischen manchmal lang. Neidisch schaue ich dann auf all die, die ohne Übergang im Haupthaar durch die Straßen rennen. Dabei ist das Dazwischen meiner Haare ein schönes Symbol für das Dazwischen meins Körpers.

Der Körper im Dazwischen

Und erst unser Körper! Der ist so oft im Dazwischen. Erinnert sich hier noch jemand an seine Pubertät?  Meine Erinnerung ist leider äußerst rudimentär und beschränkt sich auf das Streiten mit Lehrern, das Kichern mit Freundinnen, das Außen-vor-Gefühl auf Schulhöfen und das Anschmachten des aktuellen Schwarms. Keine Ahnung, wie sich mein Körper damals gefühlt hat. Dabei war das ein tolles, langes Dazwischen.  Ich weiß allerdings recht gut, wie er sich jetzt gerade fühlt, mitten im aktuellen Hormon-Dazwischen: Warm. Oder sagen wir besser: In Phasen ganz schön heiß. Das ist auch ein Dazwischen, ein etwas besondereres.

Das Wechseljahre– Dazwischen

Je öfter die Wärme in Wellen durch meinen Körper schwappt, umso mehr glaube ich, dass sie Zeichen dafür ist, sich zu reinigen, zu befreien, Ballast abzuwerfen. Wie Saunagänge den Körper entschlacken, so entschlackt die Wärme das Dazwischen. In der Pubertät kamen Dinge dazu. Plötzlich waren Jungs nochmal anders interessant und alles drehte sich um sich selbst. Dieser Übergang jetzt ist anders. So, als würde der Blick auf die Essenz klarer, als würde Überflüssiges verschwinden können und Klarheit entstehen. Der Horizont wird irgendwie weiter, das Ego tritt ein ganz klein wenig zurück. Als hallo zu diesem Dazwischen, ich bin gespannt wo du mich hinführst und versuche den Weg zu genießen.

Kategorien und das wahre Leben

Ich habe eine ganze Zeit lang überlegt, was das nun alles für mich bedeuten soll. Wechseljahre. „Du wirst alt“ sagen die Einen und ich frage mich: Ist das meine neue Kategorie? Die Idee von Dazwischen kann eigentlich nur entstehen, wenn wir einen Anfangs- und einen Endpunkt setzten. WAs zweifelsohne im Leben so ist, Geburt und Tod – dazwischen ein Dazwischen. Wenn wir jedoch zulassen, dass die Kategorien uns definieren, dann schränken wir uns ein. All die Etiketten, die „jung“ oder „alt“, die „Berufstätige Mutter“ oder „Hausfrau“, „gelassen sein“ oder „gestresst“ – kennt jemand irgendeinen, der sich ganz mit dem einen oder anderen identifizieren kann? Es gibt so selten ein schwarz oder weiß. Das wahre Leben ist ein Dazwischen und all die Kategorien schränken uns nur ein. Plötzlich wird unser Alter etwas, in dem wir was können oder nicht mehr können – dabei ist jeder Körper anders. Oder wir bekommen schlechte Gewissen oder sind stolz, weil wir die ein oder andere Kategorie mögen und die Illusion haben, in sie hinein zu passen. Dabei passt keiner von uns in eine Kategorie, viel zu komplex ist diese Welt und dieses Leben.

Wege gehn

„Der Weg ist das Ziel“ heißt es so schön. Wie ist es, wenn wir unsere Ziele und Wünsche betrachten und sehen, welche Sehnsucht sie aus dem jetzigen Moment spiegeln? Wenn wir dafür sorgen würden, dass unser Weg, wo auch immer er uns gerade lang führt, so angenehm wie möglich wäre? Wenn wir alles Ankommen, alles Dazwischen, alles Losgehen, ehren würden? Weil es keine Start – und Endpunkte gibt, außer die zwei entscheidenden und wir dazwischen einfach immer unterwegs sind? Das Dazwischen ist unser Leben. Wie also, ist die Frage, sollte es sich anfühlen und was kannst du jetzt gerade dafür tun?

Happy day und ich freu mich auf eure Gedanken,

Silja

PS: Die wunderbaren Fotos hat Martin Giebel gemacht. Sie gehören zur Fotostrecke in Glücksjahr 2019:

Wie immer gilt: Das Buch gerne im Lieblingsladen ordern. Wer über den Link bestellt sollte wissen, dass ich davon ein wenig profitiere.

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

4 Kommentare

  1. Christina 1 Monat vor

    Liebe Silja, ja du hast es auf den Punkt gebracht. Wir hecheln wirklich oft der Karotte/Illusion hinterher, und glauben, wenn das erreichte Ziel da ist, dass wir dann glücklich, reich, zufrieden, satt ( beliebig erweiterbar) sind und rennen oft im gleichen Atemzug weiter, weil das Gefühl immer noch nicht ausreicht. Weil wir im Außen versuchen unsere ( vermeintlichen) Bedürfnisse, Wünsche, Sehnsüchte zu erfüllen. Und dabei passiert das Leben und wir spüren vor lauter Rennen das Jetzt gar nicht mehr. Deine Fragen wozu und weshalb werde ich versuchen jetzt viel öfter in meinen Tag einzubauen. Damit ich das Dazwischen mit Leben Fülle und nicht einer Illusion hinterherlaufe. Danke von Herzen. Bin froh Dich auf meinem Weg dabei zu wissen und dem Dazwischen und dem Sein auf die Spur zu kommen. By the was: Stefan Hiene sagt: <>
    Von Herzen
    Christina

    • Autor
      Silja 1 Monat vor

      Liebe Christina,

      vielen Dank für deine Nachricht und dein liebes Feedback. Dann sind wir schon zu zweit und fragen uns: Wozu?
      Ganz liebe Grüße und viel Freude im Dazwischen,

      Silja

  2. Ursula 4 Wochen vor

    Liebe Silja, es ist immer schön Deinen Gedanken und Anregungen zu folgen!
    Was ich ein wunderbares Bild für die immer wieder mehr oder weniger vorbeischauenende Hitzewellen im Körper finde, sich am Strand in der Sonne liegend vorzustellen, herrlich! Was auch immer wieder ganz schön ist dabei, einfach in seinen Körper zu spüren und zu sagen: Hallo, Du bist da, ich nehm Dich für einen Moment besonders war. Ich denke auch, am besten einfach einen positiven Weg finden, damit umzugehen, wir können es nicht ändern und es ist eine Lebensphase, die uns auch wieder Neues bringt.
    Übrigens finde ich, Dein Grau steht Dir blendend, es sieht einfach so natrülich aus und Dein Strahlen erscheint in voller Blüte dazu.
    Sei herzlich gegrüsst,
    Ursula

    • Autor
      Silja 4 Wochen vor

      Liebe Ursula,

      ich danke dir für deine lieben Worte und dieses fabelhafte Bild! Das übernehme ich gleich für mich 🙂
      Ganz liebe Grüße zurück und bis bald,
      Silja

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