#15: Mia von The Sober Glow über Nüchternheit, Glück & graue Haare

#15: Mia von The Sober Glow über Nüchternheit, Glück & graue Haare

#15: Mia von the Sober Glow über Nüchternheit, Glück & graue Haare

Wie passen Nüchternheit und graue Haare zusammen? Was bringt es, wenn wir mehr und mehr unsere Fassaden ablegen und uns trauen wir selbst zu sein? Ich habe hierzu Mia von The Sober Glow interviewt – was ein weiterer Fangirl-Moment für mich in dieser Podcastreihe war. Mia inspiriert mich schon lange und zwar ursprünglich, da auch sie ihre Haare ins natürliche Grau hat wachsen lassen. Und dann las ich ihr Manifest, was mich umgehauen hat, aber dazu später mehr.

Kalifornische Vibes bei Radikal glücklich

Da das Interview auf englisch ist, habe ich dieses Mal ein wenig mehr zusammen gefasst von dem, was wir besprochen haben. Es war so wunderbar, also wenn du Lust hast mehr zu hören, dann bitte hör zu! Mia spricht super verständlich und ist ein so inspirierender Gast gewesen. Sie lebt im sonnigen Kalifornien, trinkt seit September 2015 keinen Alkohol mehr und hat über die letzten Jahre eine wunderbare Online Community aufgebaut, in der sie Frauen ermutigt, ebenfalls auf Alkohol zu verzichten. Ihr Augenmerk liegt dabei insbesondre auf den von ihr also „Grauzonen-Trinkern“, aber dazu später mehr. Das Interview könnt ihr hier anschauen oder hören und unten eine kleine, frei & nach Besten Gewissen zusammengestellte, Zusammenfassung lesen:

Diesmal auch als Video (und sie hat echt Glow, oder?):

(Das verstörende Headset von mir ist übrigens das Gaming Headset vom Ältesten 😉 falls sich jemand wundert, ob ich Hobbypilotin geworden bin.)

Mias Geschichte

Ihre 20er und 30 er hat Mia in New York gelebt, wo sie studierte und in Bars gejobbt hat. Ausgehen war ihr Ding, sie war unterwegs, trank und feierte, erzählte sie. Da sich sie auch in Bars gearbeitet hat, waren die meisten ihrer Freunde ebenso unterwegs. Mehrmals versuchte sie mit dem Trinken aufzuhören, aber es gelang nie ganz. Ihr Leben bekam sie trotzdem hin. Sie schloss die Uni ab und traf ihren heutigen Ehemann, alles war nach Außen gut – nur Innen nicht. Im Interview sagte sie, dass sich ihr Leben nicht wirklich gut für sie angefühlt hat. Trotz Yoga und mehreren Yogalehrerausbildungen fühlte es sich nicht richtig an. Es gab einen Zwiespalt zwischen dem Frieden, den sie im Yoga suchte und dem Ausgehen und Feiern, das ihren Alltag bestimmte.

Der Weg zum nüchtern sein

Mit 39 gab Mia den Alkohol auf. Einfach so? Nun es sei ein Prozess gewesen, sagte sie. Irgendwann wuchs in ihr die Vision, mit 40 eine nüchterne Frau zu sein. Ihr Leben teilte sich zu dem Zeitpunkt in  Gegensätze: Auf der einen Seite war da der Frieden, den ihr Yoga manchmal brachte und auf der anderen Seite war da all das Ausgehen, Zigaretten und Alkohol und die Arbeit in Bars. Den Frieden des Yogawegs mehr und mehr finden war ihr Ziel, anstatt nur danach auszusehen, wie sie es im Interview beschrieb.

Wie sie ihren Weg sieht

Nicht trinken tut ihr gut, erklärte sie voll Überzeugung. Dennoch will sie sich bewusst keine harte Grenze mit einem „Nie mehr“ auferlegen. Den Druck, den das erzeugen kann, vermeidet sie. Der Frieden jedoch, den die Nüchternheit ihr gebracht hat, sei unbezahlbar. Ihr Lebensstil hat sich völlig gewandelt. Nicht nur, dass sie mit ihrem Mann von New York nach L.A. gezogen ist, das Leben findet zudem vor allem tagsüber statt. Mia steht früh auf (zwischen 4-5 Uhr) und geht daher abends schon zwischen 8 und 9 Uhr ins Bett (Merker an mich über gute Schlafenszeiten an dieser Stelle).

Ein „lauteres“ Leben

Ohne Alkohol sei das Leben „lauter“ geworden, sagte Mia im Interview. Natürlich gibt es bei ihr eine Menge lustiger und wilder Erinnerung aus der Zeit mit Alkohol, aber heute wählt sie bewusst anders. Sie fühlt sich verbundener mit den Menschen, mit denen sie Zeit verbringt. Keine Stimme sei da mehr im Hinterkopf, die über den nächsten Drink nachdenkt. Sie kann sich besser merken, was gesagt wird und vergisst nicht mehr, was am Vorabend besprochen wurde. Konzentration sei da, Achtsamkeit und ebenso bessere Gespräche, da ja nach ein paar Drinks sowieso nur noch Quatsch erzählt würde.

Das Umfeld

Ihr Freundeskreis hat den Wandel gut verkraftet. Da sie in den ersten Wochen gar nicht über ihren Weg zur Nüchternheit gesprochen hatte, war es nach der 100 Tages Grenze keine große Sache mehr. Nur ihr Mann wusste Bescheid und unterstützte sie auf ihrem Weg. Ein paar wenige Freunde sind verloren gegangen und es gab nicht nur positive Kommentare, gab sie zu.

Nüchternheit für alle?

Jeder müsse für sich entscheiden, welcher Lebensstil passe,  sagte Mia. Es gäbe nicht den einen Weg – nur für sie sei der gerade genau richtig. In ihrem Job als Krankenschwester in der Onkologie trifft sie täglich Menschen, die ums Überleben kämpfen. Das hat vieles in die richtige Perspektive gerückt. Für sie ist das nüchtern sein daher eine Wahl zu einem Leben, dass sich so anfühlt, wie sie es sich immer gewünscht habe.  Diese positive Perspektive teilt sie auch in ihrer Online Präsenz. Instagram sei ihr „happy place“ neben dem stressigen Beruf, gab sie zu. Dafür wird sie manchmal kritisiert, bleibt aber auf ihrem Weg.

Graue Haare

Genauso ein Ablegen einer Maske war auch ihr Prozess des Grau- Werdens. Mit ihrem Umzug nach L.A. entschied sie sich für ihre Naturhaarfarbe und selbst ihr Ehemann war anfangs skeptisch. Der Übergang fand weitestgehend mit einem Dutt statt, da der Besuch bei einer, auf Übergänge ins Grau spezialisierten, Friseurin mit einem zweifelhaften Ergebnis endete.

Die Krone tragen

Da ihr Haar schnell wächst, ist sie nun fast ganz grau und liebt es. Dieser Kopf voller silberner Haare sei, wie das Herz auf dem Kopf tragen. Verwundbar macht sie das nicht, sondern stolz. Andere bestärkt sie auch dabei, die Farbe wegzulassen, versteht aber jeden, für den dieser Weg in die Natürlichkeit (noch) nichts ist.

Tägliche Routinen

Im Interview hab ich Mia nach ihren täglichen Routinen befragt. Ich finde immer spannend zu hören, was anderen hilft auf Spur und guter Dinge zu bleiben. Sie liebt ihr tägliches Journaling sehr. Scherzhaft nennt sie ihre Tagebücher „Fuck you Journals“, da sie dort ihre negativen Gedanken raus lässt, um die Bücher dann später zu verbrennen. Sie seien nicht zum lesen, nur zum rausschreiben, gab sie zu. Außerdem arbeitet sie gerade mit David Elliott, einem bekannten Atemtherapeuten und lässt sich hier ausbilden. Nach der Atemarbeit fühlt sie sich so gut, wie sie sich ursprünglich mal nach einem Drink fühlen wollte (was aber damit nie funktioniert hat).  Somit gehört das Atmen auch zur wöchentlichen Praxis, für die tägliche Übung ist es ihr zu intensiv. Sie liebt zudem ihren Kaffee oder Matcha am Morgen, zieht eine Tarotkarte, meditiert und treibt Sport – all das bevor sie um sechs ihr Haus verlässt.

Zukunft

Mehr im Moment sei sie, seit sie nicht mehr trinkt, hat Mia betont. Der innere Frieden sei endlich da. Die Beantwortung von Fragen ihrer Online Community kostet nun schon riesig viel Zeit, weshalb sie dem Bedürfnis der Frauen nachkommen will und ein Coachingprogramm für das sogenannte „Grauzonen-Trinken“ aufsetzen wird. Das Programm wird u.a. die Atemarbeit enthalten und Frauen dabei unterstützen in die Nüchternheit zu finden oder in dieser zu bleiben. Hierzu hat sie vor kurzem Fragen aus dem Fragebogen der NIAAA gepostet und diese ehrlich und öffentlich beantwortet (siehe Link unten). Mit den Fragen kann man herausfinden, ob man den Alkoholkonsum missbraucht. Viele Frauen haben ihr geantwortet und es gab eine Menge Diskussionen. Das Thema triggert. Bisher gäbe es in der Öffentlichkeit oft ein Schwarz- weiß denken, sagte Mia. Dabei gäbe es sovieel Grauzonen. Bei ihr war das so und sie will die ermutigen, denen es ebenso geht.

Meet Mia

Am Ende von unserem Gespräch ermutigte Mia alle, die sich angesprochen fühlen, die zum Beispiel eine innere Stimme hören, die zum Aufhören drängt, in Kontakt zu gehen mit Menschen, die auch auf dem Weg zu Nüchternheit sind oder sich bei ihr oder mir zu melden. Es sei wichtig, sich zu erlauben auf diese innere Stimme zu hören. Diesen Weg zu erkunden lohne sich. Bei ihr entstand so neuer Raum, den sie mit guten Angewohnheiten wie Meditation, Sport und Schreiben gefüllt hat.

Das Manifest

Ich wünsche euch viel Spaß bei diesem Interview und bin gespannt auf eure Gedanken, Meinungen und mehr. Das Interview hat dazu geführt, dass ich die Facebook Gruppe „Strahlend nüchtern“ gegründet habe. Wenn du auch dabei bist, Alkohol aus deinem Leben zu verbannen, dann melde dich gerne bei mir (Falls der Link nicht klappt einfach bei Facebook nach strahlend nüchtern suchen und eine Anfrage stellen).

Zu guter Letzt teile ich Mias Manifest und zwar von mir kühn übersetzt ins Deutsche:

Das Sober Glow Manifest

Ich wähle…

  • Energie statt Lethargie
  • Lieber Liebe als Gleichgültigkeit
  • Sport machen statt einen Kater haben
  • Produktivität anstelle von Netflix
  • Klarer Blick statt rote Augen
  • Liebe machen anstelle von miteinander kämpfen
  • Selbstbewusstsein statt Unsicherheit
  • Lieber strahlende Haut als verquollen und aufgeschwemmt sein
  • Der Glanz des wahren Lebens statt iPhone Beauty Apps
  • Lieber glasklares Denken als ein betäubtes Gehirn
  • Die eigene Wahrheit sprechen statt Geheimnisse flüstern
  • Einstimmen statt abkapseln
  • Selbstfürsorge anstelle von Selbstsabotage
  • Lieber verbinden als Verbindungen lösen
  • Sich wirklich darum scheren anstelle von scheiß-egal finden

Habt ein feines Wochenende & liebste Grüße,

Silja

PS: hier ein paar Adressen aus dem Interview:

You can find Mia here: https://www.thesoberglow.com

Her upcoming SUP retreat in October 19:  http://www.thesoberglow.com/retreat

Breath work Teacher David Elliott: https://www.davidelliott.com

The NIAA questions we are talking about:  https://www.niaaa.nih.gov/alcohol-health/overview-alcohol-consumption/alcohol-use-disorders

PPS: Solltest du das Gefühl haben, dass du ein Thema mit Alkohol hast, hol dir Hilfe. Beratungsstellen findest du beispielsweise hier:

Die Organisation Kenn dein Limit hilft.

Auch Verbände helfen, u.A. mit Online Beratung, schau bei:  Caritas,  Rote Kreuz oder  Anonymen Alkoholiker

PPPS: Alle Bilder gehören Mia / pictures belong to Mia.

 

Hallo, ich bin Silja. Gründerin von Glücksplanet und Trainerin, Coach, Yogalehrerin, fröhliche Mama von drei Söhnen, glückliche Ehefrau, begeisterte Pflanzenesserin, beseelte Yogaübende. Mein Herz schlägt für Psychologie und Coaching, Yoga und gutes, gesundes Essen. Ich schreibe mit Leidenschaft über alles, was helfen kann ein glückliches, entspanntes und begeistertes Leben zu leben. Mehr findest du auf meiner "Über mich" Seite. Für tägliche Inspiration folge mir auf Facebook oder Instagram.

2 Kommentare

  1. Tanja Reichelt 6 Monaten vor

    Liebe Silja, vielen Dank für die Übersetzung und Zusammenfassung des Interviews mit Mia. Ich selbst habe es mir angewöhnt zwei Stunden bevor ich das Haus verlasse um in die Arbeit zu radeln, Zeit für mich zu haben (Frühstücken, Duschen, eine kleine Meditation, eine Kartenziehen, die Katzen versorgen). Es tut mir einfach unglaublich gut. 5:20 Uhr läutet der Wecker. Ich muss dann bald mal.. 🤗😴😴 lieben Gruss, Tanja 🌻

    • Autor
      Silja 6 Monaten vor

      Liebe Tanja,
      ja ich liebe es auch früh aufzustehen und morgens Yoga zu üben und und und.
      Arbeite gerade daran früher ins Bett zu kommen, merke dass mir das sehr gut tut.
      Liebe Grüße,
      Silja

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